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Lotse für Schulen im Aufbruch – die Serviceagentur Hamburg

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In der Millionenstadt mit den schicken Villen, den armen Bruchbuden und viel bürgerlichem Flair herrschte schon immer das Wasser: Elbe, Alster und viel Regen. Es ist das Lebenselixier einer Stadt, die wächst und deren Aufbruchstimmung auch die Schulen erfasst hat. In der Hansestadt hat man begriffen: Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Dabei setzen die Verantwortlichen verstärkt auf Ganztagsschulen. Allein in den letzten fünf Jahren haben 40 Schulen den Ganztagsbetrieb aufgenommen. Die Serviceagentur «Ganztägig lernen» hilft ihnen, ihren Weg zu finden. Ein Porträt von Christine Plaß.

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Björn Steffen treffe ich beim Telefonieren. «Das ist hier meine Hauptbeschäftigung, abends habe ich solche Ohren», schmunzelt der Kopf der Ein-Mann Serviceagentur Hamburg . Am Apparat ist eine Hamburger Schule, die sich guten Matheunterricht abgucken will. Steffen ist bei der Suche behilflich, das Programm «Ideen für mehr! Ganztägig lernen.» unterstützt die Exkursion. Prompt fällt ihm zwar keine passende Schule ein, aber «ich weiß, wen ich fragen muss», verspricht Steffen. In diesem Fall sind es die Kolleg/innen der anderen Serviceagenturen im Programm «Ideen für mehr! Ganztägig lernen.», die er anruft. Es wird nicht das letzte Mal sein. Länder übergreifende Schulbesuche stoßen auf großes Interesse, auch Steffen hält viel davon: «Schulen brauchen solche Impulse von außen, sonst versinken sie im Alltag.» Neben den Kollegen in ganz Deutschland helfen die Kolleg/innen der Agentur für Schulbegleitung  in Hamburg häufig weiter, bei der die Serviceagentur für Ganztagsschulen angesiedelt ist. Oder die Fachleute, die sie vermittelt. «Wenn Schulen zu uns kommen und ein Anliegen haben, können wir in der Regel eine passgenaue Vermittlung zu freien Mitarbeitern auf dem Beratermarkt herstellen», beschreibt Steffen die Arbeit der Agentur.

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Björn Steffen von der Regionalen Serviceagentur Hamburg im Gespräch mit Dr. Christian Jacobs

Sein Ziel ist es, die Zusammenarbeit der Ganztagsschulen in Hamburg zu verbessern. Dass sich in dem Stadtstaat viele Schulen auf engem Raum befinden, erleichtert die Vernetzung. Hinzu kommt, dass sich viele Bildungseinrichtungen gleichzeitig auf den Weg zur Ganztagsschule gemacht haben. Von den 81 Ganztagsschulen in Hamburg wurde die Hälfte in den letzten fünf Jahren gegründet. Die meisten fangen mit einem Jahrgang an und wachsen dann hoch. «Eine optimale Ausgangslage für Schulen, die voneinander lernen wollen. Immer gibt es eine, die vor zwei Jahren gerade da war, wo die andere jetzt ist, und erzählen kann, wie sie die Herausforderungen bewältigt hat», erklärt der erfahrene Schulberater.

Voneinander lernen

Ob in der Hansestadt oder über die Landesgrenzen hinweg, Steffen setzt sich dafür ein, dass sich langfristige Kooperationen entwickeln, die beide Partner weiterbringen. Schließlich gibt es keine Schule, «die keinen Entwicklungsbedarf hat», ist er überzeugt. Mit den Serviceagenturen Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen arbeitet er im thematischen Netzwerk «Schulentwicklung in Ganztagsschulen». Nächste Woche wird er mit Vertretern von drei Hamburger Schulen nach Münster fahren, um sich die gelungene Rhythmisierung von Vor- und Nachmittagsangeboten vor Ort anzusehen. Das dürfte spannend werden, denn in Nordrhein-Westfalen dominieren die offenen Ganztagsschulangebote. Dagegen ist der Hamburger überzeugt davon, «dass die Entzerrung des Vormittags nur in der gebundenen Ganztagsschule gelingt.» Am liebsten wären ihm Schulen, die von sechs bis 22 Uhr geöffnet haben und in denen von neun bis 16 Uhr ganzheitlich gelernt wird. «Das entspricht den Lebensumständen in einer Metropolenregion», meint Steffen.

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Doch nicht alle Schulen in Hamburg werden leichten Herzens gebundene Ganztagsschulen. Mangelnde finanzielle Ressourcen erschweren es, die Qualität zu garantieren, die sie für nötig halten. 40 Prozent des zusätzlichen Bedarfs müssen die Schulen mit Honorarkräften bestreiten, für die nur 15,03 Euro pro Stunde zur Verfügung stehen. Wie soll man da qualifizierte Kräfte für die Hausaufgabenbetreuung und nachmittägliche Bildungsangebote gewinnen? Eine Unterstützung dabei bietet die Internetseite www.angebotsverzeichnis.de, die von der Serviceagentur extra für Hamburger Schulleitungen eingerichtet wurde, die Kooperationspartner und Anbieter für den Ganztagsbetrieb suchen.

Steffen kennt die Situation vor Ort. Er ist ausgebildeter Lehrer für Mathe und Politik, hat an einer Brennpunktschule gearbeitet und weiß: «Mit diesen Kindern können Sie nicht den ganzen Tag im Klassenzimmer hocken». Schon als Gesamtschullehrer interessierten ihn konzeptionelle Arbeit und Themen wie Ganztagsschule, Schulentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit, auf denen auch heute sein Schwerpunkt liegt. «Wie vermitteln wir das nach außen, was wir machen, ist ein Thema, das für Schulen immer wichtiger wird», hat Steffen erfahren. Seine Serviceagentur hilft dabei, dass konzeptionelle Schulentwicklung und eine stimmige Kommunikation nach außen Hand in Hand gehen. Dabei versucht er die immer vorhandenen kreativen Kräfte zu verstärken.

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Björn Steffen im Gespräch mit dem Mittelstufenkoordinator des Goethe-Gymnasiums in Hamburg bei der Auftaktveranstaltung zum Entwicklungsvorhaben "SCHOLA-21-Schule"

Er schätzt die Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, die über das Ganztagsschulprogramm hinaus zahlreiche andere Programme initiiert, die Schulen bereichern, so zum Beispiel SCHÜLER UNTERNEHMEN was! ein Programm, das Schülerfirmen unterstützt. Oder SCHOLA-21, das eine virtuelle Lernumgebung für Projektlernen bietet. «Dafür interessieren sich die Hamburger Schulen sehr», berichtet er. Besonders fruchtbar war gerade die Zusammenarbeit mit der Servicestelle Jugendbeteiligung. In einem Workshop haben Lehrer/innen, Eltern und Schüler/innen des Gymnasiums Allermöhe mit Hilfe von jugendlichen Moderatoren der Servicestelle ein Konzept entwickelt, das den Unterricht der Klassen acht und neun zur Zufriedenheit aller verändern soll. «Die Schüler sind zum Einflussfaktor in dieser Schule geworden», freut sich Steffen. Und weil alle Beteiligten gemeinsam Beschlüsse gefasst haben, kann sich nun keiner mehr daran vorbei mogeln. «Die Schüler werden sehr genau darauf achten, dass das erarbeitete   Fortbildungskonzept auch umgesetzt wird», glaubt Steffen. Grundlegende Voraussetzung für den Erfolg dieses und aller anderen Unternehmen in Schulen, die seine Agentur fördert, ist die Unterstützung der Schulleitung. «Wenn eine Schulleitung sagt, wir wollen Schülerbeteiligung, dann reißen wir die Türe auf, dann kriegen die alles», verspricht Steffen. «Schülerbeteiligung ist ein viel zu stark vernachlässigter Bereich».

Flagge zeigen

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Am Nachmittag kommen Schulleitung und Lehrer/innen der Sprachheilschule Mümmelmannsberg, die über sechs Standorte in Hamburg verteilt ist, in die Serviceagentur. «Für uns steht die Planung der Ganztagsschule an. Wir werden schlecht als Schule erkannt, das möchte ich ändern», sagt die Leiterin des Ganztagsbereichs, Cornelia Klaue-Paschen. Ihre Kollegin, Susanne Ullrich, pflichtet ihr bei: «Wir haben so viele Schüler und kein Gesicht». Schulleiterin Gudrun Probst-Eschke bricht es auf die konkreten Anforderungen herunter: Wir müssen überlegen, wie wir unser Leitbild und Schulangebot für die Außendarstellung gestalten können. Wir brauchen ein Logo, einen Flyer, eine Website.»

In den eineinhalb Stunden, die sie in der Agentur für Schulbegleitung im Hartsprung   verbringen werden, geht es erst einmal darum, einen Zeitplan zu erarbeiten und genau zu klären, was ihre Ziele sind und wie ihr Auftrag aussehen wird. An die Arbeit werden sich die Beteiligten dann mit einer PR-Beraterin machen, die Steffen ihnen vermittelt. «Das ist ja überschaubar», meint Gudrun Probst-Eschke erleichtert, als Steffen ihr vorrechnet, wie viel Geld die Schule in etwa investieren muss. Dann erklärt er anhand des Flyers der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung was ein Claim und was ein Logo ist und wozu das gut sein kann. In der weiteren Diskussion wird deutlich, dass die Mitarbeiter/innen der Sprachheilschule nicht nur ihr großes qualitatives Förder- und Schulangebot bekannt machen, sondern auch bildungspolitisch Flagge zeigen wollen.

Am Ende gehen die Teilnehmer des Crash-Kurses für Öffentlichkeitsarbeit zufrieden nach Hause: «Das war sehr strukturiert und praxisorientiert, wir haben jetzt eine gute Grundlage für unsere Weiterarbeit», resümiert Martin Reesch. «Ich fand es sehr spannend», strahlt Gudrun Probst-Eschke. «Je mehr ich über das Thema nachdenke, desto mehr Ideen habe ich.» Ein paar Minuten später sitzt sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Cornelia Klaue-Paschen schon wieder mit Steffen zusammen. Sie möchten Unterstützung für ihr Projekt: «Sprachheilschüler planen ihre Ganztagsschule» bekommen. Geplant ist ein Projekttag mit Drittklässlern, am Ende sollen die Ergebnisse öffentlich und festlich präsentiert werden. Die Lehrer/innen hoffen, damit das Eis zu brechen und als Schule in den Stadtteil hineinzuwirken. «Wenn ihre Kinder gerne in die Schule gehen, dann sind auch die Eltern dafür gewonnen», weiß Probst-Eschke. Steffen ist begeistert von dem Projekt: «Für so etwas gibt es die Serviceagentur», ermutigt er die beiden.

Schulen im Aufbruch

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Leiterin der Agentur für Schulbegleitung Angela Kling und Björn Steffen auf dem Ganztagsschulkongress

Währenddessen sitzt seine Chefin, die Leiterin der Agentur für Schulbegleitung  an ihrem Schreibtisch und telefoniert. Zurzeit steht das Telefon kaum still. «Hier in Hamburg gibt es seit Sommer die Selbstverantwortete Schule », erklärt Angela Kling. Dabei haben die Schulen großen Beratungsbedarf. Die erweiterten Möglichkeiten zur Selbstbestimmung, Profilgewinnung und Qualitätsverbesserung wollen genutzt werden. Agentur und Serviceagentur helfen dabei, dass bei allem Zuwachs an Verantwortung, Organisation und Erziehung nicht das das Ziel vor Augen verloren geht: «Wir klären erst einmal die Anliegen und entwickeln dann gemeinsam mit den Schulen eine Fortbildungsplanung», so Kling. Dass die Serviceagentur «Ganztägig lernen» zur Agentur für Schulentwicklung gehört, ermöglicht es Kling, die Anliegen der Ganztagsschulen im Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung verstärkt zu vertreten.

Besonders freut es sie, dass die Schulbehörde inzwischen auf ihre Agentur zukommt, wenn es darum geht, bei der Stadtentwicklung die Schulen miteinzubeziehen. Ob beim spektakulären Ausbau der Hafencity oder der Initiative Sprung über die Elbe, die benachteiligte Stadtbezirke fördert: Im Mittelpunkt werden Schulen stehen, um die herum sich kulturelles und soziales Leben entwickeln soll. Dabei werden Schulen nicht nur gefördert, sie sind auch gefordert. An 70 Brennpunktgrundschulen wurde die Klassenstärke von 28 auf 18 Kinder reduziert. Die Qualität ihres Unterrichts müssen die Schulen schon selbst verbessern. Nach dem Prinzip der Selbstverantwortenden Schule liegt es in der Hand von Lehrer/innen, Schulleitung, Erzieher/innen und Schüler/innen, gemeinsam dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche in schulischen und außerschulischen Pogrammen kreativ gefördert und gefordert werden. Soviel ist in Hamburg klar: Schulen kann man schon etwas zutrauen.

Text: Christine Plaß
Fotos: Christine Plaß, Piero Chiussi, Martin Brinckmann
Datum: 10.12.2006



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Ein Lotsenboot für schwer beladene Tanker
In Hamburg ist die Zahl der Ganztagsschulen rasant in die Höhe geschnellt und ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Die Expansion geht allerdings auf Kosten der Personaldichte. An vielen Standorten sind Kreativität und Engagement gefragt, um entstehende Probleme aufzufangen. Doch nun können die Ganztagsschulen der Hansestadt auf Unterstützung hoffen: Am 18. Januar 2006 stellte sich die Regionale Serviceagentur mit einer Auftaktveranstaltung im Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung vor. öffnen