Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen
Ein
Porträt der Serviceagentur Niedersachsen
von Hilde
Frye
Mit
unterschiedlichen Berufsausbildungen und beruflichen Hintergründen haben vier
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AKADEMIE Schule & Wirtschaft seit 2006
die Aufgabe übernommen, die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ in Niedersachsen
zu entwickeln und ein Unterstützungsangebot für Ganztagsschulen bereit zu
stellen.

In der Region
Göttingen ist Bettina Blecher, die nach einer Ausbildung zur Modistin ein Magister-Studium
in deutscher und englischer Philologie absolvierte für die Ganztagsschulen der
Region tätig. Die Region Braunschweig wird von Birgit Bleiel betreut, die ein
Studium der Erziehungswissenschaften absolvierte. Als Trainer der
Erwachsenbildung und Schulleiterqualifizierung ist der studierte
Sozialwissenschaftler Torsten Daseking in den Regionen Hannover und Lüneburg im
Rahmen Serviceagentur für die Begleitung, Organisation und Durchführung
ganztagsspezifischer Angebote verantwortlich. Thomas Nachtwey, der als
Gymnasiallehrer für die Fächer Deutsch und Politik bereits seit längerem für
die AKADEMIE Schule & Wirtschaft Schulen unterstützt, ist verantwortlich
für die Regionen Osnabrück und Oldenburg.
Als im Jahr
2005 die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ für Niedersachsen in Osnabrück
gegründet wurde, war die AKADEMIE Schule & Wirtschaft ein geeigneter
Partner. Aufgabe der AKADEMIE Schule & Wirtschaft ist es, neben der
Qualifizierung von Schulleiterinnen und Schulleitern, Prozesse der
Schulentwicklung zu begleiten wie auch Schulen und außerschulische Partner zu
verbinden. Und für die Serviceagentur Niedersachsen stehen diese Aufgaben mit
auf der To do–Liste. Deshalb war es mehr als gewünscht, dass diese
Arbeitsbereiche in einer Hand lagen. Durch die Kombination der Tätigkeitsbereiche haben Ganztagsschulen
somit die Möglichkeit, die Serviceagentur 40 Stunden in der Woche zu
erreichen.
Niedersachsen
ist ein Flächenland und nach Bayern das zweitgrößte Bundesland, sodass die
meisten Kontakte zu Beginn telefonisch hergestellt werden. Die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der Serviceagentur organisieren Fachtagungen, Netzwerktreffen
und Unterstützungen für Schulen, suchen Referenten, verschicken Einladungen,
erstellen Jahrespläne und dokumentieren, was gelaufen ist. Die Besuche in
Schulen, die Tagungen oder die regelmäßigen Netzwerktreffen müssen immer so
geplant sein, dass man nicht allzu viel Zeit mit der Anfahrt verliert.
Von den insgesamt 3200 niedersächsischen Schulen sind bis heute
rund 670 Ganztagsschulen. Es gibt in Niedersachsen gebunden, teilgebundene und
offene Ganztagsschulen. Die offenen Ganztagsschulen benötigen zurzeit noch die
größte Unterstützung durch die Agentur, wobei die Angebote für alle GTS zur
Verfügung stehen.
Die Serviceagentur blickt nach nunmehr zwei Jahren intensiver
Arbeit positiv auf die Zahl der Ganztagsschulen, die erreicht werden konnten,.
Schule mit Partnern gemeinsam gestalten ist Prinzip in Niedersachsen
Lokale Gruppen wie die des Landfrauenverbandes, der Feuerwehr,
Musikschulen, der Sportclub, des Deutschen Roten Kreuzes und Jungendverbände,
die Aufzählung lässt sich noch ausweiten, sind wichtige Partner der
Ganztagsschulen. Jede Region hat ihre spezifischen Angebote, die oftmals auch
das Profil der Schulen ergänzen. Schule
mit Partner öffnet den Weg in den Sozialraum und stärkt die
Verantwortungsübernahme. Außerschulische Partner bringen durch ihre Arbeit
zusätzlich Ansätze und Gedanken in die Schule mit ein, sodass Schule auch zum
Lebensraum werden kann. In der gemeinsamen Arbeit steckt auch ein wichtiger
Punkt der Qualitätsentwicklung, denn oftmals haben sich die außerschulischen
Partner bereits intensiv mit dieser Frage beschäftigt.
So möchten die niedersächsischen Landfrauen, die aktiv
Ganztagsschulen unterstützen, Alltagskompetenzen und wirtschaftliches Handeln
vermitteln; Sportvereine bieten eine große Palette, vom Fussball über Badminton
bis Tennis an; die örtliche Feuerwehr bietet Technikkurse und einen Einblick in
ihre Aufgaben und Tätigkeitsfelder. Und die christlichen Jugendverbände haben ???bereits
in ihren eigenen Reihen sehr gute??? Leute, die aktiv auf Schulen zugehen und
im Nachmittagsbereich unter anderem die Ausbildung zu Jugendgruppenleiter
anbieten. Nicht nur die Schulen können vom Wissen der Partner profitieren,
sondern selbstverständlich gibt es auch oftmals
einen Gewinn für die Partner. Spass und Begeisterung, Nachwuchsförderung
und Raumnutzung sind nur einige positive Facetten der Kooperation.
„Da, wo es schon gute Möglichkeiten gibt“, sagt Thomas
Nachtwey, agierten er und seine Kollegen eher im Hintergrund.
Manchmal müssten die Fäden einfach nur zusammen geführt werden. Es gelten
allerdings, so weiß der Projektleiter, für jede Schule, für jede Region eigene
Regeln, Traditionen. Die sollte man berücksichtigen. Man könne also nicht
einfach ein erfolgreiches Modell anderen überstülpen. So wird versucht, aus der
praktischen Arbeit bestimmte Module herauszufiltern, die dann bei Bedarf an
anderer Stelle zum Einsatz kommen können.
Beim Wettbewerb "Zeigt her eure Schule" im Rahmen des
Programms "Ideen für mehr! Ganztägig lernen." gewann das Projekt aus
Niedersachsen öffnen
Ein weitere wichtige Aufgabe der Serviceagentur ist es, die Schulen darin zu
unterstützen, bei den Nachmittagsangeboten eine Verbindlichkeit zu erzeugen , sodass
sie es schaffen, ein Angebot auch mindestens ein halbes Jahr lang aufrecht zu
erhalten. Nachtwey profitiert dabei von seinem langjährigen Engagement im
Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft. Denn dort ist die Verbindung
zwischen Wirtschaft und Schule Programm. Und: „Niedersachsen ist ziemlich weit
vorn auf diesem Gebiet und gerade die Struktur der offenen Ganztagschule bietet
sich an, am Nachmittag verstärkt auch berufsorientierte Angebote zu machen,“
erklärt er. Einige Schulen kooperieren bereits erfolgreich mit der lokalen
Wirtschaft. Vor allem im technischen Bereich, in der Elektronik und im
metallverarbeitenden Gewerbe profitieren Schulen von der Wirtschaft und
umgekehrt. Denn gelingt es, bei den Schülern/innen das Interesse für die
technischen Berufsfelder zu wecken, ist das die beste Investition in fähige
Nachwuchskräfte.
Aber auch in anderen Bereichen sind Kooperationen machbar.
Nachtwey hat gerade gemeinsam mit der Haupt- und Realschule in Bad Laer, einem
Kurbad am Rande des Teutoburger Waldes, ein Konzept für den nachmittäglichen
Unterricht entwickelt mit dem Schwerpunkt Pflegeberufe: In Bad Laer gibt es
eine Kurklinik, einen großen Sanitätsversand, also zahlreiche Berufsfelder im Gesundheitswesen.
Idealerweise wird hier das schulische Angebot auch noch von einer Lehrkraft
unterstützt
Initiative zeigen
Umso erfreulicher ist die Resonanz auf die Fachtagungen, die die
Serviceagentur Niedersachsen in den Regionen in der zurückliegenden Zeit
veranstaltet hat. Themenschwerpunkte waren unter anderem: „Personalentwicklung
an Ganztagsschulen“, „Berufsorientierung in der Ganztagsschule“ und „Partner
und Partnerschaft“. Insgesamt haben allein im Jahr 2007 über 250 Schulen und über 800 Lehrkräfte und
außerschulische Partner an den Veranstaltungen der Serviceagentur teilgenommen.
Das ist ein gutes Fundament. Darauf kann man aufbauen, wenn die Schulen anschließend
konkrete Themenfelder benennen, wo sie Hilfe benötigen. „Wir bieten den Schulen
an, in Netzwerken zu arbeiten. Melden die Schulen intensiveres Interesse an,
bekommen sie alle erforderliche Unterstützung“ so Nachtwey.
Bei Bedarf zieht die Serviceagentur Experten hinzu. Oder sie
kann die Anfragen einzelner Schulen bündeln und dafür eine konzeptionelle
Beratung anbieten. Und auch bei diesen Prozessen ist es Nachtwey wichtig, immer
wieder Rahmenmodelle oder „Module“ heraus zu arbeiten. Denn häufig sind
die Probleme der Schulen ähnlich und langfristig erleichtert es die Arbeit,
wenn man auf diese Modelle zurückgreifen kann.
Am besten im Schneeballsystem
Deshalb verfolgen die Mitarbeiter der Serviceagentur
Niedersachsen auch intensiv die Arbeit der anderen Serviceagenturen. „Ich
schaue immer nach Modellen, wie die anderen etwas hinbekommen haben, wie die
zum Beispiel die Schulen untereinander zusammenbringen.“ so Nachtwey. Diese Art
von Schneeballsystem möchte er mehr und mehr nutzen. Auch der „sehr gute
Referenten-Pool“, der über die Jahre entstanden ist, ist ihm hilfreich. Und er
nutzt die Arbeitsergebnisse der Werkstätten der Deutschen Kinder- und
Jugendstiftung.
In einem
kleinen Arbeitskreis tauschen sich die Niedersachsen mit den Serviceagenturen
von Brandenburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern aus. Ihr gemeinsames Thema:
Kooperation mit außerschulischen Partnern. „Da können auch wir unser Know-How
weitergeben“, so Nachtwey. Bremen sei interessant, weil es wie auch
Niedersachsen auf Qualität setze. Und die Brandenburger haben zwar keine
Probleme mit der Einführung von Ganztagschulen, denn das hat ja Tradition in
den neuen Bundesländern. „Aber von den Brandenburgern können wir uns
abgucken, wie man das soziale Umfeld einer Schule einbezieht.“
Zukunftspläne
Für die Serviceagentur in Niedersachsen gilt es im Neuen Jahr
weiterhin Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen zu beweisen. Wichtige Aufgaben
werden sein, nach der Entwicklungsphase die Qualitätentwicklung zu betrachten,
die Umsetzung der Rhythmisierung und weiter die Vernetzung der Schulen
voranzutreiben. Und natürlich kommen die Ganztagsgrundschulen als neues
Betätigungsfeld hinzu, die durch das Land Niedersachsen genehmigt wurden.
Aber auch wenn die neuen Medien, wie E-Mail, Intranet und
Foren einiges erleichtern, so setzt Nachtwey auch auf Bewährtes:
„E-Mail-Kontakt ist spannend, aber versandet irgendwann und hat keine
Verbindlichkeit.“ Kommunikation sei am effektivsten, wenn man sich
gegenüber sitzt. Und dabei sieht Nachtwey sich als Moderator: „Vernetzung
findet immer nur statt, wenn jemand den Hut auf hat und sagt: Ich lade ein, ich
organisiere, ich habe den Raum, ich suche den Referenten.“
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