Individuelle Förderung und Organisationsentwicklung
Lernorte – Zeit und Raum in Ganztagsschulen gestalten
Stefan Appel, Ganztagsschulverband Vortrag zum 2. Ganztagsschulkongress 2005
Lernen in der Ganztagsschule bedeutet mehr als nur Unterricht im üblichen Sinne. Der erweiterte Zeitrahmen ermöglicht es, Lernprozesse in Ruhe anzubahnen, die Zuwendung zu intensivieren und die Wissensvermittlung flexibel zu gestalten. Unterrichtsbereiche in einer Ganztagsschule verlangen daher neben einer atmosphärisch ansprechenden Gestaltung auch ein bewegliches Mobiliar, das den Klassenraum zur Lernwerkstatt werden lässt.
Verpflegungsbereich Wir sprechen in Ganztagsschulen von „Mittagessen und anderen Mahlzeiten“, weil bei einer Verweildauer über den Tag mehr als eine Mahlzeit anfällt. Wichtig ist vom Versorgungsaspekt die Erkenntnis, dass in üblichen Lehrküchen der Schulen oder im Cafeteriabetrieb auf Dauer keine Gemeinschaftsmahlzeiten angerichtet werden dürfen. Schulleitungen müssen sich daher mit verschiedenen Verpflegungssystemen, mit gesunder Ernährung, aber auch mit der erzieherischen Gemeinschaftswirkung des Essens auseinander setzen.
Begegnungsbereich Die Schule der Gegenwart ist längst Ort der Sozialen Geschwister geworden. Es gilt, dem Mitteilungsbedürfnis, dem Wunsch nach vielfältigen sozialen Beziehungen, dem Nicht-allein-sein-Wollen Rechnung zu tragen. In besonderen Räumen mit besonderer Ausstattung geht man den Wünschen nach Musikhören, Kaffeetrinken, Snackessen, Informationen besorgen, Tanzen, Diskutieren, Freundschaften anbahnen und Spielen nach.
Rückzugsbereich Nicht immer möchten Schüler/innen ihre Zeit im Trubel der Altersgenossen verbringen, oftmals benötigen Kinder und Jugendliche auch Möglichkeiten der Selbstbesinnung, der Ruhe, der Selbstfindung (Nischen, Sitzecken, Einzelarbeitsplätze, Ruheliegen usw.).
Medienbereich Trotz oder gerade wegen der erweiterten Medienerfahrung der jungen Generation gebührt der „pädagogischen Medienerziehung“ in Ganztagsschulen eine besondere Aufmerksamkeit. Im Zusammenhang mit Unterricht, aber auch im Zusammenhang mit Freizeiterleben haben Computer, Fernseh- und Videogeräte sowie DVD-Player ihren festen Platz in der jugendlichen Welt (Mediothek, Lernatelier, Freizeitbibliothek, Internetcafé, Druckerei, Filmraum usw.).
Bewegungsspielbereich Bei ganztägigen Aufenthalten in der Schule fällt ein erheblicher Teil des Bewegungsbedürfnisses der Kinder und Jugendlichen in den Zuständigkeitsbereich der Schule. Neben der üblichen Sporthalle, die diesen Bereich nur zu geringen Teilen abdecken kann, sind Räumlichkeiten für Tischtennis, Billard und ähnliche Bewegungsspiele einzurichten (Grundschulen brauchen Räume zum Nachlaufen, Verstecken usw.).
Sozialerfahrungsbereich Soziales Lernen ist eines der Grundanliegen der Ganztagsschule. Neben den üblichen Unterrichtsgelegenheiten für dieses Ziel geht es um Möglichkeiten der Teilnahme, Teilhabe und Mitwirkung an Tätigkeiten/Aktionen im außerunterrichtlichen Bereich. Benötigt werden Räumlichkeiten für freie Projekte, ein Forum für Schülerpolitik, Flächen zur spontanen Nutzung (Bauspielplatz), Recyclingwerkstätten, Sozialberatungsräume, Freiflächen usw.
Musisch-technische Bereiche Es ist unbestritten, dass das Angebot an Arbeitsgemeinschaften, Hobbygruppen, Projektvorhaben, kulturellen Angeboten und Mitmachgelegenheiten an Ganztagsschulen weit gefächert sein muss. Nötig sind Räume für das Erleben kulturtechnischer Fähigkeiten, aber auch Räume für musische Aktion und klassische Technikerfahrung. Es geht also um Kochen, Mode, Kosmetik, Hygiene, Tastaturschreiben, Holz-, Metall- und Kunststoffbearbeitung, Fahrradreparatur, Drucken, Textilarbeit, Töpfern, Zeichnen, Fotografieren usw.
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