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Individuelle Förderung und Personalentwicklung

Lehrer/innen sind auch Lernende

Individuelles Fördern muss selbst erfahren werden, gewollt sein und in praxisbegleitenden Arbeitszusammenhängen gelernt und unterstützt werden.Ausgehend davon, dass Lehrerhandeln und professionelle Kompetenz bestimmt werden durch:

Wissen –
Individuelle Förderung verlangt ein Wissen um Lern- und Kompetenzaufbau, sowohl auf das Fach bezogen als auch für den Erwerb fächerübergreifender Fähigkeiten. Sie wird unterstützt durch Kompetenzmodelle, die Selbst- und Fremdeinschätzung sowie den Dialog darüber ermöglichen. Eine Lehrperson, die weiß, auf welcher Kompetenzstufe sich der einzelne Schüler befindet, kann ihm Wege für die nächsten Schritte zum Kompetenzaufbau aufzeigen, ihn begleiten und ihm die „Zone der nächsten Entwicklung“ (Wygotski) eröffnen. In diesem Zusammenhang sind voraussichtlich Kompetenzmodelle hilfreich, bei deren Entwicklung die Universitäten/Fachdidaktiken gefragt sind.

Können – Auch beim Erwerb von „Routinen“ oder „Praktiken“ der Lehrpersonen als Verknüpfung von Wissen mit Handeln scheint mir die Orientierung an Kompetenzmodellen sinnvoll, denn Kompetenzen bauen sich erst im Verlauf der Berufstätigkeit auf. Gerade bei der Anforderungssituation „Individuelle Förderung“ gibt es Hinweise darauf, dass ein „Novize“ sie noch als Überforderung erlebt und dass es vielfältiger Erfahrungen und Unterstützungsmaßnahmen bedarf, damit dem Berufsanfänger von der „Survival Stage“ über die „Mastery Stage“ in der „Routine Stage“ der  Blick auf den einzelnen Schüler gelingen kann.

Subjektive Theorien – Wissen und Können werden jedoch ganz entscheidend von den eigenen „subjektiven Theorien“ und dem Wollen gesteuert und beeinflusst. Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Theorien sind damit subjektive Überzeugungssysteme der Lehrpersonen gemeint, die sich z.B. auf die Struktur des Wissens oder auf das Lernen beziehen. Sie stammen z.B. aus der eigenen Schulerfahrung und sind nur sehr schwer aufzubrechen. Untersuchungen zeigen, dass Veränderungen auf der Handlungsebene ohne vorherige Bewusstmachung und ggf. Veränderung der subjektiven Theorien unter Umständen wirkungslos bleiben.

Thesen zur Personalentwicklung

In der Lehrerbildung müssen in allen Phasen Theorie, Übung und Praxis miteinander vernetzt werden.Insbesondere die sensible Phase des Berufseinstiegs bedarf einer professionellen und kollegialen Begleitung/Coaching.In den Schulen muss es gemeinsame Arbeitszusammenhänge und professionelle Lerngemeinschaften geben. Fortbildung sollte das eigene Lernen der Lehrpersonen (und den sehr unterschiedlichen Stand) zum Thema machen und in den Mittelpunkt stellen; das Lernen mit/durch die anderen ermöglichen; subjektive Theorien und Einstellungen einbeziehen und hinterfragen; die verschiedenen Kompetenzbereiche miteinander verbinden; Wissenstransfer durch kontinuierliche Praxisbegleitung unterstützen; über eine längere Zeit angelegt sein; Inhalt und Form miteinander in Einklang bringen.

Es geht im Wesentlichen um veränderte Haltungen dem Stoff und dem Schüler gegenüber, wenn wir über individuelle Förderung reden. Im anderen Fall wird der Teufelskreis der Überforderung nicht durchbrochen.

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