Partizipation und Verantwortungsübernahme im Unterricht

Die Notwendigkeit der Partizipation von Schülern und Schülerinnen im Schulalltag ist unbestritten und scheint selbstverständlich. Dennoch ist ihre Partizipation z.B. bei der Unterrichtsgestaltung relativ gering. Ist die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern auf der Schulebene (als Mitwirkung) mehr oder weniger akzeptiert, so ist der Vorstoß in die „Lehrer/innen-Domäne“ Unterricht noch nicht gelungen. Das betrifft sowohl die Unterrichtsgestaltung als auch die Leistungsbewertung. Hier scheinen gravierende Interessen- und Machtkollisionen einer Partizipation von Schülern und Schülerinnen entgegenzustehen, so dass die Nutzer und Nutzerinnen ausgeschlossen bleiben. Versteht man Partizipation auch als die Fähigkeit verantwortlich zu handeln, müssen den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten eröffnet werden, dieses zu erfahren und zu erproben. Verantwortung mit Schülern und Schülerinnen zu teilen beinhaltet auch, ihnen zuzutrauen, eine Unterrichtsstunde, ein Projekt, den Wandertag, die Klassenfahrt usw. mit zu planen und arbeitsteilig vorzubereiten. In der Konsequenz bedeutet das, gemeinsam Entscheidungen zu treffen und auch Fehler zu machen.
Fragen an die Schülerinnen und Schüler
1. Welche Fragen wirft das Rahmenplan-Thema bei euch auf? 2. Welche Aufgabe(n) könntet ihr übernehmen? 3. Wie wollen wir den Unterricht gestalten? 4. Was sollte wie bewertet werden?
Dieses Vorgehen stellt das Kind bzw. den Jugendlichen als selbst lernendes und selbstverantwortliches Individuum in den Mittelpunkt pädagogischer Arbeit. Es fordert und fördert Selbst-, Sozial- und Sachkompetenz gleichermaßen und berücksichtigt sowohl die Interessen des Einzelnen als auch der Gruppe. Partizipation im Unterricht beginnt mit dem Umdenken der Lehrkräfte.
Neue Unterrichtsaufassung
 Trauen Sie sich! Fragen Sie!
1. Wie viel meiner Verantwortung will ich an die Schüler/innen abgeben? 2. Über welche Formen kann ich die Schüler an der Planung und Integration beteiligen? 3. Wie kann ich eine behutsame Übernahme von Verantwortung durch die Schüler/innen für das eigene und das gemeinsame Lernen anbahnen? 4. Welche Lernprozesse kann ich individualisieren? 5. Wie lassen sich binnendifferenzierende Maßnahmen zwischen Steuerung und Offenheit planen und im Unterricht durchführen? 6. Welche Sozialformen unterstützen ein prozessorientiertes, interaktives Unterrichtskonzept? 7. Wie kann ich thematische Angebote in Form offener Lerneinheiten im Sinne einer lernerorientierten Differenzierung einsetzen? 8. Wann lasse ich ein Lehrwerk zu und wann benutze ich es als „Steinbruch"? 9. Welche schüleraktivierenden Methoden können überwiegend lehrerzentrierte ersetzen? 10.Welche Verfahren oder Methoden im Umgang mit dem Thema fallen mir und/oder den Schüler/ innen ein? 11.Wie kann ich Ergebnisse, Texte und Fragen von Schüler/innen als Gesprächs- und Lernanlässe verwenden? 12.Wie können die Schüler/innen forschend tätig werden (zum Beispiel um Informationen zu sammeln, Begriffe nachzuschlagen, ein Interview oder eine Umfrage durchzuführen)? 13.Welche sinnvollen (Haus-)Aufgaben können die Schüle/innen aus einem Aufgabenkatalog auswählen oder sich selber ausdenken? 14.Welche Handlungs- und Materialangebote können die Schüler/innen in Freiarbeit oder im Werkstattunterricht bearbeiten und herstellen? 15.Welche wichtigen Lerntechniken und -strategien müssen Schüler/innen im Sinne eines lifelong learning erlernen und (ein-)üben? 16.Wie kann ich das Lernen so methodenorientiert organisieren, dass Schüler/innen im Umgang mit unstrukturierten Originalmaterialien in die Lage versetzt werden, eigene Lernprozesse zu planen, durchzuführen und zu evaluieren? 17.Welche Redemittel müssen sich die Schüler/innen aneignen, um die veränderten Unterrichtssituationen sprachlich bewältigen zu können? 18.Wie können die Schüler/innen ihr Ausdrucksvermögen ihrem Lernstand entsprechend schulen und verbessern? 19.Wie gehe ich mit Fehlern im Sinne von Fehlertoleranz und positiver Fehlerkorrektur um? 20.Welche Formen der mündlichen und schriftlichen Lernkontrolle schlagen die Schüler/innen im Laufe der gemeinsamen Arbeit am Thema vor?
Selbsteinschätzung
Zu einem neuen Verständnis von Unterricht gehört es auch, die Wahrnehmung von Schüler/innen und Lehrer/innen zu ermitteln und einander gegenüber zu stellen. Nachfolgend führen wir dafür beispielhaft ein Selbsteinschätzungsinstrument an. Es folgen ein Fragebogen für Schüler/innen und ein Fragebogen für Lehrer/innen, die zusammen einzusetzen und auch auszuwerten sind. Die Aussagekraft dieser kurzen Fragebögen liegt darin, dass die Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler von Unterricht sowie die Wahrnehmung der Lehrkraft thematisiert und kontrastiert werden. Durch den anschließenden Austausch zwischen Schüler/innen und Lehrer/innen werden unterschiedliche Sichtweisen und auch Entwicklungsmöglichkeiten deutlich werden.


zurück zur Startseite
Quelle: Broschüre "Soziales Lernen in der Schule – Schule als sozialer Erfahrungsraum" von Elke Klein und Karlheinz Thimm Die Schrift wurde herausgegeben von KoBra.net, einer im Land Brandenburg ansässigen und wirkenden Kooperationsstelle. Sie kann im Internet heruntergeladen werden unter Material bei KoBra.net
Zusammengestellt: Sabine Schweder Fotos: Sabine Schweder Datum: 08.04.2006 © www.ganztaegig-lernen.de
|