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Zukunftsfähigkeit einer ganzen Schülergeneration

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Junge Menschen werden in einer neuen Arbeits- und Wissensgesellschaft leben, deren Konturen erst vage erkennbar sind. Bildung ist dabei die wichtigste Ressource zur Bewältigung von Gegenwart und Gestaltung von Zukunft. Menschen werden künftig mehr Bildungszeit denn je investieren. Es gibt gesicherte Nachweise, dass ein höherer Bildungsgrad mit höherer individueller Lebenszufriedenheit, besseren Berufschancen und der Übernahme sozialer Verantwortung einhergeht.

Junge Menschen werden zudem in einer vielfach vermischten globalisierten Welt leben, in der Unterschiede in den leitenden Werten und kulturellen Hintergründen alltäglich sind. Leben in einer Welt der Vielfalt beinhaltet beides: Einmal sich ständig zwischen Optionen zu entscheiden, zum anderen Unterschiede zu ertragen. Eine Auswahl aus den möglichen Wertvorstellungen und Lebensformen sind zu treffen. Für manche wird jedoch gelten: Du kannst wählen – aber es wird sowieso nichts draus. Ggf. muss man sich abfinden mit dem, was übrig bleibt oder zur eigenen Lage passt. Die Werte- und Lebensformvielfalt bedingt aber auch Toleranzanforderungen. Konkurrierende Werthaltungen und andere Lebensführungen müssen anerkannt, zivile Formen des Interessenausgleichs als Haltung verinnerlicht und als Kompetenzbündel gelernt werden. Eltern, Lehrkräfte, Fachkräfte der Jugendhilfe und Schüler/innen müssen es zu ihrem gemeinsamen Kerngeschäft erklären, zivilgesellschaftliche Basiskompetenzen wie Fähigkeiten zur Aushandlung und Partizipation, Streitfähigkeit, Kompromisssuche, Kooperation zu entwickeln.

Der flexible Mensch wird gefordert, der Personanteile immer wieder neu konstruiert und den Lebensverlauf, je nach Lage, umbaut. Die Kinder der Zukunft werden regelmäßiger Berufe wechseln; Vorstellungen endgültiger Einmündung sind jedenfalls ein Auslaufmodell. Jeder muss aus sich heraus etwas wollen und Ideen entwickeln. Bildungsziel wäre dann die Befähigung zu eigenbestimmter, selbstwirksamer Lebensführung. Kinder als Lebens-Unternehmer: Verlernen, Umlernen ohne Garantieschein. Kann man Menschen, kann man Kinder darauf vorbereiten? Kann man, zum Beispiel, Selbstmächtigkeit einpflanzen, wenn alltägliche Erfahrungen lehren, dass die Dinge ihren Lauf nehmen, ohne dass die Einzelnen am Fahrplan mitstricken können? Instabile Biografien, eine ungewisse Zukunft – wir wissen alle, wie das nagt. Aber kann man Ungewissheitsfähigkeit schon vorher trainieren, auf Abruf lagern? Wohl eher nicht. Aber Familie, Schule, Jugendhilfe könnten „Treibhäuser für zuversichtliche Selbstbilder“ (R. Kahl) werden und dadurch Lust auf Leben und Lust auf Lernen wecken. Wer individuelle Lernerfolge und alltäglich Anerkennung und Respekt für erbrachte Leistungen erfährt, der erhält ein brauchbares Kapital, im ungewissen Übermorgen eher zu bestehen. Diese Lernarbeit ereignet sich nicht nur im Unterricht, sondern auch im Kinderparlament oder bei der Streitschlichtung, in der Schülerfirma oder bei der internationalen Begegnung, in der Kletterwand oder im Sozialtraining. Kinder wachsen in eine komplexe, aber interessante Welt hinein. Wie sie die Welt für sich sehen und nehmen, hängt von den Chancen ab, Plätze zu finden und Lebensentwürfe zu realisieren. Ob Kinder Zivilgesellschaftlichkeit stärken oder bekämpfen, ob junge Menschen selbstbewusst Verantwortung übernehmen oder ohne Eigeninitiative mitschwimmen – das entscheidet sich auch in der Schule. Allerdings kann keine Institution solche Aufgaben allein bewältigen. Die vorhandenen vielfältigen Interessen von Kindern und Jugendlichen sind Ressourcen. Ihre mitgebrachten Fähigkeiten und Bereitschaften sollten in der Schule und außerhalb erkundet, beachtet, genutzt werden.

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Schulen organisieren ihr Kerngeschäft des Lernens unter erschwerten Bedingungen. Sie werden durch gesellschaftliche Entwicklungen, soziale Probleme und jugendkulturelle Einflüsse herausgefordert, mancherorts gar zunehmend „überwältigt“. Der aktuelle Bildungsdiskurs zentriert sich um die Themen der fachlichen Leistungssteigerung und der Schulvergleiche. Es geht um Schulprogramm- Entwicklung und um Evaluationsfragen. Weitere „heiße“ Themen im Land sind die Erprobung der Rahmenlehrpläne, Fragen der Leistungsdifferenzierung und Verkürzung der Schulzeit. Aber auch die Modernisierung von Unterrichtsmethoden, der neue Stellenwert der Medien, die Schulöffnung nach innen und außen und die Frage nach Schlüsselqualifikationen bzw. Basiskompetenzen spielen eine Rolle. Nicht zuletzt stehen Ganztag und die Einführung der Oberschule auf der Agenda. Nun also noch ein weiterer Auftrag: das soziale Lernen? Über die Schwierigkeiten, Unterricht in halbwegs geordneten Bahnen abzuhalten, wird oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Allerdings ist der Leidensdruck im Alltag erheblich. Es sind jedenfalls nicht nur Problemschulen, Problemschüler/innen und weniger kompetente Lehrkräfte, die zunehmend in Nöte geraten und oft erst die Bedingungen für das Unterrichten und eine erträgliche Beziehungskultur herstellen müssen bzw. müssten. Gemeint sind Unruhe sowie Schmähungen und Beleidigungen gegenüber Lehrkräften, Cliquenrivalität, brutaler Umgang der Jugendlichen untereinander und Mobbing, Drogen, Schwänzen, Gewalt, „Null Bock“ u.a.m. Nicht aussichtsreich ist hier eine reaktive Symptombekämpfung. Zukunftsträchtig ist stattdessen die Gestaltung von Orten und Situationen durch pädagogische Konzepte, wodurch sich heikle Eskalation weniger entfaltet, soziale und personale Kompetenzen reflektiert und geübt werden könnten, echte soziale Lernanlässe (zwecks Demokratiefähigkeit, Toleranzsteigerung, Schlüsselqualifikations- Erwerb usw.) im Interesse von Gebrauchswertsteigerung schulischen Lernens aufgreifbar sind.Es geht dabei nicht nur um das abweichende Verhalten einiger anstößig und erwartungswidrig handelnder Schüler/innen.  

Schul-Check

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Die Aneignung sozialer Kompetenzen kann nur erfolgreich sein, wenn diesbezügliche pädagogische Angebote und Strategien unter Einbeziehung außerschulischer Partner systematisch und bedürfnisorientiert entwickelt und eingesetzt werden. Voraussetzungen dafür sind soziale Sensibilität genauso wie Versiertheit in Methoden des sozialen Lernens, eine überlegte Inhalts- und Methodenplanung und eine angemessene Reflexion mit der Lerngruppe nach den Übungen und Fragebogenbearbeitungen. Grundlegend bedeutsam ist die Entwicklung einer Feedback-Kultur sowohl auf individueller als auch Schulebene, weil sie Sichtweisen von Lehrern/innen, Schülern/innen und Eltern einbezieht und unverzichtbare Informationen zur Verfügung stellt. Für Schüler/innen bedeutet die Erfragung von Einschätzungen eine Anerkennung ihrer Individualität. Individuelle Beziehungen zur Lerngruppe, zur Klasse, zur Schulgemeinschaft, zum/zur Lehrer/in werden thematisiert und zu einem wichtigen Gegenstand des Beziehungslernens, das wesentlich für die Gewinnung eines positiven Selbstbildes und die Entwicklung von Selbstvertrauen ist. Zuerst sollte individuelles Feedback als ein Instrument schulinterner Evaluation und als Grundlage für gemeinsame Überlegungen in den Unterricht und in die Arbeit mit der Klasse / Gruppe eingebunden werden. Die Themen können dafür sehr individuell und unterschiedlich sein, z.B.

- Gruppen- / Klassenklima
- Lehrer-Schüler-Verhältnis
- Partizipation im Unterricht
- Mädchen-Jungen
- Gewalt / Mobbing usw.

Weitreichender ist die Etablierung von Feedback auf Schulebene, weil es alle an Schule Beteiligten auf unterschiedlichen Ebenen einbezieht. In Bezug auf die Schulentwicklung ist organisiertes Feedback zum einen Grundlage der Diskussion über Ziele und Ansprüche der Beteiligten; es ist zum anderen unverzichtbares Mittel der Ist-Analyse. Die Interpretation der Ergebnisse ermöglicht unter Berücksichtigung der formulierten Ziele die Entwicklung schulspezifischer Vorhaben und Umsetzungsstrategien.

Themenbereiche, die durch schulbezogene Feedback-Aktivitäten geklärt werden können, sind:

- Pädagogische Grundsätze
- Schulakzeptanz
- Unterrichts- und Schulqualität
- Partizipation/ Mitwirkung
- Schul-, Klassenklima
- Lehrer-Schüler-Beziehung
- Unterricht
- Elternarbeit
- Öffnung von Schule

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So unverzichtbar und aufschlussreich Feedback auf Schulebene auch ist, so birgt es – unüberlegt eingesetzt – die Gefahr einer Datenschwemme, die den Beteiligten u.U. umfangreiche Handlungsbedarfe beschert. Blinder Aktionismus als Folge ehrlicher Veränderungsbereitschaft oder aber vorzeitige Resignation angesichts der kaum gleichzeitig zu bewältigenden Aufgaben können nur durch das Festlegen einer Rangfolge der notwendigen Entwicklungsvorhaben umgangen werden. Bezogen auf die stärkere Einbindung sozialen Lernens in der Schule wäre folgende Vorgehensweise / Schrittfolge sinnvoll:

1. Checkliste sozialen Lernens: Wie werden die einzelnen Bereiche in unserer Schule bereits berücksichtigt? Mit welchem Erfolg? Woran ist das erkennbar bzw. messbar?
2. Formulieren der zukünftigen Ziele: Wo sehen wir Handlungsbedarf? Was wollen wir erreichen?
3. Auswahl von Feedback-Instrumenten: Wozu benötigen wir welche Informationen / Sichtweisen (bezogen auf die formulierten Ziele)?
4. Auswertung, Interpretation der Ergebnisse
5. Diskussion und Festlegen der Rangfolge der Schwerpunkte
6. Erarbeitung eines Maßnahmeplanes
7. Wann und durch wen erfolgt eine konkrete Überprüfung? Wie wird „abgerechnet“? Woran sollen Erfolge gemessen werden?

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Quelle: Broschüre "Soziales Lernen in der Schule – Schule als sozialer Erfahrungsraum" von Elke Klein und Karlheinz Thimm
Die Schrift wurde herausgegeben von KoBra.net, einer im Land Brandenburg ansässigen und wirkenden Kooperationsstelle. Sie kann im Internet heruntergeladen werden unter Material bei KoBra.net
 

Zusammengestellt: Sabine Schweder
Fotos: Nymphenburger Schule München (Ganztagsschule)
Datum: 21.01.2006
© www.ganztaegig-lernen.de

 



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