Elternmitarbeit
 Foto: DKJS ... am Beispiel der Fritz Steinhoff Gesamtschule in Hagen Quelle "Entwicklung und Organisation von Ganztagsschulen Anregungen, Konzepte, Praxisbeispiele"
Elternmitarbeit hat an der Fritz Steinhoff Gesamtschule in Hagen eine lange Tradition. Der didaktische Ausschuss hatte in der Gründungsphase der FSG 1975 die Partizipation von Eltern im Vorbereitungsprozess und für die zukünftige Entwicklung der Schule als zentrales Anliegen formuliert. Dies sollte nicht nur in den schulischen Gremien wie Klassen- und Schulpflegschaften, Schulkonferenz und Fachkonferenzen umgesetzt werden, sondern vor allem auch in der Praxis des Ganztagsbetriebs der Schule – und damit zu einer deutlichen Erweiterung der Erfahrungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler und zu einer Bereicherung des Schullebens führen. Im Rahmen eines Wochenendseminars 1975, an dem mehr als 20 Eltern teilnahmen, wurde der Start einer konkreten Mitarbeit im sogenannten Offenen Freizeitbereich verabredet. Die Umsetzung begann. Inhalte aus den Bereichen Kunst und Werken, aber auch Sportangebote waren zunächst Kernpunkte der Elternmitarbeit. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt stellte sich heraus, dass das Anstoßen und vor allem die Umsetzung von Entwicklungen im Freizeitbereich – was die Notwendigkeit der Entwicklung von Raumbereichen, den Einsatz von Lehrerinnen und Lehrern, die Integration und stabilisierende Begleitung von mitarbeitenden Eltern sowie die Übernahme von Verantwortung durch Schülerinnen und Schüler umfasste – nicht mehr durch die didaktische Leitung geleistet werden konnte. Es wurde ein Freizeitteam geschaffen, das in engem Kontakt mit dem didaktischen Leiter als Mitglied der Schulleitung diese Aufbau- und Entwicklungsarbeit übernahm. Heute organisiert und begleitet das Team die Mitarbeit von 80-90 Eltern wöchentlich. Alle inzwischen aufgebauten Strukturen, in die Eltern eingebunden sind (wie z. B. das Schülercafé seit 1980 und die Zertifikatskurse seit 2004), wurden in einem längeren Prozess zusammen mit den Eltern entwickelt. Diese Arbeit wird täglich vom Freizeitteam begleitet. Die Eltern finden immer Ansprechpartner. Der Leiter der Freizeit ist seit mehreren Jahren Mitglied der Schulleitung und kann damit direkt und unmittelbar Aspekte aus seinem Arbeitsbereich einbringen – unter anderem auch Anliegen und Beobachtungen der Eltern mit berücksichtigen.
Elternmitarbeit in vielen Bereichen
Die sinnvolle Gestaltung des Ganztags ist an der Fritz Steinhoff Gesamtschule in Hagen ohne die Mitarbeit vieler Eltern überhaupt nicht mehr denkbar. Durch den kontinuierlichen Aufbau der Elternarbeit und gezielte Personalentwicklung in diesem Bereich sind die Eltern dieser Schule in hohem Maße am Ganztagsbetrieb der FSG beteiligt. Eltern sind wichtige Partner, und sie sind vor allem auch geschätzte und respektierte Partner: Sie werden zu besonderen Festen und Schulveranstaltungen eingeladen, es gibt für die Eltern spezielle Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. So wurde es wiederum möglich, dass nicht nur Pausenaktivitäten, sondern auch unterrichtsnahe Veranstaltungen wie z.B. in den Klassen 5 und 6 die Zertifikatskurse oder die Arbeit mit Schüler/innen im neu entwickelten Lesebereich der Schul- und Stadtbücherei von Eltern durchgeführt werden können. Natürlich wird die Elternmitarbeit auch in einem klassischen Feld wie dem Schülercafé fortgeführt. Elternmitarbeit ist darüber hinaus seit 2000 im Rahmen des Kulturteams des Schüler-Theater-Cafés etabliert.
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Zertifikatskurse
Die Zertifikatskurse sind eine neue und auch für andere Schulen interessante Möglichkeit der Elternmitarbeit. In den Zertifikatskursen des 5. und 6.Jahrgangs wird allen Schülerinnen und Schülern u.a. Basiswissen in der Handhabung des Computersystems der FSG und in der Laborarbeit durch Lehrerinnen und Lehrer vermittelt. Es gibt aber auch Kurse zu Ton-Plastik, Metall, Holz oder Farbe. Eltern leiten diese Kurse und vergeben nach Abschluss des Kurses Zertifikate. Die Kurse dauern sechs Wochen, danach wechseln die Schülerinnen und Schüler in einen anderen Kurs. Das bedeutet, sie werden in einem ganzen Schuljahr neue Erfahrungen und Kenntnisse in sechs verschiedenen Themenbereichen sammeln. Es bedeutet zugleich, dass auch Eltern, die nur über einen kurzen Zeitraum und nicht über ein ganzes Schulhalbjahr Zeit und Lust haben, sich und ihre Kenntnisse einzubringen, dies dennoch tun können. Durch die hohe Elternbeteiligung an der FSG können diese Kurse in halber Klassenstärke durchgeführt werden.
Zentrale Fragen
Elternmitarbeit kann nur aufgebaut werden, wenn es eine Schule wirklich will, wenn es im Schulprogramm verankert ist und die notwendigen begleitenden Strukturen dazu entwickelt und eingerichtet werden. Zu diesen Strukturen gehört ein Ganztagsteam, das sich speziell den Eltern als Mitwirkende im Bildungsangebot widmet. Dieses Team muss vor allem Antworten auf drei Fragen finden:
1. Wie können Eltern für eine ehrenamtliche Mitarbeit gewonnen und dann in die bereits vorhandenen Strukturen integriert werden?
2. Wie ist es möglich, eine konsequente Begleitung, Beratung und Betreuung der mitarbeitenden Eltern im schulischen Alltag zu sichern?
3. Wie kann eine Kultur der Anerkennung dieser ehrenamtlichen Mitarbeit durch die Schule aussehen?
Elternarbeit kann dann erfolgreich und für Schulen wie Eltern eine wichtige Bereicherung sein, wenn sowohl die Frage der Struktur, der Begleitung und auch der Ankerkennung berücksichtigt werden.
Quelle Michael Frowein, in "Entwicklung und Organisation von Ganztagsschulen Anregungen, Konzepte, Praxisbeispiele" Katrin Höhmann Heinz Günter Holtappels Ilse Kamski Thomas Schnetzer IFS-Verlag Dortmund 2005 ansehen
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