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PARTIZIPATION – jetzt!

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Jürgen Tramm im Gespräch mit der Vorsitzenden der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung Eva Luise Köhler

Ganztagsschulen in Angebotsform, in der sich Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer für ein Jahr dem Ganztag verpflichten, gibt es seit 2002/2003 in Rheinland Pfalz. 360 Schulen dieser Form sind seit Schuljahresbeginn im Bestand des Landes. Ziel des Landes ist es, knapp ein Drittel der 1.700 rheinland-pfälzischen Schulen bis zum Ende der Legislaturperiode für den Ganztag zu öffnen.

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Der Diplom-Sozialarbeiter Jürgen Tramm ist ein alter Fuchs in Sachen Jugendbildung. Zwölf Jahre lang hat der 46-Jährige in der Jugendhilfe, in der Jugendverbandsarbeit gearbeitet, jugendpolitische Seminare geleitet, sozialpädagogische und außerschulische Fachkräfte qualifiziert, bis er mit der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ an den Start ging. Die Agentur existiert in Rheinland Pfalz seit 2005 mit Sitz im Institut für schulische Fortbildung (IFB) Speyer. Kooperationspartner der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) ist das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur. Das Land Rheinland-Pfalz stellt das Personal für das Ganztagsschulangebot und unterstützt die Schulen in Form von kapitalisierten Lehrerarbeitswochenstunden. „Das sind sehr gute Rahmenbedingungen“, findet Jürgen Tramm, „die Schulen werden finanziell entlastet, ein Softwareprogramm kann für die Budgetrechnung der Schulen genutzt werden, dagegen gibt das Land den Schulen nur die vier gleichwertigen Gestaltungselemente: unterrichtsbezogene Ergänzungen, themenbezogene Vorhaben und Projekte, Förderung und Freizeitgestaltung vor“. 24 landesweite Rahmenvereinbarungen sind mit außerschulischen Trägern geschlossen worden, auch mit Freiberuflern. Das Ministerium hat Jürgen Tramm den Weg in die Schulen geebnet. „Am Anfang bin ich mit dem Referenten für Ganztagsschulen einfach mitgelaufen, habe Foren, Veranstaltungen und Tagungen besucht. Über Infostände habe ich das Angebot der DKJS bekannt gemacht.“ Im März entwickelte er eine Erhebung zum Stand der Partizipation an Schulen. Der Rücklauf und die Resonanz ermutigten ihn, hieraus entwickelte Jürgen Tramm vier Standardangebote, und schon sind wir beim Kernthema der Ein-Mann-Agentur, um das sich fast alles dreht: die Förderung von Partizipation in Ganztagsschulen.

Mit uns – Neue Räume

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Die Servicestelle vermittelt in zwei- bis fünftägigen Einsätzen zwei Architektinnen aus Kaiserslautern, die Schulen helfen, ihre Räume neu zu gestalten. Gemeinsam mit Eltern, Schülern, außerschulischen Fachkräften und Partnern werden neue Nutzungs- und Gestaltungskonzepte für schulische Räume und Flächen erarbeitet. Ob Pausenhof, Klassenraum oder Essensangebot – die beiden Fachfrauen verfügen über Erfahrung in der partizipativen Planung und Gestaltung von Räumen und moderieren Entscheidungsprozesse unter Einbeziehung aller Beteiligten.

Mit uns – Neue Ideen

In Kooperation mit der Servicestelle Jugendbeteiligung bietet Jürgen Tramm Ganztagsschulen an, vor Ort, in der Schule mit allen Beteiligten eine mobile Zukunftswerkstatt, nach dem Konzept des Psychotherapeuten Robert Jungk durchzuführen. Die Zukunftswerkstätten werden durch ein Team speziell ausgebildeter Oberstufenschüler betreut. Wünsche und Bedarf nach Veränderung in unterschiedlichen Bereichen werden in den Phasen Kritik, Visionen und Realisierung bewusst gemacht und in realistische Konzepte überführt. „Dieses Angebot ist bisher von Schulen nicht stark nachgefragt worden. Vielleicht liegt es daran, dass der Bezug zum Ganztag nicht unmittelbar deutlich ist“, äußert der 46-Jährige nachdenklich.

Mit uns – Neue Partnerschaft

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Das rheinland-pfälzische Schulprojekt "Videofuzzi" stellt sich auf dem Kongress für Ganztagsschulen 2006 vor.

Einzel- und/oder Gruppengespräche, Mediation und Hospitation kennzeichnen den dritten Schwerpunkt der Agentur. „Das ist ein arbeitsintensives Feld, denn häufig fehlen noch Strukturen in der Kooperation mit außerschulischen Trägern. Oft hat eine Kraft nur zwei Stunden in der Woche am Nachmittag in der Schule zu tun, ist abgeschnitten vom und nicht gut eingebunden in den Gesamtbereich. Es dominiert nach wie vor das additive Modell“, erläutert der Servicemann. Hier setzt die Agentur an, geht in die Schulen, macht eine Bestandsaufnahme, reflektiert Erwartungen, Wünsche, Gegebenheiten, weist auf Risiken und Chancen hin und unterstützt in der Suche nach Neuem. Bei Bedarf wird eine konstruktive Konfliktbearbeitung geboten. Die Durchführung des Angebotes erfolgt in Kooperation mit dem Landesjugendpfarramt der Evangelischen Kirche in Pfalz. Mit Erfolg. „Die Schulen versuchen, Ganztagsklassen zu installieren und die Vorteile der Zeitstrukturmodelle zu nutzen. Eine Schulleiterin berichtete mir: Wir haben unser Lehrerzimmer sofort in Mitarbeitertreff umbenannt. Von einer anderen Schule weiß ich, dass ihr Lehrerzimmer nun Teamraum heißt“, kommentiert der Sozialarbeiter den arbeitsreichen Weg hin zu einem wirklichen Ganztag. Bei den Integrierten Gesamtschulen ist das Ganztagsangebot für alle verbindlich, die Gymnasien sind hingegen immer noch deutlich im Ganztag unterrepräsentiert. Inzwischen gibt es 19 Netzwerke, wo sich Ganztagsschulen auf regionaler Ebene treffen. Ziel für Jürgen Tramm ist es, die beiden unterschiedlichen Systeme, Bildung und Betreuung, Jugendhilfe und Schule zusammenzuführen.

Mit uns – Neue Eltern- und Schülerpower

„Die Elternbeteiligung hat bei uns eine große Tradition. Das geht weit über das Kuchenbacken in Privatschulen hinaus. An fast jeder Schule besteht  heute eine Steuerungsgruppe, in der Eltern mitarbeiten.“ Ist in diesem Bereich denn noch Partizipationsbedarf? „Ja, es gibt natürlich Schulen, da ist die Elternbeteiligung noch unterdurchschnittlich. Hier setzt unser vierter Schwerpunkt an. Wir zeigen Beispiele gelungener Elternarbeit im Ganztagsschulbereich.“ Hierzu werden Gespräche mit Elternbeirat und Schulleitung geführt und Beteiligungsformen aufgezeigt, wie z. B. ein Schulparlament, über die Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und die Eltern gleichberechtigt Schule gestalten können.

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Das Projekt „Schüler arbeiten mit Schülern“ (S.A.M.S.) soll das Engagement von Schülern erhöhen und die Übernahme von Verantwortung fördern. „Wir gehen in die Schulen und bieten Lerncoachausbildungen an. In 30 Unterrichtsstunden werden interessierte Schülerinnen und Schüler zum Coach geschult. Das hat unmittelbar positive Auswirkungen auf das gesamte Umfeld. Die Coachs erwerben Kompetenzen in neuen Lernsituationen, die Ganztagsschüler profitieren von der Arbeit in kleinen Gruppen und individueller Lernbetreuung. Und letztlich leistet die Arbeit der Coachs einen Beitrag zur Profilentwicklung der Ganztagsschule. Dieses von einer Diplom-Psychologin konzipierte Projekt hat Jürgen Tramm bereits an neun Schulen durchführen lassen.


Partizipation (er)leben

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Jürgen Tramm gratuliert den rheinland-pfälzischen Schülern der Gewinnerschule in Berlin

Über den Themenschwerpunkt Partizipation ist die Serviceagentur in Rheinland-Pfalz besonders mit den Serviceagenturen Hessen und Sachsen in einem länderübergreifenden Netzwerk verbunden. Da hilft es auch, räumlich nah beieinander zu sein. Ihn interessieren vor allem die beteiligungsrechtlichen Regelungen in den anderen Bundesländern. „Wir identifizieren unsere eigenen Themen. Über die Werkstätten ergeben sich Schnittstellen, da kann man sich etwas abgucken. Ich halte es für relativ leicht, Innovationen zu übertragen. Zum Beispiel in Sachsen, die haben ein modernes Schulrecht. Ich habe den Referenten in unserem Ministerium darauf aufmerksam gemacht, da sie auch hier an das Schulrecht heran wollen.“

Partizipation und Kooperation sind für den Servicemann „gefühlte Worte“, sind integraler Bestandteil der eigenen Arbeit. Denn mit einer 20-Stundenstelle lässt sich das Angebot der Agentur allein nicht stemmen. Die Einzelberatung vor Ort wird von Netzwerkmoderatoren durchgeführt. Von den Erfahrungen der Moderatoren fließen Anregungen und Modifizierungen in die konzeptionelle Arbeit ein. „Zurzeit baue ich ein Netz von Hospitationsschulen auf. Meine eigentliche Aufgabe besteht im Managen und Prüfen der Angebote. Und deshalb ist die Evaluation für mich wichtig. Das werde ich in diesem Jahr systematisieren. Der Transfer aus dem BLK-Programm „Demokratie lernen und leben“, zu dem ich eine hohe Nähe habe, muss auch gelingen. Überhaupt bekomme ich durch„Ganztägig lernen“  guten Zugang zu anderen Programmen. Ich werde mich demnächst im Rahmen von ‚Ponte’ um die Nutzung der gemeinsamen Partizipationserfahrungen von Kindertagesstätten und Ganztagsgrundschulen kümmern“, umreißt der 46-Jährige gegenwärtige und zukünftige Aufgaben. Sein aufgeräumter Schreibtisch bezeugt das klar definierte Konzept und die strukturierte Arbeitsweise der Agentur. Deren Nutzen für Ganztagsschule definiert er in der Unterstützung aller Akteure, damit Schulen besser funktionieren.

Autor: Cornelia Alban
Datum: 18.01.2007
© www.ganztaegig-lernen.de
 



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Schulentwicklung

 

Schule der zwei Geschwindigkeiten

Eine neue Zeitrechnung ist angebrochen, seit außerschulische Partner die Goethe-Grundschule in Mainz „aufmischen“. Die Goethe-Grundschule hat außerschulische Fachkräfte fest angestellt und bringt seitdem mehr Struktur in den Nachmittag: Mehr Zeit zum Spielen, zum Lernen und zum Heilen. Und gemeinsam mit der Jugendhilfe schickt sich die Ganztagsschule an, sogar Kinder von der Straße zu holen - von Arnd Zickgraf ansehen


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Junge filmen Alte
Die Macht der Medien wird viel beschworen. Wie das Erstellen von Videos zur Brücke zwischen GrundschülerInnen und SeniorInnen werden kann, zeigt das Projekt der Grundschule Hillesheim (Rheinland-Pfalz).

Das Kooperationsbeispiel
„Wenn Junge mit Alten einen Film drehen, dann wird das bestimmt ganz lustig. Die alten Leute haben ja auch schon viel erlebt“, weiß Marvin, 9 Jahre. Die gleichaltrige Lena findet es spannend, „dass die alten Leute beim Interview ganz andere Antworten geben als wir Kinder“. Zusammen mit dem Bildungszentrum BürgerMedien besuchen Marvin, Lena und ihre Mitschüler/innen regelmäßig das Seniorenheim Katharinenstift. Gemeinsam mit den Bewohnern drehen die „Video-Fuzzis“ einen Film, besprechen Inhalte und machen Interviews. Das baut Vorurteile und Berührungsängste zwischen den Generationen ab und gibt den Kindern die Möglichkeit, das faszinierende Medium Fernsehen/Video aktiv kennen zu lernen. Dabei hilft auch die Kooperation mit dem SWR. Die gemeinsame Arbeit macht Spaß und braucht Zeit. So zum Beispiel eine Rhythmisierung, die es erlaubt, Videoschnitt am Vormittag in den Unterricht zu integrieren. Wichtig ist auch der Austausch zwischen Projektleitern und Ganztagsschulkoordinatoren, bei dem die Lehrer/innen ganz andere Seiten der Persönlichkeit ihrer Schüler/innen kennen lernen. Poster


Ganztagsschulportal Rheinland-Pfalz berichtet über den Kongress in Berlin von Arnd Zickgraf

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Ganztagsschule und die Kunst der Veränderung
Ganztagsschule ist offen für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen. Die Anpassung an diese Bedürfnisse ist die Quelle der Veränderung. öffnen