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Bildung und Betreuung von 2 bis ...

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Christine Wolfer (links): „Unsere Beratung muss aber immer wertschätzend sein“

Bildung fängt in Thüringen früh an und wird durch den Freistaat gefördert. Sie soll auf lebenslanges Lernen vorbereiten. Die Grundschule und der Hort bilden nach dem Thüringer Schulgesetz rechtlich eine organisatorische Einheit, im Grundschulbereich gibt es somit ein flächendeckendes Angebot von Schulen mit ganztägigem Bildungsangebot. In den Klassenstufen 5 bis 10 nehmen 80% der Regelschulen und Gymnasien ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote in Anspruch. Daneben arbeiten Förderzentren und Spezialgymnasien in voll gebundener Form als Ganztagsschulen.

Ganztag kein Problem?

„Doch“, meinen die Mitarbeiter der regionalen Servicestelle Thüringen. „Wir haben Schulen mit den unterschiedlichsten Profilen. Quantität bedeutet nicht gleichzeitig Qualität. Generell sollen die Ganztagsschulen von unten wachsen, vor Ort gewollt sein. Aber das ´Ihr dürft´ allein reicht nicht, dazu müssen auch Rahmenbedingungen geschaffen, finanzielle Ressourcen bereitgestellt werden.“ Eine dieser Rahmenbedingungen ist sicherlich die Agentur selbst, die im Juni 2005 in Kooperation zwischen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und dem Thüringer Kultusministerium ins Leben gerufen wurde.

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Dicht beieinander hocken wir. „Die Nähe ist ein Vorteil“, sagt Rosa Maria Haschke, „sie bringt kurze Wege, schnelle Verständigung“. Die 55-jährige Lehrerin kennt sich in der thüringischen Bildungslandschaft aus. Seit 1992 arbeitet sie am Schulamt Jena in Schulförderungsprojekten, zu Schuljugendarbeit, Schulpartnerschaften, in Landes- und überregionalen Programmen. Parallel dazu bis vor drei Jahren in der Schule. „Mein Standbein in der Praxis hat mir die Akzeptanz erleichtert“, kommentiert sie gelassen ihr ganztägiges Engagement. Ihre Kollegin, Christine Wolfer, profitiert ebenfalls von der engen Zusammenarbeit im Team. Die 41-jährige Diplom-Sozialpädagogin war in der Jugendhilfe, Migrationsarbeit Weimar und in der Bürgerstiftung Jena tätig, bevor sie zu „Ganztägig lernen! Ideen für mehr“ stieß. Besonders der letzte Teil des Programms hat es ihr angetan, die Ideen sprudeln nur so aus ihr heraus. Die Mischung der Naturells wird ergänzt durch Wolfgang Koß. Der ehemalige Schulleiter und Lehrer für Mathematik und Geografie interessiert sich besonders für Schulentwicklung, kümmert sich um Statistik, Datenbank und Auswertungen und um all das, was sonst manchmal hintenan fallen könnte. „Da ist noch die Brigitte Geyersbach, nebenan, auch ganz wichtig für uns. Sie arbeitet im Projekt ´Schüler unternehmen was´ mit Schülerfirmen, auch ein Kooperationsprojekt der DKJS und des Thüringer Kultusministeriums. Da gibt es viele Schnittstellen zwischen uns bei Kooperationen und im Austausch.“ Schon funkeln die Augenpaare aller drei.

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Rosa-Maria Haschke

Am Anfang standen ein Konzept

... und Ziele, eins davon ist die Schulberatung vor Ort, das „VONEINANDER LERNEN“. In der Startphase hieß es, das Angebot der Serviceagentur möglichst schnell bekannt zu machen. „ Da hat es geholfen, dass wir durch unsere Tätigkeit in der Schuljugendarbeit ein Menge Kontakte hatten und Kooperationspartner kannten“, berichtet Rosa Maria Haschke. „Wir fragten uns, welche Schulen machen sich auf den Weg? Durch die Akten und unsere persönlichen Erfahrungen waren viele Informationen vorhanden. Wir konnten Synergieeffekte nutzen.“ „Wir haben den direkten Draht zu den Schulen gesucht, Hospitationen gemacht, das hat uns große Sympathien eingebracht“, ergänzt ihre Kollegin Wolfer. Zur Eröffnungstagung kamen über 100 Leute und bis heute sind die meisten Veranstaltungen der Agentur überbucht. „Die Öffentlichkeitsarbeit ist eigentlich ein Selbstläufer“, lautet das stolze Resümee des Teams.

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Sieger im Wettbewerb "Zeigt her eure Schule" der Streicherklassenunterricht an der Christoph Martin Wieland Schule in Weimar (Thüringen)

Das Konzept der Servicestelle besteht aus sieben Modulen, von den Bereichen A – G, die eindrucksvoll von der Wand auf den Betrachter herabschauen. Zum Bereich A „Netzwerk: ganztägig Lernen“ haben die Mitarbeiter bisher drei Netzwerktreffen in Gotha, Jena und Erfurt organisiert, die den Austausch von Schulen vor Ort fördern sollen. Auf der Agenda der Treffen wurden unter anderem Themen: „Wer was kann“, „Biete/Suche-Listen“, „Austauschforum“, „Lehrerarbeitszeit“, „Präsenzzeit“ behandelt. Aber auch Angebote zum Nachdenken wurden initiiert wie zum Beispiel der Umgang mit der Zeit. „Das war mehr philosophisch, zu zeigen, die Zeit, die ich mir nehme, die Zeit, die ich gebe, Michael Ende etwa und seine ‚Zeitdiebe’, engagiert sich Rosa Maria Haschke. Dass das Philosophische nicht zu kurz kommt ist vielleicht auch der Adresse der Agentur geschuldet. Sie residiert am Philosophenweg, in direkter Nähe zur Uni. Sehr pragmatisch ist dagegen der Wunsch der 55-jährigen Lehrerin: „Ich möchte mal wieder Zeit zum Nacharbeiten haben.“

Beratung vor Ort

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Schulen vor Ort zu beraten, ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Agentur, nicht zuletzt auch deshalb, weil Thüringen ein Flächenland ist, und viele ländliche Räume zu betreuen sind. „Die Inhalte der Biografien, der Lebenswelten sind dort andere, das müssen wir in unserer Arbeit berücksichtigen. Oftmals sehen die Schulen nicht, welche Kooperationspartner in ihrem Raum zu finden sind. Da helfen wir. Oder wie das Vormittags- mit dem Nachmittagsangebot sinnvoll zu verbinden ist oder wie man Verträge macht oder ...“, erklärt Christine Wolfer. An Themen für die Beratung vor Ort mangelt es wahrlich nicht. Den Nutzen für die Schulen sehen die Kollegen vor allem in der Sensibilisierung und Bewusstmachung für die Ganztagsschule. Das Team verfügt über den Blick von außen, begreift seine Rolle in der Betreuung moderierend und gibt den Schulen die Anregung, den Ganztag „aus einer größeren Perspektive zu sehen“. „Unsere Beratung muss aber immer wertschätzend sein“, betont Christine Wolfer. Für die Beratung vor Ort haben die Mitarbeiter einen Leitfaden entwickelt, der den Soll-Ist-Vergleich systematisiert. Mit System und Struktur, das ist das Bemerkenswerte an diesem Nachmittag, wird jedes Thema, welches auf den Schreibtischen landet, angepackt.

Fortbildung – ein Zauberwort?

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Nein, meinen die Thüringer. Schon in der Startphase haben sie mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (THILLM) Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Bereich Fortbildung ausgelotet. Herausgekommen ist eine Veranstaltungsreihe mit vier Modulen, die auch einzeln wahrgenommen werden können. Sie richtet sich an Lehrerinnen, Lehrer, Erzieherinnen, Erzieher, Schulleitungen und Kooperationspartner bei der ganztägigen Schulgestaltung. Veranstaltungsort ist jeweils eine Thüringer Schule, die zu dem Fortbildungsthema auf gute Praxis verweisen kann. Außerdem wird einmal im Jahr eine Fachtagung durchgeführt. Mit dem Institut für Sportwissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena fand eine Tagung zur „Schulgestaltung und Gesundheit“ statt, dieses Jahr wird unter dem Titel „Baustelle Ganztag“ mit Schulträgern, Kommunalvertretern und Architekten eine weitere angeboten.

Für die Inhalte, Referenten, Informationen und Materialien der Veranstaltungsreihe und Tagung übernimmt die Serviceagentur die Verantwortung, die Kosten werden vom THILLM übernommen. Die Fortbildungsangebote finden große Resonanz, „alle Module für 2007 sind ausgebucht“, bilanziert Herr Koß und weist auf eine andere Zielgruppe hin. „Ein unterbelichtetes Feld sind die Schulfördervereine, was brauchen die als Unterstützung? Schulen sind keine juristischen Personen. Da können die Vereine unterstützen, zum Beispiel Konten führen. Dazu hatten wir im Juni und Dezember eine Veranstaltung.“

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Rosa-Maria Haschke im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde und Förderer der DKJS, Knut Mikoleit, und dem Leiter der RAA Mecklenburg/Vorpommern, Christian Utpatel.

In Sachen eigener Fortbildung verweisen die Mitarbeiter auf die thematischen Netzwerke der regionalen Serviceagenturen. Besonders eng wird mit den Werkstätten des Programms sowie mit den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachen-Anhalt kooperiert. Entscheidend ist nicht die räumliche Nähe, sondern zu gucken, „was machen denn die anderen, welches Angebot ist für uns interessant“, erläutert Christine Wolfer.

Visionen auf Abruf

Zu guter Letzt beinhaltet das Konzept der Thüringer Truppe noch den Programmpunkt Abrufangebote. „Da geht es um Basales, um sinnerfülltes Leben und Lernen im Ganztag. Wir stellen die Frage nach dem Warum, die wird meist nicht reflektiert, nicht immer nur die nach dem Wie von Ganztagsschule“, kommentiert Rosa Maria Haschke. „Ich sehe die Kinderarmut als neue Gefahr auf uns zukommen. Es gibt Familien, da verhungern die Kinder oder können nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Ich wünschte mir, dass das vor Ort besser wahrgenommen und gegengesteuert wird.“ Herr Koß hat seinen Traum tatsächlich geträumt: Ein Erlass des Ministeriums, mit dem Schulen, die Ganztagsschulen werden wollen, gefördert, Sozialpädagogen eingestellt und Gestaltungspauschalen pro Schüler eingeführt werden.

Für Visionen bleibt in der alltäglichen Arbeit wenig Zeit, die ist prall gefüllt mit Telefon, Beratung, Kooperationen, Teambesprechungen, Treffen, Terminen, Veranstaltungen, Buchhaltung, Datenbankpflege, Verwaltung, Ablage. Entlastung vom bürokratischen Teil der Arbeit und Zeit für Visionen stehen ganz oben auf der Prioritätenliste des Teams. „Den Kopf frei zu haben für mehr konzeptionelles Arbeiten. Bildung ist ein spannendes Feld, das inspiriert mich“, fasst Christine Wolfer ihre Stimmung und die der Kollegen zusammen. 

Autorin: Dr. Cornelia Alban
Fotos: Alban/Schweder
Datum: 14.01.2007
© www.ganztaegig-lernen.de
 



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