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Demokratisches Erleben – Schülervertretungen

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Angeregt durch die Debatten um die Verbesserung der Schulqualität und der Schulkultur, die Öffnung der Schulen und um die Stärkung der Einflussrechte von Kindern und Jugendlichen, hat die Diskussion um innerschulische Partizipation in der schultheoretischen Diskussion in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt.

Die SchülerInnenvertretung ist ein Gremium von gewählten Vertretern der Schüler einer Schule. Häufig wählen dabei die Klassen oder Stufen ihre Klassensprecher oder Stufenvertreter, die dann an der Schülerversammlung, auch Schülerrat genannt, teilnehmen. Alternativ wird der Schülersprecher auch direkt von allen Schülern gewählt. Die Schülervertretung dient dazu, die Belange der Schüler gegenüber den Schulinstitutionen (z. B. dem Schulleiter oder z. T. auch der Schulkonferenz) zu repräsentieren.

Dass sich die Zufriedenheit von Schülern mit ihrer Schule und damit die pädagogische Grundatmosphäre deutlich verbessert, wenn Schüler ihre Partizipationschancen in der Schule als vielfältig wahrnehmen und sich als ernst zu nehmende Gesprächspartner erleben, ist in mehreren Studien zum Verhältnis zwischen Schulklima und Schulqualität nachgewiesen worden. Auch umgekehrt dürfte gelten: Zufriedenheit und eine positive pädagogische Grundatmosphäre sind wiederum begünstigende Faktoren auf dem Weg der Schüler zu Selbstbestimmung und Mitbestimmung im schulischen System.
(Ralf Schmidt M. A., geb. 1968; wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt "Jugend und Demokratie in Sachsen-Anhalt" am Zentrum für Schulforschung und Fragen der Lehrerbildung, Halle.)

Aufgaben der Schülervertretung

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Obwohl die Mitspracherechte für Schüler an Schulen oft stark eingegrenzt sind, erfüllt die SV im idealen Fall mehrere Aufgaben:

1. die konkrete Vertretung der Interessen der Schülerschaft
2. die Mitgestaltung und Verbesserung des schulischen Lebensraumes
3. die Organisation von Veranstaltungen an der Schule
4. die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern bei Konflikten innerhalb der Schule

Erhöhung der Wirksamkeit von Schülervertretungen

1. Die älteren SV-Mitglieder übernehmen Mentorenfunktion. Sie helfen Klassensprecherin oder -sprecher einer jüngeren Klasse sich einzuarbeiten, erklären ihnen die Aufgaben der SV, unterstützen sie bei Verfahrensabläufen, nehmen teil an der SV-Stunde der Klasse, beraten bei Konflikten u.ä.

2. Um mehr Kontinuität herzustellen, werden in den Vorstand nicht nur ältere Schülerinnen und Schüler gewählt. Neue, jüngere Klassensprecherinnen und -sprecher werden bewusst in die Vorstandsarbeit eingebunden. In berufsbildenden Schulen sollten aus Gründen der Kontinuität auch Schülerinnen und Schüler aus Vollzeitklassen gewählt werden.

3. Damit sich (möglichst) alle Schülerinnen und Schüler der Schule für die Schülermitwirkung verantwortlich fühlen, wird die parlamentarische Arbeit der SV durch basisdemokratische Formen ergänzt. Zu bedeutsamen Themen werden alle Schülerinnen und Schüler zu einer Vollversammlung, bei großen Schulen auch zu Teilversammlungen, einberufen. Auch Schulsprecherin oder -sprecher können direkt von allen Schülerinnen und Schülern gewählt werden.

4. Die neu konstituierte SV organisiert und strukturiert ihre Arbeit. Sie stellt einen Arbeitsplan für das kommende Schuljahr auf: Was wollen wir erreichen, was ist uns wichtig?

5. Zu bedeutsamen Themen (z.B. Rassismus, Konfliktmanagement, Unterrichtsgestaltung, Partnerschaft mit einer ausländischen Schule) richtet die SV Arbeitskreise ein, an denen sich nicht nur die Klassensprecherinnen und -sprecher, sondern alle Schülerinnen und Schüler der Schule beteiligen können. Dadurch können nicht nur mehr Themen bearbeitet werden, manchmal werden dabei auch Mitwirkungstalente entdeckt, die sich niemals zu Klassensprecherin oder -sprecher wählen ließen oder gewählt würden.

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6. Die SV-Arbeit wird bekannter und transparenter durch „Schulöffentlichkeitsarbeit: Mitteilungen am Schwarzen Brett, eine Wandzeitung, Infos auf der Homepage der Schule, Handzettel, regelmäßige Sprechzeiten in den Pausen u.ä.

7. Wichtig ist auch Öffentlichkeitsarbeit über die Schule hinaus. Die regionalen Zeitungen und andere Medien werden über geplante und tatsächliche Projekte schriftlich und persönlich informiert.

Vollversammlung

Bei wichtigen Fragen geben Vollversammlungen allen Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, sich zu informieren und mitzubestimmen. Vollversammlungen können von der SV und ihren Gremien oder auch von der Schulleitung (immer in gegenseitiger Absprache) einberufen werden. Lehrkräfte und Schulleitungsmitglieder haben das Recht, an Vollversammlungen teilzunehmen. Ist die Schule zu groß, werden die anstehenden Fragen in Teilversammlungen diskutiert und die Ergebnisse anschließend von Delegierten zusammengetragen. Die Entscheidung kann dann wieder durch direkte Befragung aller Schülerinnen und Schüler erfolgen. Die Organisation und Moderation von Vollversammlungen, das Diskutieren und Abstimmungen in der Großgruppe sind besondere Herausforderungen. Schülerinnen und Schüler brauchen Unterstützung von ihren Lehrerinnen und Lehrern, um dafür geeignete Methoden kennen zu lernen.

Fragekasten

Auf einer Vollversammlung sollen mehrere Themen behandelt werden. Für jedes Thema wird ein schmales, durchsichtiges Gefäß oder auch ein Korb aufgestellt. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten ein Kärtchen mit ihrem Namen. Dieses legen sie in das Gefäß mit dem Thema, das ihnen am wichtigsten erscheint. Bei durchsichtigen Gefäßen sind die Prioritäten unmittelbar zu erkennen, bei Körben werden die Namenskärtchen schnell ausgezählt. Die Menge der Stimmen bestimmt den Platz des jeweiligen Themas auf der Tagesordnung.

Fishbowl

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Die Diskussion in einer Großgruppe lässt sich mit Hilfe einer Fishbowl gut strukturieren. Eine Leitungsgruppe (nicht mehr als fünf Personen) sitzt vor oder in der Mitte des Plenums im halboffenen Stuhlkreis, ein Stuhl bleibt frei. Die Kleingruppe diskutiert nun das aktuelle Thema oder Problem. Die Beteiligung aus dem Plenum erfolgt dadurch, dass immer eine Person, eine Schülerin oder ein
Schüler, aber auch eine Lehrkraft, die ein Argument einbringen möchte, auf dem leeren Stuhl Platz nimmt und den Platz anschließend wieder räumt.

Ampel-Feedback

Das Ampel-Feedback ist eine Methode, um vor einer Abstimmung in großen Gruppen Meinungen zu erfragen. Alle erhalten ein rotes, grünes und gelbes Kärtchen. Wer einem Vorschlag oder Argument voll zustimmt, zeigt das grüne Kärtchen, wer nur teilweise zustimmt, das gelbe Kärtchen, wer den Vorschlag ablehnt, das rote Kärtchen. Einige Abstimmende jeder Farbe werden gebeten, ihre Entscheidung kurz zu begründen.

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Quelle: Broschüre "Soziales Lernen in der Schule – Schule als sozialer Erfahrungsraum" von Elke Klein und Karlheinz Thimm
Die Schrift wurde herausgegeben von KoBra.net, einer im Land Brandenburg ansässigen und wirkenden Kooperationsstelle. Sie kann im Internet heruntergeladen werden unter Material bei KoBra.net
 


Datum: 13.04.2006
© www.ganztaegig-lernen.de



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