Entwicklungsprozesse an Ganztagsschulen
2. Fachtagung der Werkstatt „Entwicklung und Organisation von Ganztagsschulen“ am 23./24. Januar 2006 in Dortmund
Das Gelingen einer Ganztagsschule ist nicht nur von äußeren Rahmenbedingungen abhängig, sondern bedarf des geglückten Zusammenspiels unzähliger einzelner Faktoren. Je nach dem, ob es sich um offene, gebundene oder teilgebundene Modelle handelt, gewinnen sie unterschiedlich starke Bedeutung. Diesem vielschichtigen Spektrum versuchte die Fachtagung mit Vorträgen, Präsentationen und zahlreichen Arbeitsgruppen gerecht zu werden und das Augenmerk weniger auf die Ergebnisse, sondern stärker auf die erforderlichen Prozesse zu lenken.
Über 60 Teilnehmer waren angereist, unter ihnen Vertreter nahezu aller Serviceagenturen sowie interessierte Pädagogen aus den verschiedenen Arbeitsfeldern in der Ganztagsschule. Ihre Erwartungen sollten in keiner Hinsicht enttäuscht werden. Während der Eröffnungsvortrag von Prof. Holtappels unter dem Titel „Entwicklung eines Schulkonzeptes für die Ganztagsschule“ die grundlegenden Kenntnisse über Schulkonzepte als Beitrag zum Erfolg guter Schulen auf den aktuellen Stand brachte, boten die Arbeitsgruppen ausreichend Gelegenheit, sich einem Thema in kleinerem Kreise vertiefend zu widmen. Auch methodisch wurde ein geschickter Zugang gewählt: Am ersten Tag fanden parallel zwei Workshops zum Thema „Stolpersteine im Entwicklungsprozess der Ganztagsschule oder: Woran erkennen wir gute Ganztagsschulen?“ statt. So war sichergestellt, dass alle Teilnehmer/innen in überschaubaren Gruppen diskutieren und dennoch auf einer gemeinsamen Grundlage in den zweiten Tag starten konnten. Wichtig auch: Schwierigkeiten wurden nicht verschwiegen, sie wurden benannt; man blieb aber nicht bei ihnen stehen, sondern zeigte Wege zu ihrer Überwindung auf.
Die anschaulichen Präsentationen der Datenbanken des Programms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ Und des DJI verdeutlichten den Anwesenden, wie sie an wichtige Informationen gelangen können. Diskutiert wurden auch Möglichkeiten, verschiedene Datenbestände miteinander zu verknüpfen bzw. zumindest zu verlinken.
Die Arbeitsgruppen des zweiten Tages bildeten zweifelsfrei den Höhepunkt der Tagung. In kleinen Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer ein Problembewusstsein und Lösungsvorschläge zu folgenden Gesichtspunkten:
1. VON der ersten Ganztagsschulidee ZU einem wertegeleiteten Profil 2. VON Tür und Angelgesprächen ZUR Teamarbeit 3. VOM konventionellen ZU einem rhythmisierten Tageslauf mit anderer Taktung 4. VON der schlichten Hausaufgabenbetreuung ZU einem komplexen Förderkonzept 5. VON einem Sammelangebot ZU einem Bildungskonzept aus erweiterten Lerngelegenheiten 6. VON Personalkonflikten ZU neuen Wegen der Konfliktlösung
Die Präsentationen der Ergebnisse ließen die intensive, lebendige Diskussion der Gruppen erkennen und zeigten, wie schon in der Formulierung der Titel angekündigt, realistisch die Wege zu einer Wandlung von einem traditionellen Selbst und Aufgabenverständnisses zu modernen Ganztagsschulen hin auf. In seiner abschließenden Zusammenfassung ergänzte und würdigte Prof. Holtappels das Engagement der Teilnehmer.
Nicht nur die hohe Teilnehmerzahl, die ergebnisorientierte Arbeit, die zahllosen Gespräche am Rande bewiesen, dass das Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ in den Ländern und bei den Akteuren der Ganztagsschulen angekommen ist. Die rundum hervorragende Versorgung bis hin zu der abendlichen, komödiantisch-satirischen Unterhaltung untermalten die optimistische Stimmung und sorgten für eine Atmosphäre des Wohlbefindens, wie wir sie uns eben in Ganztagsschulen als lebensweltliche Umgebung wünschen, so dass für sie wie für diese Fachtagung gelten darf: Alle haben ihr Bestes gegeben.
Text: Sabine Knauer Datum: 30.1.2005 © www.ganztaegig-lernen.de
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