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Frischzellenkur fürs Lernen

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Die Lebenswelt der Schüler/innen einbeziehen, sie zum selbstständigen Handeln ermutigen und in den Mittelpunkt stellen. Das sind zentrale Forderungen von Bildungsexperten an Schule. Wie sie sich mit computerunterstütztem Projektlernen realisieren lassen, zeigte die Veranstaltung „Projektlernen und Neue Medien“ am 3. April 2006 in Berlin.
 
Ein Mathekurs an einer Haupt- und Realschule erforscht die Bevölkerungsentwicklung ihrer Stadt und findet heraus, warum Mitte des 17. Jahrhunderts die Einwohnerzahl zurückging und warum sie es heute wieder tut. Grundschüler folgen der Spur Wolfgang Koeppens nach Afrika, zwei Klassen aus Berlin und Greifswald kommunizieren miteinander in Englisch, obwohl sie die Sprache gerade erst anfangen zu lernen. So unterschiedlich die Projekte und Vorhaben, eins haben sie gemeinsam. Sie arbeiten mit SCHOLA-21, einem Computerprogramm im Internet.

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Dr. Heike Kahl, „SCHOLA-21 ist die Frischzellenkur für das Projektlernen an Schulen“

Aber SCHOLA-21 ist mehr als ein kostenloses Computerprogramm, es ist eine didaktische Lernumgebung, in der Schülerinnen und Schüler gemeinsam Projekte planen, durchführen und präsentieren. Dabei übernehmen sie Verantwortung für ihr Lernen, planen kooperativ und gehen zielorientiert vor. Die Ergebnisse sind bunt, überraschend und von hoher Qualität.  „SCHOLA-21 ist die Frischzellenkur für das Projektlernen an Schulen“, meint Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Die Stiftung hat SCHOLA-21 entwickelt und stellt das Programm Schulen kostenlos zur Verfügung. Auf der Veranstaltung „Projektlernen und Neue Medien“ wurde die überarbeitete, erweiterte Fassung vorgestellt: SCHOLA-21 RELOADED.

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Schulleiter einer Ganztagsschule, Nils Kleemann

„Aber die Schüler sollen doch reale Projekte machen“, lautet ein häufiger Einwand gegen computerunterstütztes Lernen. Wer ihn vorbringt, hat Nils Kleemann noch nicht kennen gelernt, Leiter der Montessori-Schule Greifswald. Wenn er anfängt, aus seinem Schulalttag zu berichten, wird schnell klar, wie ‚real’ die computerunterstützten Projekte sind: „Letztens kamen zwei Schüler zu mir. Sie wollten etwas zur Fußball WM machen.“ Die Zwei haben dann zusammen mit Mitschüler/innen die Spieler und den Torwarttrainer von FC Hansa interviewt und einen Bericht für die Lokalzeitung geschrieben. Das machte real Arbeit: Sich Fragen ausdenken, Antworten aufschreiben, für den Bericht an jedem Wort feilen, ein gutes Ergebnis rechtzeitig abliefern – da gab es auch mal Streit, und der Spaß kam abhanden. Dann ist es wichtig, dass der Rahmen stimmt. Für Nils Kleemann ist SCHOLA-21 so etwas wie der dritte Lehrer nach der Pädagogik Montessoris: der Raum, der dem Lernen Struktur gibt. „Große Ideen werden oft ganz klein, wenn es darum geht, sie zu realisieren. SCHOLA-21 gibt den roten Faden“, ist seine Erfahrung.

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Prof. Dr. Bardo Herzig, „Neue Medien in den traditionellen Unterricht zu integrieren, macht ihn häufig nur noch schlechter“

In erster Linie fungiert der Computer beim Projektlernen als externes Speichermedium wie andere Medien auch, nur dass er, wie der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Bardo Herzig formuliert, „neue Qualitäten zum Speichern und Dokumentieren birgt“. So können verschiedene Dokumente wie Notizen, Fotos oder Filmdokumente an einem Ort und für alle Beteiligten zugänglich abgelegt werden. Und auch wenn die Projektarbeit überwiegend im realen Leben stattfindet – ob in Bibliotheken, auf der Straße, im Labor oder auf dem Fußballplatz – laufen im jederzeit online zugänglichen Projekt die Fäden zusammen. Hinzu kommen die kommunikativen Möglichkeiten des Mediums. So wurde bei der Überarbeitung von  SCHOLA-21 besonders Augenmerk darauf gelegt, die projekt- und klassenübergreifende Kommunikation zu unterstützen. Alle Nutzer bilden eine virtuelle Gemeinschaft, können sich austauschen und gegenseitig weiterhelfen.

Wenngleich sich die Experten der Veranstaltung einig waren, dass der internetfähige Computer nur ein Mittel zum Lernen ist, stimmten sie auch darin überein, dass der kluge Einsatz von neuen Medien, die Abschaffung von Unterrichtsformen erfordert, die an den Bedürfnissen von Schüler/innen vorbei gehen und sie zur Passivität verdammen. „Projektlernen ist eine Revolution“, meint Prof. Dr. Wolfgang Edelstein vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Mit dem Projektlernen, so Edelstein, seien drei zentrale Ziele der OECD realisierbar: Selbständiges Lernen, Lernen in heterogenen Gruppen und das erfolgreiche Handeln mit den Medien der Informationstechnologie. Doch so überzeugend das klingt – die Veränderung von eingeübten und gewohnten Lernformen ist nicht einfach. „Fest etablierte Unterrichtsmethoden sind fies nachhaltig“, brachte Bardo Herzig es auf den Punkt und warnte zugleich davor, sich mit Bewährtem zufrieden zu geben: „Neue Medien in den traditionellen Unterricht zu integrieren, macht ihn häufig nur noch schlechter“.

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Prof. Dr. Wolfgang Edelstein vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, „Projektlernen ist eine Revolution“

Ein Beispiel für das Unterstützungspotential Neuer Medien ist das, was Wolfgang Edelstein die „Befreiung aus dem Zeitpanzer nennt“. Die Arbeit mit dem Computer ermöglicht es Schüler/innen unabhängig von Ort, Zeit, Fach oder Lehrer zu lernen. Nicht der Stundenplan, sondern die Lernerfordernisse könnten die Aktivität bestimmen. Aber dazu müsste das Lernen unhängig 45-Minuten-Rhythmus und der Verteilung des Stoffs auf verschiedene Fächer werden. Heike Kahl bekräftigt: „Um neue Qualitäten des Lernens zu erreichen, müssen die Rhythmen von Schule neu gedacht werden“.

Es sind vor allem Ganztagsschulen, in denen über neue Formen der Rhythmisierung nachgedacht wird, und es sind Ganztagsschulen, die auch Kindern, die keinen PC zu Hause haben, nachmittags ermöglichen, in freien Lernräumen am Computer zu arbeiten. Das kommt aber z.B. auch Schülerinnen und Schülern zugute, die im Unterricht nicht so zum Zuge kommen, sei es, weil sie schüchtern sind oder weil sie Sprachprobleme haben. „Man müsste untersuchen, welche emotionalen und kommunikativen Chancen zur Integration von Minderheiten in diesem Medium stecken!“, regt Wolfgang Edelstein an.

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Olaf Müller, Didaktischer Leiter der einer Gesamtschule, „Sie brauchen eine Aufgabenstellung, fachübergreifende Fragenstellungen und kooperierende und engagierte Lehrer"

Es sind eine Menge Fragen, die computerunterstütztes Projektlernen aufwirft: Wie können Lehrer/innen zusammenarbeiten? Wie organisieren wir fachübergreifendes Lernen? Was gibt es für andere Bewertungskriterien? Fragen, die sich Olaf Müller und seine Kolleg/innen von der IGS Grüntal erst durch die Arbeit mit SCHOLA-21 stellten. Inzwischen haben sie Antworten gefunden. Das zeigt das Mittelalter-Projekt, an dem sämtliche Fächer beteiligt waren. In der Chemie stand Schießpulver auf dem „Lernplan“, die Mathematik lenkte das Augenmerk auf die geometrischen Formen der mittelalterlichen Kirchen, in Biologie wurde der Erreger der Pest untersucht, mit Hilfe der Geografie Handelswege nachvollzogen. In selbst gewählten Gruppen bearbeiten die Schüler/innen ihr Thema, schlossen mit ihren Lehrer/innen Verträge über die zu erzielenden Ergebnisse und präsentierten einen Teil des Gelernten. Auch die Lehrer/innen blieben nicht untätig. Sie lernten mitzuarbeiten und das Angebot nicht zu vollzustopfen. Ihre Rolle als Unterstützer und Beobachter gab ihnen die Möglichkeit, andere Seiten ihrer Schüler/innen zu entdecken und sie differenzierter zu beurteilen. Auch die Eltern wurden miteinbezogen, manche wollten sogar mitmachen, andere ließen sich davon überzeugen, dass Projektlernen keine Zeitverschwendung darstellt, sondern sichtbare Lernfortschritte ermöglicht.

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Dabei müssen die Voraussetzungen stimmen. Nach seinen Erfahrungen mit der internetbasierten Projektarbeit formuliert Olaf Müller folgende Gelingensbedingungen: „Sie brauchen eine Aufgabenstellung, fachübergreifende Fragenstellungen und kooperierende und engagierte Lehrer, die das Programm durchackern.“ Letztere fehlen manchmal. „Wie kann ich Kolleginnen davon überzeugen, dass sie von computerunterstütztem Projektlernen profitieren?“, will eine Teilnehmerin wissen. „Holen Sie sich jemanden an ihre Schule, der das Programm kennt“, rät Olaf Müller, und fangen Sie mit einem Miniprojekt über vier Doppelstunden mit zwei Lehrern an. Das löst so viel Spaß aus bei den Schülern, dass das Ergebnis Appetit auf mehr macht“. Im Workshop „E-Learning und Lehrerqualifikation“ kamen die Teilnehmer/innen zu dem Ergebnis, dass Freiwilligkeit eine entscheidende Grundvoraussetzung für die Motivation der Teilnehmer ist. Hein-Ulrich Stops ist Berater im Medienzentrum NRW und meint: "... dass Ängste oft eine wichtige Rolle spielen. So befürchten manche Lehrer, dass Schüler sich klüger am Computer anstellen als sie selbst oder dass sie mit ihrem Wissen an Grenzen stoßen." Das bestätigten auch die Ergebnisse der „Rasenden Reporter“: Die Grundschüler/innen aus Greifswald fragten Teilnehmer/innen der Veranstaltung, warum Lehrer Projektlernen nicht einsetzen. Die Antworten: “Weil Lehrer zu faul sind.“ „Weil Lehrer Angst haben, dass die Schüler zu gut für ihre Klasse werden.“

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Hein-Ulrich Stops, "... dass Ängste oft eine wichtige Rolle spielen. So befürchten manche Lehrer, dass Schüler sich klüger am Computer anstellen als sie selbst oder dass sie mit ihrem Wissen an Grenzen stoßen."

Auch Lehrerinnen und Lehrer brauchen Unterstützung im Umgang mit Neuen Medien. Ein Programm für sie stellte Verena Keyserlingk vom Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft an der TU Berlin vor. Es soll den Austausch zwischen Pädagogen fördern, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wie neue Medien sinnvoll in der Ganztagsschule eingesetzt werden können. Dabei geht es auch darum, wie neue Medien die Berufsorientierung unterstützen, wie Schulen im Bereich der Medien mit externen Partnern kooperieren können und wie sich Unterricht und außerunterrichtliches Lernen mit Hilfe von neuen Medien verbinden lässt. Das Programm heißt „Innovative Ganztagsschule“ und ist auf der Plattform www.innovative-teachers.de für alle interessierten Lehrerinnen und Lehrer kostenlos zugänglich. Bundesweit haben sich dort Schulen beteiligt, Materialien zur Verfügung gestellt und ihre Medienprojekte dokumentiert. So kann man nachvollziehen, wie z. B. Schüler/innen einer sechsten Klasse an der Langenbergschule Birkenau mit Fachlehrer/innen im Unterricht Video-, Text- und Fotobeiträge für eine eigene Website erstellten.

Vielleicht motiviert Kolleg/innen, die vor Mehrarbeit zurückschrecken, was die Teilnehmer des Workshops „Projektdidaktik und Projektlernen online“ herausfanden: Mit den neuen Medien können Lehrerinnen und Lehrer lernen, loszulassen. Zu beobachten, wie Prozesse und Kommunikation sich von selbst entwickeln und wie Schüler/innen in der Lage sind, selbstständig zu lernen und sich gegenseitig zu helfen, ist doch viel weniger stressig, als immer alles im Griff haben zu müssen.

Autorin: Christine Plaß
© www.ganztaegig-lernen.de

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Thesen zur Projektarbeit
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Ganz neu am Start!
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seit dem 3. April 2006 steht allen Schulen die neue Version von SCHOLA-21 zur Verfügung. Die virtuelle Lernumgebung unterstützt das gemeinsame Lernen in Projekten. ansehen

Hier finden Sie die Dokumentation der Rasenden Reporter mit Berichten und Umfragen von der Auftaktveranstaltung: SCHOLA-21 reloaded!


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