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Wenn in Projekten gelernt wird

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Gute Schulen erkennt man daran, dass sie Lernen in offenen Situationen und Projektarbeit in ihren Unterrichtsalltag integrieren. Projektunterricht und andere offene Lernformen bieten Voraussetzungen dafür, Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und herauszufordern, sie in ihren Entwicklungsprozessen zu begleiten und alle vier wichtigen Kompetenzbereiche – Selbst-, Sach-, Sozial- und Methodenkompetenz – zu fördern.Projekte machen Schüler/-innen zu Akteuren. In Projekten müssen Schüler/-innen in einer komplexen und realen Handlungssituation tätig werden. Sie müssen nicht nur einen vom Lehrer vorgetragenen Zusammenhang gedanklich nachvollziehen können. Sie müssen vielmehr eine Aufgabe mit bestimmten Mitteln lösen können.Projekte bedeuten entdeckendes, erfahrungs- und handlungsintensives Lernen. Denn sie fordern Schülerinnen und Schüler genauso wie Lehrkräfte heraus, sich mit Fragen forschend auseinander zu setzen. Das Gute: Man lernt dabei, wie man lernt und dass gemeinsam vieles besser gelingt. Außerdem: Will man eigene Antworten oder Lösungen finden, kann man an Fächergrenzen nicht stehen bleiben – und oft nicht an der Schultür. So erworbenes Wissen ist anwendbar und wird nicht so schnell wieder vergessen.

"Die Reise zum Mond wäre ohne Neugierde, gemeinsame Planung und den Willen vieler Menschen, Ideen umzusetzen und Neues zu wagen, undenkbar gewesen. Ein nicht minder spannendes Projekt ist es, in der Welt von heute zu leben: den persönlichen Lebensweg zu bahnen, einen passenden Beruf oder eine Aufgabe zu finden, die Gesellschaft zu verändern und die Natur zu bewahren. Die Herausforderungen für junge und ältere Generationen sind mannigfaltig. In Projekten stellen sich Kinder schon zur Schulzeit der Verantwortung, die sie spüren. Sind die Projektschritte auch vorgegeben, die Ergebnisse sind offen und oft überraschend. Die gemeinsame Entdeckung neuer Erkenntnisse gehört zu den beglückendsten Erfahrungen im Leben nicht nur von Forschern, sondern auch von Schülerinnen und Schülern. Projektarbeit stärkt daher die Persönlichkeit von Schülerinnen und Schülern. Und sie ist genauso sehr Einzelarbeit wie Gruppenarbeit.", so beginnen die Thesen für gute Projektarbeit im Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung SCHOLA-21.

In Projekten sind Schüler Akteure

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Sie ergreifen Initiative in der Definition des Projekts, in der Verteilung der Aufgaben, lernen an realen Erfahrungen, setzen Kenntnisse und Fähigkeiten praktisch um und lernen die Konsequenzen ihres Handelns kennen. Sie arbeiten im Team kooperativ an Aufgaben- und Problemlösungen. Schließlich reflektieren sie Lösungswege und –möglichkeiten, eingesetzte Methoden und Modelle sowie den Prozess der Zusammenarbeit im Team. In diesem Sinne ist Projektlernen Erfahrungslernen. Die Schüler machen im Projekt eine konkrete und praktische Erfahrung. In einer Reflexionsphase werden die Gefühle und Erfahrungen durchleuchtet, geordnet und bewertet. In einem weiteren Schritt können sie zu abstrakten Konzepten in Beziehung gesetzt werden, um diese dann in der Praxis wieder zu erproben und gegebenenfalls anzupassen. Dieses Vorgehen verleiht der Erfahrung Bedeutung, Wissen und Fertigkeiten werden in die Praxis zurückgeführt (Kolb 1984).

Reflektiert werden kognitive, soziale und emotionale Aspekte

- Selbstkompetenz
- Sachkompetenz
- Sozialkompetenz
- Methodenkompetenz

Lernen findet so auf all diesen Ebenen parallel statt. Die reflektierten Erfahrungen werden zu bewussten Erfahrungen. Durch bewusste Erfahrungen werden Meinungen und Haltungen aufgebaut, die zukünftiges Handeln beeinflussen. Die Schüler/-innen entwickeln so die Fähigkeit, in anderen Arbeits-, Lern- und Lebenssituationen handlungsfähig zu sein (Kolb 1984; Silcox 1995; Sliwka/Frank 2004).

Die Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen sind der Blutkreislauf des entdeckenden Lernens. Sie bringen die Kinder in Kontakt mit dem Puls ihrer Zeit. Aus ihren Erfahrungen entspringen die Fragen, die sie wirklich beschäftigen. Authentische Fragen, die in Projekten produktiv werden. Dabei erleben die Kinder, wie Fragen ihnen „Beine machen" (Thesen für gute Projektarbeit im Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung SCHOLA-21)

Kompetenzen für die Demokratie

In der Demokratie benötigen die Bürger spezifisches Wissen, Fertigkeiten und Haltungen, um als Bürger aktiv und verantwortungsvoll politisch und sozial handeln und so ihr gesellschaftliches Umfeld mitgestalten zu können. Neben dem Wissen über Institutionen und die Funktionsweise politischer und gesellschaftlicher Prozesse gehören vor allem kritische Problemwahrnehmung, Kommunikations-, Diskussions-, Argumentationskompetenz, Urteilsfähigkeit, Beherrschung von Methoden zur Entscheidungsfindung, die Fähigkeit, konstruktiv und produktiv mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten, Organisations- und Führungskompetenz dazu.

Neben diesen unverzichtbaren persönlichen Kompetenzen, die die Bürger in einer Demokratie besitzen sollten, lebt die Substanz der Demokratie vor allem von der persönlichen Haltung der Einzelnen. Dewey beschrieb die Demokratie als „eine Lebensform, die durch den Besitz und die Anwendung bestimmter Haltungen zum Ausdruck kommt, die den Charakter und das Handeln eines Menschen in den unterschiedlichen Situationen des Lebens bestimmen“ (Dewey 1939).

Über die folgenden fünf Kompetenzen, sollte ein Mitglied einer demokratischen Gesellschaft verfügen:

Perspektivenübernahme: emotionale Fähigkeit, sich in andere Personen einzufühlen, sowie kognitive Fähigkeit, andere Perspektiven wahrzunehmen und die eigene Perspektive darzustellen.
Konfliktfähigkeit: Akzeptanz des Konflikts, Fähigkeit, Konflikte konstruktiv innerhalb geregelter Kommunikationsformen gewaltlos zu bearbeiten.
Politische Urteilsfähigkeit: Fähigkeit, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Sachverhalte mithilfe geeigneter Kriterien zu beurteilen, Fähigkeit, individuelle Werturteile zu formulieren und ihre Verallgemeinerungsfähigkeit zu prüfen.
Partizipation: Wahrnehmung und Ausübung Teilhaberechte auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Zusammenhängen.
Analysieren: Fähigkeit, gesellschaftliche Strukturen und ihren Sinn sowie ihre Grenzen zu durchschauen und zu beurteilen.

Die Kommunikationsbeziehungen im Frontalunterricht sind vorwiegend eindimensional, die Kommunikation läuft vom Lehrer zum einzelnen Schüler und wieder zurück (z. B. beim fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch). Kommunikation zwischen den Schülern findet meist nicht statt. „Frontalunterricht ist besser als andere Sozialformen geeignet, einen Sach-, Sinn- oder Problemzusammenhang aus der Sicht und mit den Mitteln des Lehrers darzustellen.“ (Meyer 1987). Er ist also dann sinnvoll, wenn eine allgemeine Orientierungsgrundlage hergestellt oder ein neues Wissensgebiet dargestellt werden soll. „Er ist kaum geeignet, die Selbständigkeit des Denkens, Fühlens und Handelns der Schüler zu entfalten.“ (Meyer 1987).

Projektunterricht bietet folgende Möglichkeiten...

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1. Durch die Arbeit in Gruppen und Teams schafft er vielfältige Kommunikationsbeziehungen und hilft kommunikative Kompetenzen zu entwickeln. Da Projektteams immer in einer begrenzten Zeit auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiten müssen, werden Fähigkeiten zur Aushandlung,

2. Entscheidungsfindung und Konfliktlösung ebenso wie Führungsqualitäten geschult.

3. Indem Projekte reale Probleme zu lösen suchen schafften sie Wissen um reale Probleme und Zusammenhänge und die Anwendbarkeit theoretischer Konzepte. Projektunterricht schafft so praktische (gesellschaftliche/politische) Urteils- und Handlungskompetenz.

4. Durch die Notwendigkeit, Verantwortung für das Projekt und den eigenen Arbeitsbereich übernehmen zu müssen, wird Verantwortung erfahrbar gemacht. Schüler/-innen erleben, welche Konsequenzen ihr Handeln nach sich zieht. Sie können durch die sukzessive Ausweitung ihres Verantwortungsbereichs langsam in die Rolle selbstständiger (verantwortungsvoller) Erwachsener hineinwachsen.

Veränderung der Lehrerrolle – Methodische Herausforderungen

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Auch die Lehrer lernen dazu, schreiben sie an ihrer Rolle weiter. Im Kontakt mit Wissenschaftlern, Arbeitgebern, Architekten, Beamten, Künstlern und Menschen aller Couleur erweitern sie wie die Schüler ihren Horizont. Im Kontakt mit außerschulischen Experten ist es ihre Aufgabe zu moderieren und nicht zu belehren. Die Eigendynamik von Projekten bringt den Deutschlehrer mit dem Mathematiklehrer, den Geschichtslehrer mit dem Biologielehrer ins Gespräch. Denn Wissen überschreitet das Fachwissen. Lehrer erleben sich als: – Moderatoren, – Mentoren, – Partner außerschulischer Experten, – Lernverstärker.

„Die wichtigste Rolle des Lehrers besteht jedoch in der Vermittlung von Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler zu einer Selbststeuerung des Prozesses befähigen.“ (Sliwka 2002). Projekte sollen für die Schüler/-innen Situationen sein, in welchen sie exemplarische Erfahrungen produktiven Lernens machen können und so individuell ihre Selbstwirksamkeit erleben können. Der Lehrer/die Lehrerin muss das Handeln der Schüler strukturierend und moderierend begleiten und durch differenzierende Aufgabensteuerung individuelle Entwicklungsvoraussetzungen berücksichtigen (Edelstein/Fauser 2001).

Der Lehrer/die Lehrerin wird selbst zu einem Teil des Projektteams, und muss offen für Ideen, Veränderungen und Ergebnisse sein. Sein/ihr Erfahrungsvorsprung liegt in der Kenntnis von Methoden, die den Prozess unterstützen und voranbringen. „Die Rolle der Lehrpersonen im Kontext von Projekten ist komplex. Sie müssen vor allem die Spannung zwischen den Zielen positiver Projektergebnisse (objektiver Erfolg) und pädagogischer Prozessqualität (Sicherung subjektiver Erfolge – Kompetenzzuwachs und Persönlichkeitsentwicklung) aushalten. … Im Rahmen einer reflektierten, pädagogisch bewussten Projektdidaktik besteht die Aufgabe der Lehrperson … in einer bewussten, strategischen, intentional egalitären Partnerschaft, in der sie im Blick auf beide Typen von Projektzielen unter dem Primat der Schülerinitiative und im Rahmen einer geordneten Kooperation nach Maßgabe der situativen Erfordernisse kritisch und konstruktiv interveniert“ (Edelstein/Fauser 2001).

Im Schulalltag verankerte Projekte verwandeln auch die Schulkultur. Denn Projekte steigern die Aktivität der am Schulleben Beteiligten. Freude ist ein Ausdruck für den erhöhten Energiepegel an lernenden Schulen. Schüler, Eltern, Lehrkräfte, außerschulische Mitarbeiter sehen sich mit anderen Augen. Die Schule einschließlich der „Drehorte“ außerhalb des Schulgeländes wird zum Lernzentrum oder auch zum Kulturzentrum. Typisch für eine nach innen und außen offene Schule ist:

 - ein starkes Gemeinschaftsgefühl aller Akteure,
 - vielfältige Professionen in der Schule,
 - Engagement in der Gemeinde,
 - Kontakt zur Sphäre der Wissenschaft, Kultur und der Arbeitswelt,
 - ein besseres Schulklima und dass sich die Schule selbst als offenes Projekt

begreift.

 

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Quelle: Projektlernen im gesellschaftlichen Kontext – Demokratieerziehung ... Projektlernen ist praktisches, an der Wirklichkeit orientiertes Lernen. ...www.blk-demokratie-berlin.de/ newsupload/Expertise_Projektlernen.pdf und Thesen für gute Projektarbeit im Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung SCHOLA-21.

Zusammengestellt: Sabine Schweder
Fotos: Frank Schöttke/DKJS
Datum: 7.05.2006
© www.ganztaegig-lernen.de



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