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Reformzeit

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„Die wichtigste Aufgabe der ersten Wochen nach den Sommerferien ist es für die Klassen des 5. Jahrgangs, die richtigen Tischgruppen zu bilden. [...] Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in Tischgruppen zu fünft oder sechst miteinander. Sie sind so zusammengesetzt, dass sich Jungen und Mädchen, leistungsstärkere und leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler in einer Tischgruppe befinden. Die Tischgruppe ist ein Lernteam, das Arbeitsaufträge gemeinsam bearbeitet, allerdings durchaus mit unterschiedlichen Anforderungen an den Einzelnen. Teamarbeit ist gefordert, leistungsstärkere helfen den schwächeren Schülern und lernen selbst dabei, festigen ihre eigenen Kenntnisse.“  Vogelsanger, W.: Es sind nicht alle gleich, aber alle haben die gleichen Rechte. In: Pädagogik, 56.Jg., Heft 7-8, 2004

Was hier wie eine Vision klingt, ist tatsächlich Realität! Der Schulleiter der Georg-Christoph-Lichtenberg Gesamtschule in Göttingen  erläutert anschaulich, dass es gelingen kann, Unterrichtsprozesse den Anforderungen von heterogenen Schülergruppen anzupassen. Damit schlägt die Gesamtschule Göttingen einen Weg ein, der in Deutschland nur wenige Mitstreiter kennt. Denn es ist eine fest verwurzelte Überzeugung im deutschen gegliederten Schulwesen, dass Schülerinnen und Schüler in leistungshomogenen Lerngruppen erfolgreicher lernen als in leistungsheterogenen. 

Dabei haben Untersuchungsergebnisse von TIMSS bis PISA gezeigt, dass wir eine Lernkultur brauchen, die in einem individualisierenden Unterricht der Heterogenität der SchülerInnen gerecht wird.  Denn offenbar gelingt es Schulen, die Heterogenität als selbstverständliche Voraussetzung des Unterrichts nehmen, besser, SchülerInnen aller Leistungsniveaus erfolgreich zu fördern.

Reformzeit setzt an der PISA- und TIMSS-Kritik an, macht sie zum Kernthema, will zur Lösung des Problems beitragen und konkrete Lösungsansätze erarbeiten. Wie das oben geschilderte Beispiel zeigt, gibt es bereits Schulen, die Heterogenität und Individualisierung als pädagogisches Prinzip ihrer Arbeit formulieren. Sie sind bei der Umsetzung ihrer Reformanstrengungen jedoch weitgehend sich selbst überlassen. In dieser Situation ein Programm zu starten, dass Schulen bei der Verbesserung von Unterricht wirklich unterstützt, Mut und Entwicklungslust befördert, Handlungsfähigkeit vermittelt und eine Öffentlichkeit schafft, ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Dies trifft sich mit den Intentionen der Robert Bosch Stiftung und der Deutschen Kinder-und Jugendstiftungen, den beiden Initiatoren des Programms.

Reformzeit – Schulentwicklung in Partnerschaft

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Unterschiede im Wesen, im Verhalten und beim Lernen unserer Kinder sind eine Herausforderung für jeden Lehrenden und werden doch häufig als Störfaktor behandelt. Im Ergebnis wächst die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die eine Klasse wiederholen müssen und – so haben die internationalen Vergleichsstudien gezeigt – in keinem Land sind soziale Unterschiede so entscheidend für eine erfolgreiche Bildungskarriere wie in Deutschland. Wie aber schafft man es, eine Lernkultur zu entwickeln, in der jedes einzelne Kind seinen Stärken und Schwächen entsprechend gefordert und gefördert wird?


»Reformzeit – Schulentwicklung in Partnerschaft«, das gemeinsame Programm der Robert-Bosch-Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung unterstützt Schulen dabei, Unterricht so zu gestalten, dass sich individuelle Lernleistung, Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenz bei Schülern aller Leistungsniveaus verbessern. Dabei setzt »Reformzeit« auf Praxispartnerschaften: Schulen lernen von Schulen. In regionalen Bündnissen arbeiten eine reformerfahrene Beraterschule und maximal drei Schulen, die neue Wege wagen wollen, zusammen und werden dabei von einem Schulentwicklungsberater begleitet.


Partnerschaften zwischen Schulen für Heterogenität und individuelle Förderung im Unterricht

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Alle guten Schulen haben Partner und Unterstützer. Sie haben an Modellversuchen teilgenommen, Partner in der Administration gefunden, oder haben sich zu Verbünden zusammengeschlossen. Viele weniger reformerfahrene Schulen verfügen nicht über derartige Partner, die sie in ihren Reformvorhaben anregen und unterstützen. Mit dem Programm „Reformzeit!“ soll diese Lücke geschlossen werden. Partnerschaften zwischen Schulen sollen helfen, dieses Umsetzungsproblem zu lösen, indem die Entwicklung von Einzelschulen verbunden wird mit Beratung und Anregung durch reformerfahrenere Beraterschulen.

„Reformzeit!“ lädt Partnerschulen ein, miteinander ein Bündnis für Unterrichtsreform im Sinne einer Förderung von Individualität und Heterogenität der Schülerschaft zu bilden. Dabei ist eine der Partnerschulen eine Schule, die in diesem Feld besonders reformerfahren ist (im folgenden Beraterschule genannt). Die anderen Schulen sind reforminteressierte und problembewusste Schulen (im folgenden Projektschulen genannt). Für dieses Bündnis-Modell spricht, dass

  1. die eine Beraterschule Inspiration und Beraterin sein kann und Erfahrung mit dem Durchlaufen der Schulentwicklungsuhr hat,
  2. die Projektschulen die entstehenden Entwicklungsideen und -wege für ihre schulischen „Normal“-Bedingungen diskutieren und variieren können sowie
  3. die Partnerschaft zwischen mehreren Schulen ein höheres Anregungspotential enthält als die zwischen zwei Schulen und darüber hinaus effektiver ist.

Die Schulbündnisse werden bei der Ausarbeitung der Entwicklungspläne und punktuell während der Programmlaufzeit durch ein Tandem aus einem externen Schulberater und einem Kollegen der Beraterschule unterstützt.

Ein „Mehrwert“ gegenüber klassischen Schulentwicklungsprozessen durch externe Berater besteht in dem hier beschriebenen Programm besonders darin, dass mit den innovativen Profilen der Beraterschulen lebende Bilder und Modelle guter Schulen und ihre gesammelte praktische Erfahrung weiter gegeben werden. Vorteilhaft ist auch, dass Entwicklungsprozesse von den Betroffenen selbst angeregt und durchgeführt werden, was Voraussetzung für eine nachhaltige Wirkung der Reformen ist. Der direkte Austausch zwischen den Schulen in einem Schulbündnis – der auch durch virtuelle Treffen (schola-21) erleichtert werden kann – bietet viele Vorteile, Synergieeffekte und beugt der Gefahr vor, immer wieder das Rad neu erfinden zu müssen.


Ziele von „Reformzeit!“

Mit dem Programm wird ein Modell erprobt, bei dem das aus vielen Programmen und Modellvorhaben hervorgegangene Entwicklungs- und Prozesswissen von Schulen durch Schulen an Schulen weitergegeben wird. Die für beide Schul-Seiten gewinnbringenden Partnerschaften haben in erster Linie das Ziel, durch Erfahrungstransfer und gemeinsame Entwicklungsarbeit Einzelschulen in ihrer Unterrichtsqualität weiter zu entwickeln und die Zahl guter Schulen in Deutschland zu vergrößern.

Das Programm verfolgt vorrangig das Ziel, die Heterogenität und die individuellen Stärken der Schüler als Chancen einer Umgestaltung von Schule und Unterricht in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei stellt sich das Programm der Aufgabe, Antworten auf folgende Fragen zu finden: Wie können Lehrer im Unterricht (und in den Unterricht ergänzenden Programmen) in angemessener Weise dem einzelnen Schüler gerecht werden? Wie ist auf wirksame Weise die individuelle Förderung des schwachen und die Förderung des starken Schülers möglich? Wie können Lehrer lernen, auf produktive Weise die „Heterogenität einer Lerngruppe“ zu nutzen?

Leider wird das zum Teil schon vorhandene Potential von hervorragenden Beispielen gelungener pädagogischer Praxis zu wenig genutzt, um in anderen Schulen ähnliche Reformprozesse einzuleiten. Angesichts dieser Tatsache zielt das Programm darauf, folgende strukturelle Fragen zu beantworten:
Wie ist es möglich, den Erfahrungsschatz guter Schulen in Deutschland zu heben? Wie können Schulen, die sich auf den Weg machen wollen, von den Schulen lernen, die bereits gangbare Wege gefunden haben? Welche verallgemeinerbaren Schlussfolgerungen lassen sich aus dem Modell für die Unterstützung von Schulen ableiten? Wie können die Probleme, die bei jedem Konzepttransfer dieser Art auftreten, produktiv gelöst werden?

Obwohl es viele gute Beispiele in Deutschland gibt, lohnt sich ein „Blick über den Tellerrand“ zu den Ländern, die uns durch PISA und TIMSS als Vorreitermodelle vorgestellt wurden. In Schweden zum Beispiel gehört es zum pädagogischen Alltag, dass Lehrer einen geschulten Blick für die Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler haben, Verbesserungen anstoßen und immer wieder dafür sorgen, dass die Schulen inhaltlich und methodisch auf dem aktuellen Stand und dem Entwicklungsniveau der Schülerinnen und Schüler angemessen sind . Weiterhin sind in Schweden Partnerschaften zwischen Schulen ein gängiges und gefördertes Modell. Mats Ekholm, Leiter des schwedischen „Skolverket“ schreibt zu den Vorteilen eines Partnerschaftsmodells: „Häufig sind die Beobachtungen, gerade von solchen, von denen man weiß, dass sie grundsätzlich in der gleichen Lage sind, besonders unmittelbar ‚zur Sache’ und werden auch bereitwilliger ernsthaft diskutiert, als wenn sie z.B. von irgendwelchen Wissenschaftlern gemacht würden. Die Gäste haben den Ehrgeiz, sehr konkret, aber auch hilfreich zu sein, weil sie dann ja umgekehrt das Gleiche erwarten. Die Schule, die besucht wird formuliert vorher Fragen. Die Gäste machen Beobachtungen, interviewen Lehrer, Schüler, vielleicht auch andere Personen und schreiben anschließend einen Bericht.“  Insofern ist es ein Ziel des Programms „Reformzeit“, schwedische Erfahrungen mit Unterrichtsentwicklung für Schulen in Deutschland aufzuschließen.

Übergeordnete Ziele des Programms 

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  1. Kindern und Jugendlichen bessere Bildungs-, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen und sie aktiv an der Gestaltung von Schule zu beteiligen,
  2. einen Beitrag zur Bildungs- und Qualitätsdiskussion in Deutschland zu leisten und sich dabei schwedischer Erfahrungen zu bedienen,
  3. das Netzwerk reformpädagogisch engagierter, guter Schulen in Deutschland zu verdichten und
  4. eine gegenseitige Befruchtung von Ganztagsreform und dem Programm „Reformzeit!“ anzuregen und eine „Schulreformlawine“ in Deutschland in Gang zu setzen, um damit die Wirkung des Programms zu erweitern.
Wer sind die Programmakteure?

Das Programm wird durch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und die Robert Bosch Stiftung konzipiert und getragen. Es wird von der DKJS umgesetzt. Sie verfügt neben einer fachlichen Expertise über geeignete Strukturen, um die für die Umsetzung des Programms notwendige Qualität, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung sicher zu stellen. Durch ihr regionales Netzwerk, ihr Partnernetzwerk und weitere Programmaktivitäten – beispielsweise im Bereich der Ganztagsschulen – hat die DKJS gute Voraussetzungen, den Austauschprozess zwischen reformunerfahrenen und reformerfahrenen Schulen zu initiieren und zu moderieren. 

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Programmentwurf: Dr. Anja Durdel, Anne-Kathrin Schmidt
Programmleiterin: Dr. Anja Grosch

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Datum: 15.01.2006
© www.ganztaegig-lernen.de


 



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