Die Beziehung Schule – Eltern

Die Mitwirkung der Eltern bietet neue Potentiale und Möglichkeiten für ein besseres Lernen und eine Ausgestaltung des ganztägigen Lernens. Ihre Mitarbeit kann die personelle Engpässe im Ganztagsschulbetrieb auflösen. Die Schule muß den Eltern jedoch Angebote und Ansätze zeigen, erst dann sind Eltern bereit sich darauf einzulassen.
Eltern, die erfahren, dass ihre Probleme, vor allem ihre Erwartungen an Respekt und ihre Befürchtungen ernst genommen werden, sind eher zur Mitarbeit bereit. Das betrifft einerseits das eigene Kind. Andererseits steigen durch aktivierende, geduldige Ansprache Chancen, Eltern zu gewinnen, mit leseschwachen Kindern im Unterricht zu üben, Mithilfe für die Projektwoche zu finden, Begleitung von Klassenausflügen zu gewinnen oder Mitgestaltung bei Festen zu erwirken. Werden darüber hinaus Eltern in klar definierte Entscheidungen einbezogen und haben sie das Gefühl, dass ihnen etwas zugetraut wird, erhöht dies die Akzeptanz vieler Entscheidungen. Diese Beziehung ist bestimmt durch die strukturellen Merkmale
1. Machtunterschiede, 2. Kompetenzkonflikte, 3. wechselseitige Ängste.
Hinzu kommt, dass an Schule immer umfangreichere Aufgaben herangetragen werden, Schüler/innen aber immer weniger – gerade auch im Sozialverhalten – von „zu Hause“ mitbringen. So wird beklagt, dass Selbstverständlichkeiten wie Höflichkeit, respekt- und wertschätzendes Verhalten usw. scheinbar nicht mehr in der Breite gelten, nicht wenige Kinder kein angemessenes Frühstück erhielten, sie unausgeschlafen in die Schule kämen. Ein Teil der Eltern kümmere sich nicht um Hausaufgaben und um die Begleichung des unvermeidbaren Kostenanfalls für schulische Aktivitäten. Ihre Kinder seien unerzogen, viele guckten zuviel Fernsehen, Schwänzen werde verharmlost. Gerade die Eltern des wachsenden Teils der Kinder mit Problemen kämen nicht zu Elternversammlungen. Die Sprache unzähliger Kinder verrohe, viele könnten sich nicht mehr jenseits von Wehklagen und eiferndem Brüllen artikulieren. Unstrittig gilt: Ein Teil der Kinder erhält offenkundig nicht das soziale und kulturelle Kapital, das für ein Gelingen der Schülerrolle notwendig ist. Eltern reagieren auf Vorhaltungen mit Misstrauen, das die eigene Hilflosigkeit kompensiert, und haben dennoch gleichzeitig hohe Erwartungen an die sozialpädagogischen Kompetenzen der Schule. Lehrer/innen ihrerseits lehnen die Delegation erzieherischer Verantwortung der Familie an die Schule ab und setzen bei Eltern gleichermaßen pädagogische Fähigkeiten und Wissen um entwicklungspsychologische Prozesse voraus. So ist das Verhältnis Schule und Eltern oft gestört und mündet nicht immer in eine konstruktive Zusammenarbeit, sondern in gegenseitige Schuldzuweisungen. Unterschiedliche, nicht miteinander abgestimmte oder gar unvereinbare Vorgehensweisen sind das Ergebnis; die Leidtragenden sind die Kinder und Jugendlichen.
Einerseits sind Lehrkräfte nach einigen Jahren im Umgang mit Eltern durchaus geübt, andererseits beklagen sie (auch hier) die fehlenden psychologischen und pädagogischen Grundlagen in der Ausbildung. Entweder, so Lehrerwahrnehmungen, interessierten Eltern sich kaum für die Schule (zunehmend gebe es Eltern, die von Lehrkräften „nichts wissen wollten“) oder aber sie mischten sich überall ungefragt ein. Und so gibt es Schwierigkeiten, manche Eltern zu erreichen. Gerade diejenigen, mit denen Gespräche besonders wichtig sind, zeigen sich häufig nicht besonders kooperativ.
Es geht um die folgenden Grundsätze:
1. ein wertschätzender Umgang miteinander; 2. klare Rollendefinitionen seitens der Schule und des Elternhauses; 3. die Verständigung auf gemeinsame Grundsätze in Erziehungsfragen; 4. die Entwicklung abgestimmter Handlungsstrategien; 5. das Festlegen von Verantwortlichkeiten; 6. eine Transparenz der Vorgehensweisen undEntscheidungen; 7. ein regelmäßiger Informationsaustausch.
Einige zukunftsweisende Ideen

Vision 1 Eltern sind in den Schulalltag einbezogen. Eltern führen in der Pause Aufsicht mit; der Schülertreff wird von Eltern und Schüler/innen gemeinsam gemanagt ... Es gibt einen Honorartopf an der Schule, aus dem Eltern als außerschulische Bildungsexperten, die den Unterricht anreichern, (ggf. symbolische) Anerkennungsbeträge erhalten können. Eltern hospitieren häufiger, um ein realistisches Bild von Schule zu entwickeln.
Vision 2 Einige Eltern erhalten ein Stückchen Lebensbewältigungshilfe durch den/die Schulsozialarbeiter/ in, die/der niederschwellige Elternbildung anbietet. Man kann sogar das Jugendamt gewinnen, mitzufinanzieren, wenn man Erziehungsexpert/ innen von draußen holt.
Vision 3 Elternaktivierung geschieht durch kreative Elternabende. Eltern werden animiert, im „Huckepack- Verfahren“ unmotiviertere Eltern anzusprechen und mitzubringen. Es ist an diesen Elternabenden „thematisch etwas los“. Das Jugendamt und andere Beratungsstellen unterstützen.
Vision 4 Es werden Eltern- und Eltern-Lehrer- Stammtische eingerichtet.
Vision 5 Der/die Schulleiter/in (oder der qualifizierte Spezialist für Elternarbeit aus dem Kollegium) schreibt Elternbriefe, um die Eltern zu informieren, einzubinden und für die häusliche Mitarbeit an wenigen „goldenen Regeln“ zu gewinnen.
Vision 6 Die geöffnete Nachbarschaftsschule ist ein Sozial- und Kulturzentrum. Dort lernen Eltern am Computer oder Fremdsprachen, dort wird von Erwachsenen getanzt, gesungen und gefeiert. Hier sind allerdings auch Stolpersteine anzumerken. Nicht alle Eltern wollen eine Schule, die erzieherisch mit regiert. Eltern empfinden Lehrer/innen teilweise durchaus als erzieherische Konkurrenz oder sehen sich zum Beispiel durch Ratschläge bedroht. Schnell stellen sich durch die Hintertür „Schwarze-Peter-Spiele“ und damit eine wechselseitige Abschreibung von Hilflosigkeit ein. Noch so gut vorbereitete Hausbesuche, Aktivierung zum Besuch von Elternabenden oder Versuche der Vermittlung von Beratungs- bzw. Jugendhilfeangeboten scheitern, wenn Eltern sich bedroht und abgewertet erfahren und nicht selbst Wünsche nach Veränderungen entwickeln. Dann gelingen im besten Fall vertrauensbildende Maßnahmen und es entstehen Erlaubnisse für schulisches Handeln. An dem Standard „Statt Eltern erziehen, Eltern gewinnen!“ führt aber kein Weg vorbei. Aufgabe der Lehrkräfte kann es nicht sein, Erziehungsrechte und -pflichten der Eltern zu übernehmen. Der Kern von Schule bleibt es, zukunftstaugliches Lernen zu ermöglichen. Gleichwohl gehört es, das ist Minimalkonsens, zu den akzeptierten Aufgaben der Lehrkräfte, sich auf unterschiedliche Eltern einstellen zu können, Positionen und Interessen von Eltern nachzuvollziehen und vertrauensvoll und gleichwohl Grenzen setzend (in Absetzung von unangemessenen Forderungen) zusammen arbeiten zu können.
Echte Ideen und Potentiale
Elemente eines umfassenden Konzeptes können sein:
1. Aufnahme von Elternaktivierung in Schulprofil und Schulprogramm; 2. Abminderungsstunde für Elternarbeit für die Spezialist/innen an der Schule; 3. Ausweisung einer besonderen Funktion für „schwierige Elterngespräche“ und Fortbildung von zwei Kolleg/innen; 4. Vernetzung mit der Jugendhilfe; 5. Schulsozialarbeit; 6. Ausbau der Beratungs-, Beziehungs- und Kümmernspotenziale an Schulen; 7. Qualifizierungskonzepte bzw. eine Lehreraus- und -fortbildung, die die Erweiterung der Lehrerrolle vorbereitet und ermöglicht.
Faktoren, die Türen öffnen können
1. Zeit nehmen! 2. Ein offener Austausch über gegenseitigen Erwartungen! 3. Zuhören! 4. Ernste Gespräche brauchen einen ruhigen Ort! 5. Zwanglose Kennenlerngelegenheiten anbieten!
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Quelle: "Kooperation in Brandenburg" Broschüre "Soziales Lernen ind der Schule – Schule als sozialer Erfahrungsraum" Elke Klein und Karl-Heinz Timm KoBra.net ist eine im Land Brandenburg ansässige und wirkende Kooperationsstelle mit den Gestaltungszielen:
Zusammengestellt: Sabine Schweder Datum: 17.01.2006 © www.ganztaegig-lernen.de
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