Grundlagen guter Schule

Unabhängig von der Schulform oder den Standortbedingungen, denen eine Schule unterliegt, gibt es grundlegende Merkmale einer guten Schule. Ausgehend von der Arbeit der Werkstatt „Unterricht und Förderkonzepte“ sind diese grundlegenden Merkmale zusammengestellt worden. Die Sammlung ist noch nicht abgeschlossen, sie wird fortgesetzt und ist offen für alle Anregungen, die von anderen Schulen oder von an Schule Interessierten kommen.
Räume
Zunächst einmal muss eine Schule Räume zur Verfügung stellen, die funktional auf die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern, aber auch von Lehrerinnen und Lehrern abgestimmt sind. Der Raum ist der dritte Erzieher. Hierzu gehören die Klassenräume, die Lehrerteamräume, die Jahrgangscluster, die Fachräume, die Freizeitbereiche, die Mensa und die Verwaltung. Räume verhindern oder befördern eine Schulentwicklung. Selbst wenn sich Jahrgangsteams bilden, diese Fortbildungen zur Teamarbeit gemacht haben: Wenn sie keine Teamräume gestellt bekommen, in denen sie sich regelmäßig treffen und in denen sie arbeiten können, dann schläft die Teamkommunikation irgendwann ein. Hier muss vor dem Einstieg in eine Schulentwicklung Einvernehmen mit dem Schulträger hergestellt werden, der bereit sein muss, von der räumlichen Situation in Schulentwicklung zu investieren.

Rhytmus
Ein Rhythmus von Anspannung und Entspannung für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Lehrerinnen und Lehrer ist wichtig. Lernphasen müssen unterbrochen werden von Spielphasen – in denen übrigens oft mehr gelernt wird als im klassischen Unterricht. Es muss Zeit für Bewegung, Zeit für Kommunikation und auch Zeit für das Essen geschaffen werden.
Fragen Sie sich als Pädagoge ...

Die Einstellung von uns Lehrerinnen und Lehrern den Schülerinnen und Schülern und dem Lernprozess gegenüber ist wesentlicher Bestandteil einer guten Schule.
1, Freuen wir uns wirklich auf die neuen Schülerinnen und Schüler ?
2. Nehmen wir die Verantwortung selbst wahr, sie auf ihrem individuellen Lernweg zu begleiten, zu fördern, herauszufordern, sie zu stützen, sie nicht kleinzumachen?
3. Fragen wir uns selbst, was wir falsch gemacht haben, wenn Schülerinnen und Schüler nicht erfolgreich lernen oder es Probleme gibt?
4. Unterrichten wir oder wollen wir Aufrichten?
5. Nehmen wir uns selbst Zeit für die Kinder, indem wir die Lernaktivität an die Kinder abgeben und nur noch im Hintergrund moderierend und beratend tätig sind?
6. Stellen wir uns auf schülerorientierte Methoden um oder fallen wir immer wieder auf die klassische Lehrerrolle zurück, weil wir uns da so sicher fühlen?
7. Stehen Selbstorganisation und Teamarbeit für uns gleichberechtigt mit den Zielen des Fachunterrichtes?
8. Gehen wir davon aus, dass Lerngruppen immer heterogen sind?
9. Sehen wir Heterogenität als Chance?
10.Begreifen wir das Sitzenbleiben oder das „Abschulen“ als allerletzte, unter allen Umständen zu vermeidende und nur freiwillige Maßnahme?

Teamarbeit
In allen Bereichen unserer Gesellschaft sind die Organisationen erfolgreich, die auf Teamarbeit setzen. Leistungen werden nicht mehr durch Einzelkämpfer erbracht, sondern durch Teams. Teamarbeit bei Schülerinnen und Schülern darf nicht mehr als methodisches Schmankerl oder Reminiszenz an einen Zeitgeist verstanden werden, sondern integraler Bestandteil schulischer Arbeit sein. So wie Teamarbeit von Schülerinnen und Schülern verlangt wird, so sollten auch Lehrer und Lehrerinnen im Team arbeiten, die dies wiederum in der Schulleitung erleben. Teams müssen Funktionen haben, tatsächlich etwas zu tun haben. Lehrer und Lehrerinnen müssen Abschied nehmen von der Vorstellung des Einzelkämpfers, der während des Unterrichts die Tür hinter sich zuzieht und seine Zensur als einzige Evaluation seiner Arbeit sieht.
Lebendiges Lernen

Dauerhaftes Lernen wird durch Kommunikation und Erklären ermöglicht, nicht durch Lesen oder Zuhören. Effektive Unterrichtsmethoden müssen die Schülerinnen und Schüler zum Selberlernen bringen. Lehrerinnen und Lehrer müssen sich auf derartige Methoden einlassen und auch bei Rückschlägen nicht verzagen. Je selbstständiger Schülerinnen und Schüler arbeiten, desto wichtiger wird die Dokumentation der individuellen Lernwege. Diese darf aber nicht derartig überfrachtet werden, dass für den persönlichen Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern keine Zeit mehr bleibt. In unserer Zusammenstellung geben wir Beispiele für praxistaugliche Dokumentationen.
Elternmitarbeit
Ohne und gegen Eltern kann man keine gute Schule machen. Gute Elternarbeit zahlt sich im Schulalltag, in der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern aus. Insofern zeigen wir hier ein Beispiel, das zwar zeitaufwändig ist, das sich aber allemal bewährt hat. Schule kann im gesellschaftlichen Umfeld nicht isoliert betreiben werden, der Erfolg einer Schule misst sich nicht an zentralen Überprüfungen, sondern daran, ob ihre Schülerinnen und Schüler erfolgreich in Studium und Beruf, erfolgreich im Leben sind. Daher muss sich Schule dem Leben öffnen, es nicht als störend aus der Schule ausschließen. Wir plädieren in unseren Beiträgen für vertraglich geregelte dauerhafte Kooperationen, die nicht abhängig von zufällig vorhandenen Lehrerkonstellationen sind.
Evaluation

Jegliche Arbeit muss evaluiert werden. In bestimmten Abständen muss überprüft werden, ob sich eine gute Schule auf dem richtigen Weg befindet, ob die Ergebnisse dem entsprechen, was man sich vorgenommen hat. Lehrer und Lehrerinnen erhalten selten Rückmeldungen, was aus ihren Schülerinnen und Schülern geworden ist, was sie aus der Schulzeit brauchen konnten, was überflüssig war und was sie sich gewünscht hätten. Eine derartige Evaluation hätte sofortige Auswirkung auf die schulische Arbeit. Aber auch kleinere alltägliche Evaluationen helfen, die Schulqualität zu steigern.
Schulentwicklung, und dazu gehören:
Unterrichtsentwicklung(UE)
Organisationsentwicklung (OE)
Personalentwicklung (PE),
muss systematisch und nachhaltig betrieben werden, eine Schule darf sich nicht überfordern aber auch nicht unterfordern. Eine Analyse des Ist-Zustandes ist erforderlich, um einen Arbeitsplan und Verantworltiche zu bestimmen, der die Kräfte einer Schulentwicklung bündelt. Die einzelnen Kapitel unseres Buches zeigen best practise aus verschiedensten Schulen. Sie können als Einzelbaustein in der eigenen Schule übernommen werden. Hinter diesen Einzelbausteinen steht aber das Gesamtkonzept einer guten Schule. Insofern wird man sich einer guten Schule umso weiter annähern, je mehr Bausteine man in seine eigenen Schule implementiert hat. Die eigenen, schon vorhandenen Bausteine bleiben.
Weitere Bausteine werden folgen. Wir sind hier offen für Ihre Ideen und Erfahrungen. Senden Sie uns Ihre Bausteine einer guten Schule zu. Wenn Sie sich an unser Raster der einzelnen Themen halten, haben wir es leichter, Ihre Beiträge in einem Folgebuch aufzunehmen.
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Wolfgang und Thomas Vogelsaenger Werkstatt „Unterricht und Förderkonzepte“ im Begleitprogramm "Ideen für mehr! Ganztägig lernen." IMPULS Schule & Wirtschaft e.V. Institut für Schulentwicklung – IfS
Zusammengestellt: Sabine Schweder Fotos: Schweder/Grundschule Weitenhagen bei Greifswald Datum: 22.03.2006 © www.ganztaegig-lernen.de
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