|
“Jedes Kind hat Stärken – individuelle Förderung im Unterricht“
Dr. Christian Palentien, Universität Bielefeldt Eine Schule für alle – den Kreislauf von Sozialschicht und Schulerfolg durchbrechen

Die Ergebnisse der jüngsten internationalen Schulleistungsvergleichsstudie PISA haben in Deutschland zu einer breiten öffentlichen und (bildungs-)politischen Diskussion geführt. In kaum einer anderen Industrienation zeigten sich im OECD-Vergleich beim Lesen, in der mathematischen sowie in der naturwissenschaftlichen Grundbildung so große Kompetenzdifferenzen wie bei den Schülerinnen und Schülern, die das deutsche Bildungssystem besuchen: Ein mittleres Kompetenzniveau wird nur von einem geringen Anteil der Schülerinnen und Schüler erreicht. Hingegen wird einer große Gruppe von Schülerinnen und Schülern lediglich das Erreichen der als Minimum geltenden Kompetenzstufe attestiert. Hinzu kommt, dass schulischer Erfolg in Deutschland noch immer im hohen Maße von den sozialen und bildungsbezogenen Voraussetzungen der Eltern abhängig ist. Als Reaktion zunächst auf die Ergebnisse der PISA-, dann später auch der IGLU-Studie, entwickelten sich zahlreiche Diskussionen über eine Reform der Schule, die erstmals auch andere Orte und die Schule ergänzende Bereiche von Kindern und Jugendlichen berücksichtigte. In der Beobachtung dieser Diskussion lässt sich jedoch feststellen, dass diese Bereiche weitgehend getrennt voneinander behandelt wurden und noch immer werden. Unter dem Stichwort „Jedes Kind hat Stärken – individuelle Förderung im Unterricht“ sollte versucht werden, einen Transfer zwischen Bildungsprozessen in allen pädagogisch relevanten Institutionen wie Familien, Kindergärten, Grund- und Sekundarschulen, Jugendeinrichtungen, Medien und Peers zu initiieren. Die hiermit einhergehende curriculare und didaktische Individualisierung sollte sich dabei an der lebensweltlichen Realität insbesondere der so genannten bildungsfernen Kinder und Jugendlichen orientieren, damit sich evtl. ungünstige Bedingungen eines Bereichs, wie z. B. im familialen Sektor Arbeitslosigkeit, Armut, Migration etc., nicht als Voraussetzungen für andere Bereiche manifestieren.
Arbeitsforum 1 Ganztagsschulkongress 2005 Freitag, 02. September 2005
<< zurück zur Übersicht
|