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Der Weg zum Schulprogramm

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Das Schulprogramm soll also an der Schule eine ganz pragmatische Wirkung entfalten; es soll nicht in der Schublade verstauben und ist auch nicht als Alibi für die Behörde gedacht. Es orientiert sich zwar im Rahmen des staatlichen Bildungsauftrages an verbindlichen Qualitätsbereichen, ist aber auf die Einzelschule zugeschnitten. An den einzelnen Schulstandorten sind daher unterschiedliche Akzente und Gestaltungen des Schulprogramms möglich. Damit es seine Funktion der strategischen Kommunikation nach innen und außen erfüllen kann, muss es jedoch eine bestimmte inhaltliche Struktur haben.

Das Schulprogramm ist weder Hochglanzbroschüre für Marketingzwecke noch staubtrockener Bericht. Es ist eine überschaubare, klar formulierte Regieanweisung, die sich für Zwecke der Qualitätsentwicklung und -sicherung am Schulstandort eignet.Dazu ist erforderlich, bei der Erstellung die Interessen der Schulleitung, der Lehrenden und der Schülerinnen und Schüler sowie die Erwartungen der Erziehungsberechtigten und des schulischen Umfeldes angemessen zu berücksichtigen.

Reflexion der Ergebnisse
Ein wesentlicher Schritt ist getan. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme sind übersichtlich aufbereitet. Was nun? Prozentangaben oder Durchschnittswerte sind nur Anhaltspunkte. Mit Leben erfüllt sie erst die gemeinsame Interpretation: Wie bewerten die Beteiligten die Ergebnisse? Welche Vorstellungen von „guter Schule" dienen dabei als Maßstab?

Stärken und Schwächen
Die Diskussion über Qualitätsvorstellungen ist sinnvoll, wichtig und immer wieder neu zu führen – mit Konsequenzen für die Praxis:
Welche Soll-Werte sind anzustreben?
Womit sind wir (als Einzelschule) – zumindest im Augenblick – zufrieden?
Wo liegen unsere Stärken? Was sind unsere Schwächen?
Und nicht zuletzt: Worüber wissen wir noch immer zu wenig?
 
Ziele und Maßnahmen
Anspruchsvolle Fragen – ihre Beantwortung weist die Richtung, wenn es um die nächsten Schritte geht:

1. Kurz- und langfristige Perspektiven für die Schule entwickeln
2. In den einzelnen Qualitätsbereichen klare Ziele setzen
3. Konkrete Maßnahmen zu ihrer Erreichung planen
4. Auf die eigenen Stärken setzen
5. Die Schwachstellen selbstbewusst anpacken
 
So entsteht ein Schulprogramm

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Schulprogramm als ...
Knapp formuliert, enthält es ... die wichtigsten Leitvorstellungen der Schule („Leitbild"), den Entwicklungsstand und die Ziele in einzelnen Qualitätsbereichen,
konkrete Vorhaben zur Zielerreichung, Aktionsplan zur Umsetzung und geplante Maßnahmen der Überprüfung. 
 
... verbindliche Vereinbarung
Das Schulprogramm – eine Vereinbarung, die mehr Verbindlichkeit schafft. Es ist Leitlinie für die Schule, Orientierung für Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und Erziehungsberechtigte. Für die Öffentlichkeit dient es zur Information. Es legt Rechenschaft über die Leistungen der Schule und gibt Auskunft über Entwicklungsvorhaben. Seine Umsetzung ist zu einem vereinbarten Zeitpunkt zu überprüfen: Dabei wird das Schulprogramm zum Maßstab der Bewertung.

Basis für Qualitätsentwicklung „Schulprogramm – wozu?"
Die Bestandsaufnahme liefert der Schule die Datenbasis für die systematische Auseinandersetzung mit ihren Qualitätsmerkmalen in zentralen Bereichen des schulischen Lebens. So wird es möglich, einen gemeinsam vereinbarten Rahmen für die Qualitätsentwicklung an den Standorten abzustecken. Es beschreibt die Grundsätze, Schwerpunkte und Ziele für die weitere Entwicklung der qualitätsvollen Arbeit an der Schule. Es enthält eine realistische Selbstdarstellung des Schulstandortes zum aktuellen Zeitpunkt und – soweit es in die Zukunft weist – realistische Vorhaben mittlerer Reichweite. 

Praktischer Nutzen

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Welchen Nutzen kann sich die Schule davon erwarten?
Das Schulprogramm dient als Leitlinie, an der sich alle Schulpartner orientieren und auf die sie sich – z.B. in Konfliktfällen – beziehen können. Es erleichtert so die Zusammenarbeit innerhalb der Schule.  Die Ressourcen werden auf wichtige Vorhaben zentriert. So können zukunftsweisende Entwicklungen systematisch vorangetrieben werden. Was im Schulprogramm festgeschrieben ist, kann schulintern nach transparenten Kriterien überprüft werden. Das ermöglicht, den eigenen Fortschritt zu steuern und zu messen. Der Öffentlichkeit wird ein klares Bild der Schule vermittelt. Externe Partner wissen, woran sie sind. Entscheidungen bei der Schulwahl werden erleichtert. Damit kann die Schule ihre Leistungen nachweisen und ihre Rechenschaftspflicht gegenüber der Öffentlichkeit einlösen. 

Was steht im Schulprogramm?

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Aussagen zu den folgenden fünf Elementen sollten im Schulprogramm enthalten sein – und im Falle verschiedener Ausbildungszweige (oder Abteilungen an berufsbildenden Schulen) zweckmäßig differenziert werden:
 
Leitbild – Leitvorstellungen der Schule
Welchen gemeinsamen Werten fühlen wir uns verpflichtet? In Form einiger weniger prägnanter Leitsätze sollen „Philosophie" und pädagogische Grundorientierung der Schule zum Ausdruck kommen.
 
Entwicklungsstand und Ziele
Was haben wir erreicht, vor welchen Herausforderungen stehen wir und welche Ziele setzen wir uns? Schulspezifische Lehrplangestaltungen, Schwerpunkte und Stärken, die für die Schule bedeutsam sind, werden festgehalten und in ausgewählten Qualitätsbereichen Ziele definiert, die in den nächsten Jahren erreicht werden sollen.
 
Vorhaben zur Zielerreichung
Welche Maßnahmen erscheinen am geeignetsten, die gesteckten Ziele zu erreichen? Und woran werden die Schulen erkennen, dass sie erfolgreich waren? Das Schulprogramm enthält zu jeder Zielvereinbarung konkrete Vorhaben und beschreibt, welchen Beitrag sie zur Zielerreichung leisten sollen.
 
Aktionsplan zur Umsetzung
Was ist zu tun, um die geplanten Vorhaben zu verwirklichen? Die einzelnen Schritte zur Zielerreichung werden präzisiert, erforderliche Ressourcen, verbindliche Zeitpläne und klare Verantwortlichkeiten festgehalten.
 
Maßnahmen zur Überprüfung
Wie überprüfen wir den Fortschritt? Die Einschätzung der erreichten Ergebnisse soll nach transparenten Kriterien erfolgen. Dazu sind auch Zeitpunkt, Methode und geplanter Ablauf der schulinternen Evaluation festzulegen.

Drehbuch zur Qualitätsentwicklung 

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„Wie erstellt man ein Schulprogramm?"
Die anspruchsvolle Aufgabe, von einer allgemeinen Qualitätsdiskussion an der Schule über eine datengestützte Ist-Analyse zu einem Schulprogramm zu gelangen, ist durch mindestens drei Spannungsfelder gekennzeichnet, die es produktiv zu nutzen gilt. Es geht darum, den Anspruch, die Schulpartner in die Gestaltung des Schulprogramms einzubinden, mit dem professionellen Selbstverständnis der Lehrerschaft in Einklang zu bringen, die Ergebnisse einer möglichst breit und offen angelegten Qualitätsreflexion am Standort in ein übersichtliches und gut handhabbares Schulprogramm auszuformen, bei größtmöglicher Breite des Meinungsbildungsprozesses an der Schule zu klaren Entscheidungs- und Verantwortungsstrukturen zu finden. Der im Folgenden skizzierte Weg ist auf diese Ansprüche abgestimmt. Er geht davon aus, dass die Inhalte und Ziele schulischer Bildung das Produkt gesellschaftlicher Übereinkünfte sind und daher die Interessen der Schulpartner zu berücksichtigen haben. Über pädagogische und didaktische Maßnahmen zu ihrer Umsetzung wird bei diesem Vorschlag letztlich von einer professionell agierenden Lehrerschaft entschieden. Der Weg von der Erhebung des Ist-Zustandes zum Schulprogramm könnte über die folgenden drei Schritte führen. An Schulen mit mehreren Abteilungen scheinen davor jeweils abteilungsinterne Überlegungen und Vorschläge zweckmäßig.

Drei Schritte zur Reflexion des Ist-Zustandes
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Von der Datenerhebung zur Reflexion
Der SGA bzw. das Schulforum erörtert die Ergebnisse der Bestandsaufnahme auf Schulebene und nimmt die Endversion der schriftlichen Zusammenfassung durch die Qualitäts-Arbeitsgruppe zur Kenntnis. Dieser möglichst übersichtlich und anschaulich gestaltete Bericht wird an alle Lehrer/innen sowie an die Vertreter/innen der Schüler/innen und der Erziehungsberechtigten verteilt. Die Schulpartner werden durch geeignete Anreize und Maßnahmen ermutigt, die Ergebnisse – auch in Hinblick auf mögliche Folgerungen – zu reflektieren: Wo gibt es Auffälligkeiten? Was bedeuten die Ergebnisse für uns? Welche Vorstellungen von „guter Schule" liegen unseren Interpretationen zugrunde? Und: Auf welchen Gebieten sollen in nächster Zeit die Akzente gesetzt werden?
 
Von der Reflexion zur Zielbestimmung
Diese möglichst breit geführte Qualitätsreflexion mündet in einen Pädagogischen Tag, der die Meinungen und Interessen der Beteiligten – mit Hilfe klarer Arbeitsstrukturen und evtl. externer Moderation – bündelt. Lehrende, Vertreter/innen der Schüler/innen und der Eltern verständigen sich vor dem Hintergrund der Bestandsaufnahme über die Eckpfeiler eines künftigen Schulprogramms: Was ist unser Selbstverständnis? Welche Ziele wollen wir erreichen? Auf welche Stärken bauen wir, und wo gilt es, Entwicklungen in Gang zu setzen? Die Qualitäts-Arbeitsgruppe verdichtet die gesammelten Ergebnisse des Pädagogischen Tages zu einer ersten Fassung des Schulprogramms. Dieses wird vom SGA bzw. vom Schulforum diskutiert und verabschiedet. In dieser Frage scheint für die Lehrervertreter/innen eine Selbstbindung an Konferenzbeschlüsse empfehlenswert.
 
Von den Zielen zum Programm
Lehrer/innen sammeln in vorbereitenden Gesprächen auch mit Schüler/innen und mit den Eltern Ideen zur Umsetzung der gemeinsamen Qualitätsvorstellungen. In einer „Programmkonferenz" beraten die Lehrer/innen über bestmögliche Wege zur Erreichung der gesteckten Ziele:

1. Welche Konzepte, Maßnahmen, Initiativen erscheinen sinnvoll?
2. Welcher unterstützender, flankierender Maßnahmen bedarf es?
3. Wie bekommen wir, was wir brauchen?

Die Vorschläge werden, wo nötig, gewichtet, Zeitrahmen und Verantwortlichkeiten sind festzulegen. Bereits an dieser Stelle gilt es auch, über die Evaluation der gesetzten Maßnahmen nachzudenken: Wann und wie sollen Überprüfung und Bewertung stattfinden? Wer soll daran beteiligt sein? Und woran werden wir merken, dass wir erfolgreich waren? Auf Basis dieser Überlegungen gestaltet eine Arbeitsgruppe – in Absprache mit der Schulleitung und beteiligten Schulpartnern – die nunmehr vollständige Fassung des Schulprogramms. Diese wird von Schulleitung und Lehrerkonferenz verabschiedet, vom SGA bzw. Schulforum beschlossen und dann in geeigneter Weise öffentlich gemacht. Das Schulprogramm soll das Bewährte sichern und die Weichen für die Zukunft stellen. Es ist Weg und Ziel zugleich, Momentaufnahme, Planungsinstrument und Beurteilungsmaßstab. Die Maßnahmen zu seiner Umsetzung werden in den folgenden Jahren zu überprüfen sein. Die Ergebnisse dieser Evaluation sind Grundlage für eine neue Vereinbarung. Erfolgsprinzipien „Was lässt Schulprogramme gelingen?" Was können Schulen tun, um die Arbeit am Schulprogramm voranzubringen? Was macht Schulprogramme erfolgreich? Aus bisher vorliegenden Erfahrungen lassen sich einige Merkmale und Prinzipien ableiten, die zum Gelingen beitragen können:
 
Betroffenheit Sinn und Zweck müssen klar sein:
Es ist klar, welchen Nutzen die Schule sich von der Erstellung eines Schulprogramms erwarten kann. Das Programm betrifft wesentliche Bereiche der pädagogischen Arbeit, verknüpft Vision und Realität, ist in sich kohärent. Die Schulpartner sind in seine Erstellung einbezogen.
 
Überschaubare Teilziele Weniger ist oft mehr:
In kurzer Zeit zu viel programmatisch festlegen und verändern zu wollen, ist problematisch – nicht nur wegen des zusätzlichen Arbeitsaufwandes, auch wegen der demotivierenden Botschaft, „die bisherige Arbeit sei nicht gut genug gewesen". Sich dagegen auf wenige Bereiche zu konzentrieren, macht die Bemühungen überschaubar und hilft die vorhandene pädagogische Energie wirksam zu bündeln.
 
Strukturen und Abläufe funktionell gestalten:
Ein Kern engagierter Kolleginnen und Kollegen mag eine wichtige informelle Infrastruktur bilden, für die längerfristige Schulprogrammarbeit sind stabile, transparente Arbeitsstrukturen unerlässlich: etwa eine von Schulleitung und Schulgemeinschaft unterstützte Koordinationsgruppe oder für einzelne Schwerpunkte eingerichtete Arbeitsgruppen. Entscheidend ist, dass deren Arbeit und Funktion direkt mit den formellen Strukturen (Schulleitung, Konferenz, SGA bzw. Schulforum) verknüpft wird.
 
Verschriftlichung fördert Verbindlichkeit:
Das gilt für die vom Kollegium bzw. von den Arbeitsgruppen erarbeiteten Vorschläge, die als Belege und zugleich als Stimulanz gemeinsamer Bemühungen dienen, besonders aber für die in den Gremien getroffenen längerfristigen Vereinbarungen. Ein schriftliches Schulprogramm schafft Klarheit und gibt für gewisse Zeit Orientierung im Flusse der Entwicklung.
 
Step by step Auf die schrittweise Umsetzung kommt es an:
Pläne können bei der Steuerung helfen, aber Vorhaben werden nicht auf dem Papier realisiert. Es gilt, sie alltäglich im Bewusstsein, im Blick und im Gespräch zu halten. Auch daran sollte man bei der Gestaltung des Schulprogrammes denken. Es braucht nicht nur „Pionierarbeit", es braucht auch ständige Pflege. Man sollte also nicht zu viel auf einmal säen und auch daran denken, wie man die Früchte der Arbeit ernten kann. Step by step, durch konzentrierte Arbeit mit überschaubaren Teilzielen, erreicht man eher Erfolge.
 
Sicherlich sind die benannten nicht alle Erfolgsprinzipien, an denen sich Schulen in der Arbeit am Schulprogramm orientieren können. Sie sind als erfahrungsgestützte Anregungen gedacht, die ihnen nützen können, wenn sie sich auf ihren Weg machen.

Quelle: Leitfaden der BMUK-Initiative „Qualität in Schulen" (Q.I.S.), verfasst von Manfred Iby und Edwin Radnitzky (v.r.n.l.)

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Datum: 29.08.2006
Zusammengestellt: Sabine Schweder
Fotos: Schöttke
© www.ganztaegig-lernen.de



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Michael Schratz/ Manfred Iby/ Edwin Radnitzky
Beltz Pädagogik

Das Arbeitsbuch gibt praktische Anregungen und Beispiele, wie die Qualität einer Schule überprüft und weiterentwickelt werden kann.  Für jeden Einstieg in die Qualitätsentwicklung enthält der Band konkrete Vorschläge zur praktischen Umsetzung an der Schule. Das kann mit einer Ist-Analyse beginnen, mit der Entwicklung von Leitsätzen und Visionen, mit der Konkretisierung von Zielperspektive oder mit der Überprüfung laufender Vorhaben.

 

 

 

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