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Ganztag zwischen den Meeren

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Zwischen den Meeren liegt das nördlichste Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Der raue Wind der Westküste und das mildere Klima der Ostküste sorgen auch im bildungspolitischen Dialog für eine frische Brise. Die Regionale Serviceagentur Schleswig-Holstein will Ganztagsschulen helfen, ihren eigenen Standort zu überprüfen – und von anderen zu lernen. Ein Porträt von Cornelia Alban

„Schulische Innovationen brauchen neben dem allgemeinen bildungspolitischen Klima auch ihr ganz spezifisches regionales und lokales Mikroklima, um sich gut zu entwickeln. Sie verlaufen deshalb an der Westküste oft anders als beispielsweise an der Ostküste, im Hamburger Speckgürtel anders als im Herzogtum Lauenburg“, meint Henning Braband, Mitarbeiter der Agentur. In ländlich strukturierten Kreisen ist der Bedarf an und die Akzeptanz von Ganztagsangeboten noch nicht so ausgeprägt wie in den Ballungsregionen. Den Unterschieden und gemeinsamen Anliegen der Schulen auf der Spur hat sich die Serviceagentur seit August 2005 auf den Weg gemacht und herausgefunden, „dass Ganztagsangebote Kommunen einfach attraktiver machen“. Über die Hälfte aller Hauptschulen in Schleswig-Holstein sind inzwischen Offene Ganztagsschulen, Tendenz steigend. Das ist verglichen mit anderen Bundesländern ein sehr hoher Anteil. Offene Ganztagsschule in Schleswig-Holstein zu sein, das heißt, an mindestens drei Tagen mit sieben Zeitstunden den Ganztag zu organisieren und für ein Mittagsangebot zu sorgen. Für die Schülerinnen und Schüler ist die Teilnahme freiwillig und nur für ein Jahr bindend. Das sind schwierige Bedingungen, um Kontinuität und Nachhaltigkeit von Ganztagsangeboten zu sichern. Hinzu kommt, dass die Angebote nicht allein aus Mitteln der Kommunen zu bestreiten sind und finanzielle Ressourcen mobilisiert werden müssen.

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Eine starke Mischung

Das Team der Serviceagentur besteht aus einer Sozialpädagogin, einer Sozialwissenschaftlerin, einem Diplom-Psychologen, einem Sonderpädagogen und einer Grundschullehrerin. Gleich zwei Ministerien, das Ministerium für Bildung und Frauen und das für Soziales und Jugend, tragen neben der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung dieses Kooperationsprojekt. „Die landespolitische Unterstützung durch zwei Ministerien ist für uns ein unschlagbarer Vorteil“, meint Maren Wichmann. „Wir werden oft schon im Vorfeld an bildungspolitischen Vorhaben beteiligt. Unsere Arbeit wird hoch geschätzt und hat eine gute Öffentlichkeit.“ Die ehemalige Bundessprecherin der Gleichstellungsbeauftragten weiß um den Nutzen landesweiter Netzwerke. Die Ansiedlung beim Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) bringt weitere Synergieeffekte. Für den Diplom-Psychologen Henning Braband ist sein Engagement  bei der regionalen Serviceagentur „eine konsequente Fortsetzung bisheriger Beratungsarbeit. Wir haben uns schon früh am Institut für Qualitätsentwicklung mit Fragen der Ganztagsschule beschäftigt.“

Kooperation gestalten – Qualität entwickeln

Unter diesem Motto stand die erste landesweite Fachtagung der regionalen Serviceagentur am 08. November 2006. Der Titel ist gleichzeitig Programm der Serviceagentur. Das Team freute sich über die große Resonanz und das Engagement der 350 Teilnehmer. Besonderen Zulauf fanden Themen rund um die Organisation von selbstverantwortlichem Lernen, individueller Förderung, Auswahl und Qualifizierung der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese Bereiche prägen zugleich die Arbeit. Fortbildung und Qualifizierung sind ein wichtiges Anliegen der Agentur. Daher bietet die Serviceagentur Kurse für pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Nachmittagsbereich, Multiplikatorentraining für die Anbahnung von Kooperationen und Entwicklung und Organisation von Ganztagsschulen an. „Es gibt immer noch Vorurteile zwischen Schule und Sozialarbeit zu überwinden. Ganztagsschule meint mehr als vormittags Bildung, Mittagessen, nachmittags Sozialarbeit“, engagiert sich Henning Braband. Kennzeichnend sei die Rückmeldung eines Schulleiters, der die Tagung besuchte: „Wichtig ist es, sich selbst und den eigenen Standort zu überprüfen.“ Und „für Schulen ist es neu, Verträge machen zu müssen“. Deshalb müssen auch Pädagoginnen und Pädagogen umdenken und sich neue Arbeitsfelder erschließen.

Das schleswig-holsteinische Team sieht eine wichtige Aufgabe in der Beratung und Begleitung von Schulen zum Ganztag. „Wir können und wollen den Schulen jedoch nicht die Verantwortung abnehmen.“ Impulse und Unterstützung werden durch Best-Practice-Beispiele gegeben. Hier ist die Agentur dabei, ein System von Referenzschulen aufzubauen. Mit Referenzschulen ist mehr angedacht als mit den sogenannten Leuchtturmschulen. „Referenzschulen sollen anregen, sie sind kompetent und tragen Inhalte und Strukturen weiter, aber nehmen sich auch selbst ein Stück in den Blick“, erläutert Henning Braband. Die Frage nach dem Mehrwert der Regionalen Serviceagentur für die Ganztagsschulen vor Ort löst verdutztes Schweigen aus. „Das ist doch ganz selbstverständlich. Die Aktivitäten für den Ganztag, die brauchen einfach eine Agentur“, berichtet Maren Wichmann selbstbewusst von den Erfolgen der Arbeit.

Wie kann der Funke überspringen?

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Manchmal sind Eigeninitiative und Engagement allein nicht genug, um die Herausforderung Ganztagsschule zu stemmen. Schließlich müssen nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitung, Eltern und Schüler überzeugt werden. Ein pädagogisches Konzept, verbindliche Absprachen nach innen wie nach außen markieren Meilensteine. Hier haben sich regionale Fachforen und Workshops bewährt und etabliert. Die Öffnung in den Sozialraum ist für die Nordlichter integraler Bestandteil der Arbeit. Verankerung, Rhythmisierung, Qualität und Kooperation erfordern multiprofessionelle Zusammenarbeit nicht nur vor Ort, sondern auch über Ländergrenzen hinweg. Wichtig findet Maren Wichmann den Austausch mit den anderen Serviceagenturen. „Das tut gut, die Solidarität derer zu erleben, die sich auch auf den Weg gemacht haben. Das spüren wir im Lande auch. Trotz unterschiedlicher Bedingungen teilen wir die gleichen Grundannahmen, fragen uns, wie bauen wir Vernetzungsstrukturen auf oder diskutieren, wie wir es schaffen können, dass Schulen noch mehr Verantwortung übernehmen.“ Da funkt und blitzt es im Raum, trotz der späten Nachmittagsstunde. Denn noch eins hat das Team zwischen den Meeren mit den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern gemein: Gearbeitet wird am Tage, die Visionen kehren mit dem Dämmerlicht ein.

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Maren Wichmann (Mitte) auf dem Berliner Ganztagsschulkongress 2006

Den ganzen Tag – Ganztag

Der Alltag ist ein verbindendes Glied der bundesweiten emsigen Suche nach Lösungen für den Ganztag. To-do-Listen, E-Mail-Abfragen, pausenlose Telefonate am Vormittag, nachmittags Termine mit Schulen, Ministerien und Kooperationspartnern, wenn dann noch Luft ist, konzeptionelles Arbeiten. Alle zwei Wochen gibt es eine größere Teambesprechung. „Wir arbeiten patchworkmäßig und es besteht die Gefahr, dass die Tage sich zerstückeln. Das ist ein Spagat, ein hohes Maß an Präsenz zu entwickeln und aufzupassen, dass wir uns nicht selbst überfordern. Wir können uns keine Fehler leisten. Dazu stehen wir zu sehr in der Öffentlichkeit“, lautet das selbstkritische Resümee. „Wir haben am Anfang das gemacht, was abgefragt wurde. Das konzeptionelle Arbeiten ist manchmal etwas in den Hintergrund geraten. Man muss lernen, auch einmal Nein zu sagen.“ Das glaubt man den entschlossenen Gesichtern nicht ganz – wenn es um Ganztagsschule geht.

Macht der Norden Schule?

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Für die Zukunft hat das Team Pläne und Visionen. Große Impulse erhoffen sie sich von der Gemeinschaftsschule, die mit dem neuen Schulgesetz auf den Weg gebracht wird. In dieser können Schülerinnen und Schüler den Hauptschulabschluss, den Mittleren Abschluss oder den Übergang zur gymnasialen Oberstufe erreichen. Und das Schönste daran, alle Gemeinschaftsschulen werden Ganztagsschulen sein. Das kann zu einer enormen qualitativen und quantitativen Ausweitung des Ganztagsschulangebotes führen, auch wenn dabei neue Empfindlichkeiten, die sich aus der Veränderung des Schulsystems ergeben, für Zündstoff sorgen könnten. Doch Bangemachen gilt nicht, schon gar nicht, weil die Agentur gerade mit Bundes- und Landesmitteln eine Verdreichfachung ihrer bisherigen Kapazitäten erreichen konnte.

„Studienreisen nach Dänemark, wegen des Schulsystems, und nach Schweden, wegen der Ideen, der stärkere Dialog mit Skandinavien“, stehen ganz oben auf dem Wunschzettel der 45-jährigen Sozialwissenschaftlerin. Ihr Kollege setzt sich für die Autonomie von Schulen ein. Denn „Demokratisierung ist nicht nur für den Ganztag, eine Chance, Prozesse nicht nur zu beschreiben, sondern lebendig zu gestalten.“

Hier oben im Norden, zwischen den Meeren, spürt man die kräftige Brise, die den Ganztag bewegt.

Autorin: Dr. Cornelia Alban
Fotos: Schweder/Chiussi
Datum: 15.02.2007
© www.ganztaegig-lernen.de

 



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Zehnte Serviceagentur eröffnet
Seit dem 16. August 2005 steht nun auch den Ganztagsschulen in Schleswig-Holstein eine Regionale Serviceagentur mit Rat und Tat zur Seite. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellten sich bei der feierlichen Eröffnung in der Ellerbeker Grundschule in Kiel den zahlreich erschienenen Interessierten vor. öffnen