Im Gespräch

Annemarie von der Groeben, Didaktische Leiterin Laborschule in Bielefeld.
Plädoyer für neue Maßstäbe in der Qualitätsdebatte Lehrer in die Bildungspflicht nehmen
Was ist eigentlich Aufgabe von Schule? Was soll, was kann sie leisten? Gerade Menschen, die keinen direkten Einblick in das Lehren und Lernen in der Schule haben, begegnen ihr häufig mit überzogenen Erwartungshaltungen, die sie weder erfüllen kann noch will. Das muss man wohl hinnehmen, wichtig ist, dass die Diskussion um Sinn und Zweck überhaupt geführt wird... Was im Unterricht abläuft, ist manchmal gnadenlos entlarvend. Da wird Nachlässigkeit mit dem Deckmantel der Toleranz getarnt mit der Wirkung, dass sich eigentlich engagierte Schülerinnen und Schüler gelangweilt abwenden. Ein Lehrer, in dessen Unterricht man ständig anderweitige Hausaufgaben erledigen kann, gleichzeitig aber problemlos eine gute bis sehr gute Mitarbeitsnote bekommt, erfüllt seinen Bildungsauftrag nicht, weil es ihm nicht gelingt, die Leistungsbereitschaft der Lernenden zu wecken und zu fördern. Nachlässigkeit in der Vermittlung der Unterrichtsinhalte, Schein-Toleranz gegenüber problematischem Lernverhalten und Fehlen sinnvoller Anforderungen führen zu systematischer Unterforderung und fördern schlicht Faulheit und Lern-Verachtung.
Das wichtigste ist, die Ganztagsschule konsequent von den Kindern her zu denken!
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
der Chat auf www.ganztaegig-lernen.de bietet Ihnen regelmäßig die Möglichkeit, Ihre Fragen rund um Ganztagsschule mit Experten aus Wissenschaft, Praxis und Politik zu diskutieren. Wir wissen, dass viele der angesprochenen Themen einer ausführlicheren Auseinandersetzung bedürfen als dies in einem Chat möglich ist. Die Antworten können daher nur Hinweise sein, die zum Weiterdiskutieren und Nachdenken anregen sollen. Mit Annemarie von der Groeben konnten wir im Anschluss an den Chat verabreden, dass sie die zentralen Fragestellungen noch einmal aufgreifen und die für sie besonders wichtigen Aspekte in einem kurzen Artikel zusammenfassen wird, den wir auf dem Ganztagsschulportal veröffentlichen werden.
Protokoll des Chats mit Annemarie von der Groeben, didaktische Leiterin der Laborschule Bielefeld, vom 02. Dezember 2005 (16.00 bis 17.00 Uhr)
Moderator: Herzlich Willkommen zum Chat! Eine Frage von mir zu Beginn: Am Bahnhof in Bielefeld haben wir ein weinendes Schulkind gesehen. Gibt es so etwas bei Ihnen an der Laborschule auch, Frau von der Groeben?
von der Groeben: Ja, so etwas gibt es bei uns auch. Kinder weinen manchmal. Es kann verschiedene Gründe haben und wichtig ist, dass man versucht, das Kind zu verstehen.
Moderator: Was tun Sie, damit die Kinder Ihrer Schule möglichst gut gelaunt gehen und gerne wieder kommen?
von der Groeben: Die Schule ist ja oft die Ursache für das Unglück. Wenn Kinder das Gefühl haben, dass sie "schlecht" sind, wenn sie sich nicht anerkannt oder überfordert fühlen, dann kann es ihnen in der Schule nicht gut gehen. Das versuchen wir zu verhindern.
Werf: Wie kann Schülerinnen und Schülern die Angst vor der Ganztagsschule genommen werden? Nach dem Motto: Die schlechte Schule dauert jetzt bis in den Nachmittag hinein!
von der Groeben: Nur dadurch, dass die Schule am Vormittag und am Nachmittag spannend, schön und gut ist.
ReneN: Welche Bedeutung messen sie der Ganztagsschule bei, wenn sie bedenken, dass die meisten Schulen den frontalen Vormittagsunterricht praktizieren. Ist das nicht eine Gefahr, dass wir sehr viele Kinder echt "verbiegen"!
von der Groeben: Ja, die Gefahr ist groß. Die Chance der Ganztagsschule kann pädagogisch nur genutzt werden, wenn man das gesamte Lernen über den ganzen Tag verteilt. Also vormittags verkopfter Fachunterricht und nachmittags ein bisschen Trallala – das ergibt kein Konzept.
Lolle: Glauben Sie dass Ganztagsschule auch dazu verleitet, sich immer nur im Kosmos der Schule aufzuhalten. Wäre es nicht sinnvoll auch neben der Schule andere Bereiche für sich zu entdecken, selbstständig?
von der Groeben: Eine gute Ganztagsschule muss dafür viele Gelegenheiten bieten: in den Wald gehen, oder in den Stadtteil, oder andere Orte und Institutionen aufsuchen – das sollte überall zum Lernprogramm gehören.
Harald: Wie sehen sie das Modell der Präsenzzeit. Ist das mehr Frust als Lust für die Lehrer. Bitte eine ganz realistische Antwort, denn wir haben ein schweres Erbteil: nämlich keine Präsenzzeit.
von der Groeben: Auch bei uns gibt es keine Präsenzzeit, aber viele Erwachsene halten sich mit dem größten Teil ihrer Zeit in der Schule auf. Ich würde mir eine klar geregelte Präsenzzeit nach schwedischem Modell wünschen, wenn man entsprechende Arbeitsräume für Lehrerinnen und Lehrer schafft.

Rene: Ich bin Lehrer an einen Gymnasium, das nicht viel Kraft in seine Verbesserung investiert, obwohl wir es nötig haben. Es gelingt mir nicht, Kollegen zu finden, mit denen ich etwas Neues beginnen kann, was mir und Schülern Spaß macht. Haben Sie nach Ihren jahrelangen Schulerfahrungen einen Tipp, ob und wie ich als Einzelperson Schwung in meine Schule kriege?
von der Groeben: Sie brauchen sicher Gleichgesinnte und Verbündete. Vielleicht hilft auch der Besuch an anderen Schulen, wo man sehen kann, dass sich sehr viel ändern lässt auch ohne Frust und Überforderung.
Rene: Wie motivieren sich an der Laborschule die Lehrenden untereinander, immer wieder etwas Neues zu machen? Gibt es nicht auch bei Ihnen mal Müdigkeit?
von der Groeben: Ja, es gibt Müdigkeit, aber auch immer wieder Beispiele für Freude an der Arbeit und für Kreativität. Zum Glück überwiegen die positiven Beispiele.
Miba: Wie reden sie mit müden Lehrern?
von der Groeben: Ich biete ihnen Kaffee an.
Miba: Wo würden sie zuerst aufräumen, wenn sie an eine ganz schlechte Schule kommen würden und dort dann Schulleiterin sein müssten?
von der Groeben: Ich würde zuerst ein Team suchen, die Ärmel aufkrempeln und mit ihnen einen Teil der Schule umbauen, den Unterricht ganz anders machen und darauf hoffen, dass das Beispiel andere zur Nachahmung anregt. Nach einiger Zeit würde ich das Kollegium fragen welchen Weg es gehen will.
Sabine: Was sind die Eckpfeiler für eine gute Lehrerkooperation? Gibt es dafür 5 Schlagworte?
von der Groeben: Team, Team, Team, Team, Team.
Rene: Das hört sich so einfach bei Ihnen an. Wie genau machen Sie das, dass die Lehrer in ihrer Schule mehr geben als in den meisten anderen? Haben Sie einfach ein extrem gutes, einzeln ausgewähltes Kollegium?
von der Groeben: Wir dürfen Wünsche äußern und die Lehrerinnen und Lehrer, die sich bei uns bewerben, vorher kennen lernen. Sie alle bewerben sich ganz bewusst an unserer Schule. So können wir sicher sein, dass sie sie auch wirklich wollen.
Annekathrin: Wie würden Sie den Zusammenhang beschreiben von individueller Förderung der Schüler und Schülerinnen und individueller Förderung von Lehrern und Lehrerinnen.
von der Groeben: Wir veranstalten an unserer Schule für alle Erwachsenen, die neu sind, einen wöchentlich zweistündiges Seminar, das 1 Jahr dauert. Auf diese Weise können sich alle genau in die Schule eindenken und finden ein Forum, wo sie ihre Fragen und Problem besprechen können.
Harald: Wie werden idealer Weise die Schüler für ihr Lernen verantwortlich gemacht?
von der Groeben: An unserer Schule beginnt dies schon im Vorschulalter. Die Kinder kommen in eine altersgemischte Gruppe, die Älteren übernehmen Patenschaften für die Jüngeren. Und alle lernen, Pflichten im Alltag zu übernehmen und ihre Aufgaben zu planen und verantwortlich zu erledigen.
Harald: Was meinen Sie mit Pflichten im Alltag: die in der Schule bzw. in der eigenen Lebenswelt, zu Hause?
von der Groeben: Pflichten im Alltag heißt z.B.: für den Garten oder für die Tiere in der Schule verantwortlich sein, putzen, Müll wegräumen und vieles mehr.
Sabine: Was ist für Sie, aus der Sicht eines Schülers, an ihrer Schule, ein richtig guter Schultag?
von der Groeben: Ein Tag, an dem ein Schüler drei oder vier wichtige Dinge gelernt und getan hat. Und das Gefühl hatte, dass die Zeit dabei wie im Fluge vergangen ist.
Moderator: Welche Tipps haben Sie für Schulen, die Ganztagsschulen werden wollen, vom Frust zur Lust kommen?
von der Groeben: Das wichtigste ist, die Ganztagsschule konsequent von den Kindern her zu denken. Mit allem, was dazu gehört. Das ist nicht nur das kognitive Lernen, sondern auch Naturerfahrung, Bewegung, Theater, Musik, Handwerk und vieles mehr.

Harald: Mir ist aufgefallen, dass an Schulen der Begriff Reformpädagogik so negativ besetzt ist. Wie kann das verhindert werden?
von der Groeben: Viele Menschen verbinden mit Reformpädagogik das Schimpfwort "Kuschelpädagogik". Sie denken, dass Kinder an solchen Schulen nicht so hart arbeiten müssen und tun können, was sie wollen. Reformpädagogik will etwas völlig anderes. Nämlich Lernen mit der ganzen Person, ein Lernen, dass nicht nur auf die nächste Klassenarbeit zielt, sondern auch auf Bewährung im Leben und auf echte Erfahrung. Moderator: Viele der Fragen, die uns erreicht haben, waren zum Thema Heterogenität: Wie kann es gelingen, dass wirklich NIEMAND zurückbleibt?
von der Groeben: Nur dadurch, dass man das Lernen so anlegt, dass alle Schülerinnen und Schüler nicht nur mitkommen, sondern auch individuell gute Leistungen erbringen können.
Loewe: Welchen Chancen haben bei Ihnen Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache? Wie viele gibt es?
von der Groeben: Es gibt im Jahrgang 15-20%. Sie bekommen bei uns die bestmögliche Förderung.
Rene N.: Welche Schularten verfügen über einen didaktischen Leiter? Wäre das eine generell günstige Position in einer ganztägigen Schule? Gibt es das dort "serienmäßig"?
von der Groeben: Bisher nur in Gesamtschulen. An manchen Schulen heißt diese Funktion auch "Pädagogische Leitung", was mir sinnvoll erscheint. Alle Schulen sollten eine solche Funktionsstelle haben.
Rene N: Wie sieht bei ihnen ein Tag als didaktische Leiterin aus!
von der Groeben: Ich habe Unterricht wie alle anderen auch. Ich arbeite in vielen Teams, die sich mit pädagogischen und wissenschaftlichen Fragen beschäftigen, schreibe viel für die Schule, bereite Konferenzen vor und stelle die Schule interessierten Besuchern vor.
Annekathrin: Ich frage provokativ: Welches Interesse hat eine so anerkannte und gute Schule wie die Laborschule, ihre Erfolgsrezepte anderen Schulen zu verraten? Würde sie dadurch nicht ihren Glanz verlieren?
von der Groeben: Im Gegenteil! Wir und alle anderen Schulen haben umso mehr Glanz je bessere Pädagogik wir machen. An der Laborschule kann man sehen, wie wir uns bemühen, aber auch was wir falsch machen. Wir glauben, dass bessere Pädagogik nur "by doing" und durch gemeinsame Anstrengung möglich ist.

Loewe: Ist es schwer, eine gute Schule zu sein?
von der Groeben: Ja, aber es macht auch sehr viel Spaß. Man ist ständig gefordert und das ist gut!
Lolle: Wird es weiterhin in Deutschland nur eine Laborschule geben, wäre es nicht sinnvoll noch mehr Laborschulen zu gründen?
von der Groeben: Ja, und wie! Wir brauchen viele Schulen, die frei sind, ihre pädagogischen Ideen in Praxis umzusetzen.
Moderator: Eine Frage, die uns per Mail erreicht hat: Was sagen Ihre Schülerinnen und Schüler eigentlich zum Namen „Laborschule“? Warum kein richtiger Schulname, also den Namen einer Person?
von der Groeben: Manchmal machen sich unsere Schüler lustig und sagen: Wir sind eine Laber-Schule. Manchmal reagieren sie auch sauer auf die vielen Besucher und sagen: Wir sind doch keine Laborratten! Im Allgemeinen identifizieren sie sich aber mit ihrer Schule und auch mit dem Namen.
Lisa: Alle wissen, wie wunderbar die Laborschule in Bielefeld ist, man hat aber dennoch den Eindruck, dass das Wort "Laborschule" eher hinderliche ist für die Übertragung in die Breite Regelpraxis anderer Schulen, was kann man tun um das zu ändern?
von der Groeben: Man kann ähnliche Schulen gründen und anders benennen.
ReneN.: Was sind ihre nächsten Zielstellungen in Bielefeld? Verraten Sie schon etwas? Ein neues Lernmodell?
von der Groeben: Wir sind gerade dabei, die Jahrgangsmischung zu erweitern, weil wir damit gute Erfahrung gemacht haben. Das ist in der Tat ein neues Lernmodell.
Wassermann: Kann denn die Laborschule überhaupt mit den PISA-Ergebnissen mithalten? Gibt es im Vergleich nicht Schwächen in Mathematik?
von der Groeben: Ja, es gibt Schwächen in Mathematik und Stärken in anderen Bereichen. Wir arbeiten daran, die Schwächen herauszufinden und zu beheben und unsere Stärken weiter zu verstärken.
Sabine: Was können Eltern tun, wenn die Zensur für die Kinder wichtiger wird, als das Wissen das hinter dieser Zensur steht. Wie können Eltern dieser Verschiebung entgegenwirken?
von der Groeben: Die Eltern können vielleicht eine andere Schule wählen. Wenn das nicht möglich ist, können sie sich dafür einsetzen, dass Leistungen nach pädagogischen Gesichtspunkten begleitet und bewertet werden. Wer sich sehr angestrengt hat, muss dafür anerkannt werden, sonst strengt er sich beim nächsten Mal nicht mehr an.
Miba: Was ist eigentlich der beste Weg für eine echte Elternbewegung, wenn es große Unzufriedenheit gibt. Was schlagen Sie vor?
von der Groeben: Oh! Das ist eine gute Frage! Versuchen Sie andere Eltern zu finden, die so denken wie Sie. Versuchen Sie, sich mit Pädagogen zu verbünden, die Ihre Ansichten teilen. Auch bei vielen Wissenschaftlern ist das der Fall. So weit in Kürze, aber dazu gäbe es viel zu sagen: Es gibt auch Bündnisse, die man im Internet einsehen kann. Zum Beispiel das Netzwerk "Blick über den Zaun".
Janusche: Sind Eltern am Unterricht beteiligt? Wie?
von der Groeben: Eltern können im Unterricht hospitieren und beteiligen sich manchmal an Unterrichtsprojekten. Am Fachunterricht jedoch nicht.
Gerda Matthes: Wie können Hochschulen und Schulen besser miteinander verbunden werden? Geht das nur in Reformmodellen oder auch anders?
von der Groeben: Es gibt viele gute Beispiele für die Zusammenarbeit von Schulen und Hochschulen. Zum Beispiel in Oldenburg, Hamburg, in Potsdam und an vielen anderen Orten.

Benni: Haben Sie Erfahrungen von Jugendbeteiligung oder überhaupt Beteiligungsstrukturen an Ihrer Schule? Vielleicht sogar außerhalb von Gremien?
von der Groeben: Mitbestimmung gehört bei uns mit zum Alltag. Das beginnt mit der Gestaltung der Unterrichtsflächen, es betrifft teilweise auch die Gestaltung des Unterrichts und natürlich auch gemeinsame Unternehmungen wie Projekte, Feste und Reisen.
Harald: Wie geht man in Bielefeld mit dem Einsatz der Computertechnologie um?
von der Groeben: Wir haben Computer und nutzen sie in Maßen, d.h. der Computer soll sich nicht verselbstständigen, sondern ein dienstbares Medium sein.
Harald: Wie gehen Sie mit dem Rauchen an Ihrer Laborschule um?
von der Groeben: Wir verbieten es. Wer trotzdem raucht, muss dafür Sozialstunden leisten.
Suse: Ist Schuleschwänzen an Ihrer Schule ein Problem?
von der Groeben: Bei wenigen Schülern in den oberen Klassen kommt es vor.
Ulrich B.: Wie nehmen ältere Schüler die Umstellung auf benotete Prüfungen auf, wenn sie das vorher noch nicht kannten?
von der Groeben: Wir bereiten sie sorgfältig darauf vor, damit sie den Übergang nicht als Bruch erleben. Das gelingt uns auch, obwohl der Übergang schwer ist.
Moderator: Eine Frage, die uns erreicht hat, war: Wie halten Sie es mit Hausaufgaben an der Laborschule?
von der Groeben: Wir sind eine Ganztagsschule und das bedeutet, dass die wichtigen Arbeiten in der Schule erledigt werden können und sollen. Aber was man nicht fertiggemacht hat, muss zu Hause fortgesetzt werden. Auch besondere Arbeiten, z.B. Jahresarbeiten, brauchen häusliche Arbeit.
Miba: An den meisten Schulen werden Hausaufgaben gegeben. Oft hängt es von dem Engagement der Eltern ab, wie gut diese dann erledigt werden. Geht da nicht schon eine Trennung der Schüllerleistungen parallel einher?
von der Groeben: Ja, und das darf nicht so sein. Darum müssen die Hausaufgaben so gestellt sein, dass alle Schülerinnen und Schüler sie ohne fremde Hilfe erledigen können.
Moderator: Noch eine Frage, die uns erreicht hat: Ich habe gehört, dass sich an Ihrer Schulen Lehrer und Schüler duzen. Schadet das nicht Ihrer Autorität?
von der Groeben: Autorität hat man oder hat man nicht – das hängt nicht von der Anrede ab. Für unsere Schülerinnen und Schüler ist es sehr wichtig, dass sie die Erwachsenen duzen dürfen.
Gerda Matthes: Wie haben Sie als Kind die Schule erlebt und was davon hat Ihnen für Ihre spätere Laufbahn geholfen?
von der Groeben: Als Kind habe ich eine Dorfschule erlebt, später ein ordentliches Gymnasium, ich mochte meine Schule immer und habe mich immer ein bisschen gelangweilt. Und von einer Schule geträumt, wo man noch viel mehr machen und lernen kann.
Karl: Wenn Sie aus dem aktiven Schuldienst austreten, was haben Sie sich dann vorgenommen?
von der Groeben: Eine Bürgerinitiative für Bildung, die in Bielefeld schon begonnen hat und sich hoffentlich weiter ausbreiten wird. Wir wollen Kindern und Jugendlichen Bildungserfahrungen vermitteln, die uns selbst wichtig sind und die viele von ihnen sonst nicht machen könnten. Die Initiative heißt Tabula!
Moderator: Eine letzte Frage: Frau von der Groeben, würden Sie noch einmal beginnen, an der Laborschule zu arbeiten, was würden Sie anderes machen?
von der Groeben: Ich würde bestimmt wieder beginnen und aus heutiger Sicht manche Irrtümer vermeiden.
Moderator: Vielen Dank, dass Sie die vielen Fragen beantwortet haben.
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