Umgang mit Migranten

„Die können einfach nicht gut genug Deutsch!“ Diese Feststellung kennzeichnet in Lehreraussagen häufig grob die Gründe für die schulischen Probleme von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund.Wichtig ist es, diese Schülerinnen und Schüler zunächst als „Normalfall“ im Schulsystem zu begreifen statt als „Problemfall“. Die Fähigkeiten und auch Schwierigkeiten dieser Gruppe von Schülerinnen und Schülern bewusst und kompetent wahrzunehmen ist ein wichtiger Schritt bei ihrer Förderung.
Integration ist viel mehr als Sprachförderung, aber sie beginnt mit ihr.Beobachtungskompetenz zu stärken bedeutet, nicht primär die sprachlichen Defizite wahrzunehmen, sondern den Sprachstand der Schülerinnen und Schüler und ihre Kompetenzen in ihrer Erstsprache (oder ihren Erstsprachen) und in Deutsch als ein komplexes System von Stärken und Schwächen zu sehen.
Entscheidend ist aber für jede Form von Förderung die kompetente und adäquate Wahrnehmung der Lernsituation dieser Schülerinnen und Schüler. Eine Beobachtungskompetenz der Lehrerinnen und Lehrer benötigt im Vorfeld unbedingt Kenntnisse über das Lernen von Erstsprachen und Deutsch, einige Kenntnisse über die Struktur von „Schulsprache“, der Sprache, die über den Bildungserfolg in schulischen Zusammenhängen mündlich und schriftlich entscheidet, strukturelle Eigenschaften der deutschen Sprache und kontrastiv dazu Kenntnisse über die Eigenschaften der häufigsten Migrantensprachen.
Wichtig ist auch, sich deutlich zu machen, in welcher sprachlichen Lebenssituation Menschen sind, die mit einer oder auch schon weiteren Sprachen zuhause leben und dann in Deutsch ihre Ausbildung absolvieren. Die individuellen „Sprachenkompetenzen“ der Schülerinnen und Schüler sind oft so vielfältig wie ihre Lebenswege, Familiensituationen und Faktoren im Umfeld. Für die konkrete Arbeit in der Schule oder noch im Kindergarten bedeutet das oft die Suche nach geeignetem Material für die Sprachstandsfeststellung.

Die bruchlose Gestaltung von Lernbiografien von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund wird seit einiger Zeit in ihrer Bedeutung erkannt und es werden Anstrengungen unternommen, für Schülerinnen und Schüler einen möglichst bruchlosen Verlauf ihrer Bildungswege sicher zu stellen. Derzeit gibt es keine festgelegte Dokumentationsform für die sprachliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Sicher ist, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund eine konsequente, kompetente und möglichst durchgehend konzipierte Unterstützung im Bereich der Sprache benötigen. Dabei müssen die verschiedenen Stationen auf ihrem Bildungsweg von der Elementarerziehung bis zur Berufsbildung möglichst aufeinander bezogen sein und aufeinander aufbauen.
Für jede einzelne Schule muss über die Entwicklung eines langfristigen, konsequenten und kompetenten Förderkonzeptes die Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund abgesichert werden. Dabei gibt es leider kein Förderkonzept, das für alle Schulen passend wäre, da sich die Schulen deutlich in ihrer Schülerschaft, ihren Ressourcen, ihren organisatorischen Bedingungen und den vereinbarten Verbindlichkeiten unterscheiden. Entsprechend müssen Sprachförderkonzepte unterschiedlich entwickelt werden. Hierfür wird Zeit benötigt und es ist von einem Lernweg auszugehen, den jede Schule als lernende Institution zurücklegen muss. Unterstützung und Fortbildung sind dazu unbedingt notwendig. Außerschulische Kooperationspartner vor Ort können einen Beitrag dazu leisten.
Um die Wirksamkeit von Förderkonzepten für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu überprüfen, stellt der Erlass für die Zuweisung von Integrationsstellen Anforderungen an die Schulen. Zunächst sollen dazu im Rahmen der Schulstatistik Daten gesammelt und ausgewertet werden, die einen ersten Einblick in die Wirksamkeit von Förderkonzepten ermöglichen. Sprachstandsfeststellungen können wiederholt durchgeführt werden und so individuelle Lernfortschritte sichtbar machen. Hilfreich kann hierbei die Begleitung der der Schülerinnen und Schüler durch das Führen eines Sprachenportfolios sein, in dem individuell Lernfortschritte verfolgt und dokumentiert werden.
Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen hat zahlreiche Hinweise zusammengestellt. öffnen
Datum: 22.02.2007 © www.ganztaegig-lernen.de
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