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Zum „Curriculum des Unwägbaren“

Im Mittelpunkt der kulturellen Bildung steht die ästhetische Bildung. Immer mehr Initiativen von Stiftungen zielen darauf ab. Die ästhetische Bildung vermittelt mehr als Kenntnisse im Malen, Singen, Tanzen, Theater spielen, Bauen, Umgang mit Film und Medien usw. Ästhetische Bildung bedeutet Aneignung von und Auseinandersetzung mit Welt. Alle Kinder und Jugendlichen haben einen sinnlichen Zugang zu Kunst und Kultur. Bereits als Kleinkinder sind sie fasziniert von der Welt der Töne, der Farben und Gestalt. An diesen grundlegenden sinnlichen Erfahrungen knüpft ästhetische Bildung an.
Die Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland initierte eine Fachkonferenz und baut auf die Erfahrungen zahlreicher Programme. Eines davon war MUS-E.
Erste Stunde Mathe, zweite Stunde Trommeln. So beginnt vielerorts der Unterricht an Schulen, die am MUS-E Programm teilnehmen. MUS-E ist ein künstlerisches Programm für Schulen der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland, das Kinder in der Erfahrung ihrer Persönlichkeit, Kreativität, sozialen Kompetenz und künstlerischen Ausdrucksfähigkeit fördern und stärken soll. Jede Woche tanzen, inszenieren, musizieren und gestalten bei MUS-E mehr als 12.000 Kinder unter der Anleitung von 180 Künstlern in über 100 Grundschulen und weiterführenden Schulen. Lehrerinnen und Lehrer werden ausdrücklich in die Arbeit mit einbezogen und das Programm läuft über drei Jahre. So kann es besonders nachhaltig wirken und trägt zur Entwicklung von Schule bei.
Die Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland wurde 1999 von dem berühmten Geiger, Dirigenten und Humanisten Yehudi Menuhin gegründet. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Düsseldorf entwickelt, koordiniert und begleitet neben MUS-E auch andere Programme und Projekte in sozialen und interkulturellen Lernfeldern, wie zum Beispiel in Schule und Erwachsenen¬bildung – immer in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern. (Quelle: Kulturstiftung der Länder)
Ästhetische Bildung im schulischen und gesellschaftlichen Kontext Pressemitteilung zum 1. Fachkongress der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland mit überwältigender Resonanz
Kreativität und Regelwerk. Wie dieses Paradoxon, diese beiden, auf den ersten Blick unvereinbaren Gegensätze auf einen Nenner zu bringen sind, war zentrales Thema des 1. Fachkongresses der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland, der mit überwältigender Resonanz am vergangenen Freitag an der Essener Folkwang Hochschule für Musik, Theater und Tanz stattgefunden hat. Kooperationspartner des Kongresses ist neben der Folkwang Hochschule die Robert Bosch Stiftung. Der Fachkongress „Curriculum des Unwägbaren“ ist Auftakt einer dreiteiligen Reihe, die maßgeblich vom Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird, und im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll.
Prominente Vertreter aus den Bereichen Politik, Bildung und Kunst – darunter Prof. Dr. Rita Süssmuth, Dr. Margarete Schweizer, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, Dr. Oliver Scheytt, Prof. Dr. Dr. Wolfgang Edelstein, Prof. Dr. Johannes Bilstein – näherten sich in den einzelnen Foren sowohl dem „Wirkstoff Kunst“, dem Themenkomplex „Kunst und Schule“ in den verschiedensten Facetten, sowie der Fragestellung nach der Vereinbarkeit von Ordnung und Unwägbarkeit an, stellten Forderungen auf und boten neue Ansätze und Lösungsmöglichkeiten an. Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth, die schon seit vielen Jahren Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung ist, forderte – dem Prinzip Yehudi Menuhins folgend –, dass „alle Kinder die gleichen Ausbildungschancen haben sollten. Nur so kann jeder sein Bestes geben“. Günter Gerstberger, Leiter des Programmbereichs Bildung und Gesellschaft der Robert Bosch Stiftung, stellte klar, dass die bestehende Innovationskraft der ästhetischen Bildung noch weiter ausgebaut werden müsste, um jene feste Verankerung von Kunst und Kreativität im Bildungskanon zu erfahren, die für eine nachhaltige Persönlichkeitsbildung dringend notwendig sei.
Um den rund 400 Teilnehmern des Kongresses einen Eindruck der Stiftungsarbeit zu vermitteln, kamen neben den Repräsentanten aus Politik und Bildung auch als integraler Bestandteil die Künstler zu Wort, die Woche für Woche mit den Kindern in den Schulen arbeiten und als wichtiger Partner bei der Vermittlung von Kernkompetenzen bei der Menschenbildung agieren. Sie berichteten von Ihren persönlichen Erfahrungen; davon, wie Künste und Schule sich in der alltäglichen Arbeit finden und einander ergänzen können. Ein Dokumentarfilm der MUS-E Künstlerin Diemut Schilling über ihre Arbeit an einer Wuppertaler Grundschule verdeutlichte einerseits, wie sehr sich die MUS-E Schulstunden vom herkömmlichen Kunstunterricht unterscheiden und veranschaulichte andererseits, dass der natürliche Umgang mit Kunst Kinder in ihrer Persönlichkeit nach vorne bringt.
Die Komponistin und MUS-E Künstlerin Chris Seidler, die für die Opera School – ein Projekt der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland – verantwortlich zeichnet, brachte mit über 40 Kindern aus fünf Nationen und den beiden Solistinnen Gudrun Pelker und Elise Kaufmann Ausschnitte ihrer Kinderoper King Solomon’s Cat auf die Bühne der voll besetzten Neuen Aula der Folkwang Hochschule und bot damit ein ebenso eindrucksvolles wie tief berührendes Beispiel, mit wie viel Engagement und Konzentration die Kinder bei der Sache waren. Irene Dänzer-Vanotti, in deren Händen die Tagesmoderation lag, betonte, wie wichtig es sei, den „Kindern [...] Kunst zu schenken, damit sie dieses Geschenk weitergeben können“.
Die Teilnehmer des Kongresses waren aufgefordert, in einer Installation ihre eigenen Fragen und Wünsche zu formulieren und so aktiv am kritischen Dialog des Kongresses zu partizipieren. Zum Ende des Tages sollten diese Fragen gesammelt und bei der Podiumsdiskussion präsentiert werden. Zu dieser Abschlussdiskussion, die die Bandbreite des Tages widerspiegelt, kam es leider nicht mehr: Ein Feueralarm in der Folkwang Hochschule brachte das abrupte Ende dieses ereignisreichen Tages. Womit zwei Dinge wieder einmal klar wurden: Die Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland hat mit ihrer Fragestellung einen Brennpunkt der deutschen Bildungsarbeit getroffen und das Unwägbare lauert immer und überall.

Martina Peters Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Benzenbergstraße 2 40219 Düsseldorf Tel. 0211 – 86 20 53 21
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Zusammengestellt: Sabine Schweder Fotos: Schweder Datum: 30.10.2006 © www.ganztaegig-lernen.de
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