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Gemeinsam mehr bewegen

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Im kleinsten Bundesland Deutschlands ist man besonders „Nah dran!“ am Ganztag. Gerade wegen der Größe kommt man schnell an die wichtigen Schnittstellen heran. Knapp 80 Prozent aller Schulen im Saarland sind Freiwillige – das ist der saarländische Terminus für offene Ganztagsangebote – oder gebundene Ganztagsschulen. Nah dran am Puls der Ganztagsschulbewegung sind auch die Mitarbeiter der Serviceagentur Saarland, Melanie Helm und Hans-Joachim Schmidt. Gemeinsam will das Tandem in die Pedalen treten und viel bewegen. Ein Porträt von Cornelia Alban

Auf Tuchfühlung

Die seit Mai 2006 bestehende Kooperation zwischen dem saarländischen Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) zur Beratung von Ganztagsschulen will mit der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ nicht nur bautechnische Unterstützung bei der räumlichen Ausgestaltung des Ganztagsangebots geben, „sondern vor allem bei der inhaltlichen Ausgestaltung des Nachmittagsangebotes Impulse setzen“, sagt Melanie Helm. Die 30-jährige Erziehungswissenschaftlerin hat sich für diese Aufgabe als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin des BLK-Projektes „KlasseSchule“ im Rahmen des Förderprogramms der Bund-Länder-Kommission Programm "21" am Landesinstitut für Pädagogik und Medien qualifiziert. Ihre Schwerpunkte liegen in Schulentwicklungsberatung, innovativen Lernformen, Evaluation und Kompetenzförderung. „Da gab es beim Start keine Anlaufprobleme, wir kennen uns in der saarländischen Bildungslandschaft aus“, berichtet die quirlige Pädagogin. Mit Rat und Tat ist der Grundschulrektor Hans-Joachim Schmidt dabei. „Schon 1997 hatten wir in meiner Grundschule Ganztag bis 16.00 Uhr.“ Seine Schule, die Grundschule Eiweiler, wurde als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet. Der 56-Jährige hat auch in dem Projekt Transfer-21 mitgearbeitet, und so findet ein eingespieltes Team zusammen. Fehlt nur noch der Trainer, der Coach, der mit dem Glockenschlag der imposanten barocken Ludwigskirche draußen auf dem Platz, das Büro betritt. Bernd Seiwert, Referatsleiter im Ministerium, muss gerade mal einen Treppensprung bewältigen, um den beiden bei kniffligen Fragen beiseite zu stehen. Die Unterstützung ist hautnah fühlbar. „Wenn es Probleme vor Ort gibt, da kann das Ministerium verbindliche Regeln und Grenzen setzen“, lautet der verschmitzte Kommentar des Ministerialen.

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Einen wesentlichen Impuls für die Ganztagsschulentwicklung im Saarland hat das Bundesinvestitionsprogramm „Zukunft, Bildung und Betreuung“ (IZBB) gesetzt. „Das hat der Entwicklung zum Ganztag einen enormen Schub gegeben. Auch, wenn wir die Mittel heute stärker konzentrieren müssen“, berichtet Bernd Seiwert.

Schnuppern erwünscht

Am Anfang hatte für das Team das Bekanntmachen des Angebotes der regionalen Serviceagentur oberste Priorität. Die beiden ließen es nicht bei Anfragen bewenden, sondern machten Vor-Ort-Besuche und gingen initiativ auf Schulen zu. Als guter Anknüpfungspunkt erwies sich wiederum das IZBB, das nach der Frage der räumlichen Ausgestaltung auch die inhaltliche Ausfüllung des Ganztagsangebotes beinhaltet. „Da gucken wir nach, ob durch den Umbau auch eine Verzahnung mit dem nachmittäglichen Betreuungsangebot gelingt. Vor Ort sehen wir viel guten Willen. In Schulen, deren Schulleitungen sich bemühen, klappt es besonders gut“, berichtet Hans-Joachim Schmidt. Das Ziel der Serviceagentur ist es, ganztägige Bildungsangebote zu entwickeln, bereits bestehende auszubauen und qualitativ zu verbessern. „Das heißt, gute Praxisbeispiele zu lokalisieren, Vernetzung und Erfahrungsaustausch zu organisieren, Qualifizierungsangebote zu machen und Schulen konkret vor Ort zu beraten“, erläutet Melanie Helm. „Dabei sind uns ganzheitliche Schulentwicklungsprozesse wichtig“, ergänzt ihr Kollege.

Die Auftaktveranstaltung der Servicestelle im November 2006 fand große Resonanz. 150 Teilnehmer konnte das kleine Bundesland verbuchen. Hier präsentierte das Team seine „Schnupperkurse“. In den Schnupperkursen stellen Multiplikatoren der Serviceagentur interessante Lernangebote zu sieben Themenbereichen von Körper und Gesundheit über Naturwissenschaften/Technik bis hin zu Kunst und Kultur vor. „Unsere Multiplikatoren sind Experten, das ist eine bunte Truppe. Das reicht von der Feng-Shui-Ausbilderin, der Bibliothekarin bis zu pensionierten Lehrern. Sogar einen Philosophen haben wir dabei“, beschreibt Hans-Joachim Schmidt das 14-köpfige Expertenteam, das von der Agentur für diese Aufgabe ausgesucht und geschult wird. Mit diesem Angebot sollen attraktive und kompetenzfördernde Möglichkeiten zur Gestaltung der Nachmittagsbetreuung aufgezeigt werden. Neben der Teilnahme der Kinder ist ausdrücklich auch die des Personals in der Nachmittagsbetreuung als auch der im Ganztag arbeitenden Lehrer erwünscht. Damit diese sich vom Angebot inspirieren und es in ihre eigene pädagogische Arbeit einfließen lassen. Bei entsprechendem Bedarf sind künftig auch Fortbildungen zu den Kursen geplant. So dass die Multiplikatoren irgendwann mal überflüssig werden? „Vielleicht nicht ganz so krass, schließlich entwickeln sich ja auch die Experten durch die Arbeit mit Schulen weiter, nehmen weitere Bedarfe auf. Aber wir wollen schon, dass die Anregungen nachhaltig in der Schule bleiben und Hilfe zur Selbsthilfe geben“, präzisiert die 30-jährige Pädagogin. Nachhaltigkeit ist eines ihrer Lieblingsworte und die meint sie durchaus ernst.

Gemeinsam machen wir uns stärker
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Und das gilt nicht nur für das Team in seiner Kooperation mit dem Ministerium. Da profitieren beide Seiten von den kurzen Wegen, den Schnittstellen und Absprachen.
Im bundesweiten Ganztagsschulwettbewerb der DKJS und des Bundes „Zeigt her Eure Schule“ kassierte die saarländische Gesamtschule Bexbach von 400 Bewerbern den ersten Preis. Über 20 Kooperationen konnte die Schule in ihrem Bewerbungsheft für den Wettbewerb notieren. Auch hier ist die Größe des Saarlandes von Vorteil. „Wir sind ein armes Land und gewöhnt, mit wenig viel zu machen, Ressourcen zu mobilisieren. Da hilft uns auch die Programmvielfalt. Mit dem IZBB sind wir in die Fläche gegangen und haben an 200 Schulen was gemacht“, dokumentiert Bernd Seiwert die Erfolge im Ganztag. „Wir haben viele freiwillige Initiativen. Das Nachmittagsangebot wird unter großer Beteiligung – fast 80 Prozent – der Jugendhilfe und freier Träger gestaltet, in den Horten läuft das fast nur über die Jugendhilfe. Bei den Bexbachern brachte das Umweltengagement viele Kooperationen und ihre Teilnahme im Projekt KlasseSchuleTransfer-21“, ergänzt Hans-Joachim Schmidt.

Ein armes Land mit vielen Kooperationen, also alles kein Problem? „ Das ist nicht überall so“, befindet Melanie Helm. „Wir haben auch Baustellen, da wissen die Schulen nicht, welche Kooperationen möglich sind oder wie sie zu bewerkstelligen sind. Und es gibt nach wie vor die Kluft zwischen Vormittags- und Nachmittagsangebot, die unterschiedlichen Kulturen, Systeme: Lehrkräfte und Jugendhilfe, Rhythmisierung. Die Treffen der Träger wollen wir regionalisieren, damit es nicht immer solche Elefantentreffen sind, und die kleineren Kooperationspartner vor Ort zu Worte kommen.“ Jetzt kommt die Diskussion der drei so richtig in Schwung. „Viele Lehrer wissen nicht, was nach 12.30 Uhr an ihrer Schule läuft. Die meinen, sich nicht kümmern zu müssen, wenn am Nachmittag etwas wegen Krankheit ausfällt. Da muss man mal deutlich machen, dass für Vertretung zu sorgen ist“, betont Bernd Seiwert schwungvoll. Da glaubt man sofort, dass der ministeriale Arm für weniger Lässigkeit sorgt.

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Melanie Helm und ihr Partner setzen auf Schul-Tandems. Sie wollen die Tandemarbeit zwischen Schulen beraten und unterstützen und die Entwicklung, Erprobung und Dokumentation guter Ganztagsschulkonzepte begleiten. Fünf Tandems haben sie für 2007 ins Visier genommen. „Bei der Vermittlung von Kooperationspartnern geht es schließlich um Schulqualität, -entwicklung und – na, was wohl – Nachhaltigkeit“, fügt Melanie Helm hinzu.

Zukunft – (Fort-)Bildung

Ab dem Schuljahr 2007/2008 bietet die Agentur in Kooperation mit dem Landesinstitut für Fortbildung ein zweijähriges modulares Fortbildungsangebot für die Beschäftigten der Freiwilligen Ganztagsschule mit abschließendem Zertifikat an. Neben Basiswissen – Entwicklungspsychologie, Methodik, Didaktik – werden Organisationswissen, Möglichkeiten zu Kooperation und Kommunikation und Gestaltung der Hausaufgabenzeit Thema sein. Die teilnehmenden Lehrkräfte werden circa 180 Stunden in 16 verschiedenen Veranstaltungen die Schulbank drücken und ihren Schülern nachfühlen können, wie sich das anfühlt: beinhart. Ist das nötig, macht denn da jemand mit? Nötig schon, da es im saarländischen Schulwesen eine recht hohe Anzahl gering qualifizierter Beschäftigter gibt. Und die Erfahrungen aus den freiwilligen Lernforen am Samstag zeigen dem Team den Weg, dass viele bereit sind mitzumachen.

Und in eigener Sache? Da partizipiert Agentur von dem themenbezogenen Austausch mit den Kollegen. „Wir kennen noch nicht alles“, bekennt Melanie Helm. Das ist auch nicht verwunderlich, nach sieben Monaten Arbeit, gefüllt – wie bei jeder anderen Agentur – mit dem Alltagsgeschäft: Telefon, Besuche vor Ort, Beratung mit Trägern, Partnern, mit Landesministerien und Instituten. „Und nun ja, dem Verwaltungskram.“

Armes, kleines Saarland?

Beileibe nicht. Die Schwäche ist die Stärke. Aber nicht immer, der gute ministeriale Kontakt drückt manchmal. Sei es beim Postweg oder der Öffentlichkeitsarbeit. Und bei den Ressourcen. Eine Aufstockung der Personalkapazitäten in Sachen Ganztag steht ganz oben auf der Agenda. Sie sind euphorisch gestartet, haben große Ziele und vieles geschafft. Aber zwei halbe Stellen ergeben immer nur eine ganze. Da wäre doch mehr angebracht. Nachhaltig.

Autorin: Dr. Cornelia Alban
Fotos: Dr. Cornelia Alban
Datum: 15.02.2007
© www.ganztaegig-lernen.de

 



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Serviceagentur Saarland: Gemeinsam mehr bewegen
"Gemeinsam bewegen wir mehr!"


Mit dieser Überzeugung präsentierte sich die Regionale Serviceagentur Saarland auf ihrem Lernforum Freiwillige Ganztagsschule "Ideen für mehr! – Entwicklung, Organisation und Verzahnung in Schulen" am 11. November 2006 in der Europäischen Akademie Otzenhausen. von Ralf Augsburg öffnen

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Das Kooperationsbeispiel
Ein alter Gasherd steht neben einem Haus. Klarer Fall für die Mülldetektive. Ausgerüstet mit Digitalkamera durchkämmen sie gemeinsam mit dem städtischen Ordnungsamt und der Jugendpflege das Bexbacher Stadtgebiet. Es ist eins von mehreren Umweltschutzprojekten, die die Gesamtschule Bexbach initiiert hat. Außerdem engagiert sie sich in einem Hilfsprojekt für Tsunami-Opfer, pflegt freundschaftliche Beziehungen zu Schulen in Polen und Frankreich und stellt kulturelle Projekte wie Trommelgruppe oder ein Märchenfestival auf die Beine. Weil Schüler/innen im Unterricht eigeninitiativ zusammenarbeiten sollen, sind viele Projekte fest in den Unterricht integriert, aber auch die praktische Arbeit an außerschulischen Lernorten kommt nicht zu kurz. Und überhaupt spielen die SchülerInnen bei der Gestaltung des Schullebens eine wichtige Rolle. So schafft es die Gesamtschule Bexbach, mit zielstrebigem Vorgehen, klaren Vereinbarungen und einem riesiges Vertrauen in die Neugierde, das Engagement und die Fähigkeiten ihrer Schüler/innen, die vielfältigen Kooperationsprojekte zu realisieren und für jede/n ein passendes Angebot zu finden. Poster