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Rainer Domisch, Finnisches Zentralamt für Unterrichtswesen Individuelle Förderung im Unterricht – Grundaufgabe von Bildungsplanung
Individuelle Förderung im Unterricht lässt sich nicht auf einer Ebene festmachen. Individuelle Förderung als Grundlage für den schulischen Unterricht kann man nicht nur über die Arbeit und Einstellung von Lehrenden und Lernenden innerhalb von vier Schulwänden verwirklichen.Neben den notwendigen pädagogischen und zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern sind weitere wichtige Faktoren die Lernkultur einer Schule, die Organisation von Lernen und Schulunterricht landesweit und die allgemeinen Zielsetzungen und Qualitätsansprüche der verantwortlichen Bildungsplanung insgesamt.
Individuelle Förderung von Schülern kann nicht vom Zufall oder vom Glück abhängen, eine Lehrerin oder einen Lehrer mit der entsprechenden persönlichen Haltung und Einstellung zu bekommen. Es reicht auch andererseits nicht aus, individuelle Förderung in Schulgesetze zu schreiben und darauf zu hoffen, dass sich die Schulwelt entsprechend verhält. Individuelle Förderung muss ein Recht sein, auf das jede Schülerin und jeder Schüler einen Anspruch hat. Gleichzeitig müssen Schüler lernen, in diesem Lernprozess Mitverantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen und zwar schon bereits im Vorschulbereich. Dieser Anspruch und die Mitverantwortung brauchen als Grundlage
• Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten • ein Vertrauensverhältnis zu Lehrern und Mitschülern • Sicherheit und Geborgenheit in der Schule • Neugier und Motivation, Neues zu lernen • Mut und Bereitschaft zu Herausforderungen • Stärke, auch Niederlagen entgegenzusehen und sie zu überwinden.
Schulen müssen lernen, nicht nur verwaltet zu werden oder sich selbst zu verwalten, sondern in eigener Verantwortung die ihnen anvertrauten Schüler so weit zu bringen wie es nur möglich ist, einmal in einer von menschlicher Solidarität bestimmten Lernkultur und zum anderen mit hochgesteckten Angeboten und Ansprüchen, welche die Perspektive zum lebenslangen Lernen eröffnen.
In Finnland wurde die Organisation des schulischen Lernens in den letzten Jahrzehnten u.a. von folgenden Reformschritten geprägt:
• Einführung der Peruskoulu, der gemeinsamen Schule für alle unterschiedlichen Schüler eines Jahrganges mit einer gemeinsamen neunjährigen Lernzeit und dem Prinzip der individuellen Förderung und Abschaffung des gegliederten Schulsystems 1972-1777 • Übertragung der Schulträgerschaft auch für Inhalte der Unterrichtsarbeit auf die Kommunen • Abschaffung von Schulinspektion und Einführung von schulischer Qualitätsevaluierung auf verschiedenen Ebenen, auf partnerschaftlicher Grundlage mit hohem Anteil von Selbstevaluierung Anfang der 90er-Jahre • Grundsätzlich alle zehn Jahre neue Rahmenpläne und Standards.
Rahmenpläne (Standards) einerseits und nationale Evaluierung von schulischer Qualität andererseits bilden die Basis für die Bildungsplanung. Die Rahmenpläne enthalten neben den Anforderungen im Fachbereich Zielsetzungen zum Lernen lernen, zum lebenslangen Lernen und enthalten individuelle Förderung.Die jährlichen Evaluierungen auf Landesebene in Form von repräsentativer Zufallsauswahl ohne Ranglisten von Schulen untersuchen die Qualität schulischer Arbeitsergebnisse, die sich auf Lerninhalte, Lernen lernen und lebenslanges Lernen beziehen. Der Landesdurchschnitt der Evaluierungen wird veröffentlicht, der Vergleich mit dem eigenen Schulprofil bildet die Grundlage für die Qualitätsentwicklung der einzelnen Schule. Evaluierung ist ein Mittel der Bildungsplanung, das sich als Weitergabe von Informationen versteht.
Arbeitsforum 2 Ganztagsschulkongress 2005 Freitag, 02. September 2005
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