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Fragen an den Reformpädagogen Otto Herz 

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von Viktoria Schmidt

Wie gut funktioniert das derzeitige Schulsystem in Deutschland ihrer Meinung nach?

Meine kürzeste Formulierung heisst: Wir haben eine falsche Schulkultur und eine falsche Schulstruktur. Wir haben eher eine Misstrauenskultur als eine Vertrauenskultur. Schulkultur und Schulstruktur hängen grundlegend miteinander zusammen und wer behauptet man könne das eine  vom anderen trennen, begeht einen systematischen Fehler. Wenn man Kinder im frühen Alter , in der Regel im Alter von 10 Jahren auf ungleichwertige Schulformen aufteilt, dann verhindert man das Zusammenleben und das Zusammenlernen der gesamten gesellschaftlichen Breite und dieses setzt sich in allen Einrichtungen nochmals fort. Wir haben eine Kultur der Selektion als eine Kultur der Integration, wir haben eher eine Defizitorientierung als eine Schatzsucherhaltung und schauen mehr auf die Schwächen als auf die Stärken der einzelnen Personen. Die Schulen lasten den Kindern  und Jugendlichen an was sie nicht können,  anstatt sich zu fragen, wie müssen wir uns ändern um alle zum Erfolg zu bringen.

Ihre Situationsbeschreibung zeigt viele Mängel auf. Wie kann man es ihrer Meinung nach ändern?

Veränderungen beginnen mit dem Denken. Diese Gesellschaft wird noch einsehen, dass es für sie nicht vorteilhaft ist, wenn man Außenseiter produziert. Das ist teuer für eine Gesellschaft, individuell und gesellschaftlich. In der Konkurrenz der Weltgesellschaften sind die an der Spitze, die sagen, wir können auf niemanden verzichten, wir lassen niemanden zurück, wir gliedern niemanden aus, sondern wir werden im gesamten gesellschaftlichen Herausforderungsfeld für alle Personen sinnvolle nützliche Aufgaben finden und wir wollen die Personen stärken und sie nicht mies machen. Daraus entwächst mehr Potenzial für die Weiterentwicklung der Gesellschaft, sowohl ökonomisch als auch demokratisch.

Was sind die konkreten Aufgaben für die Schüler, Lehrer und Eltern?

Meine Position ist die: Die moderne Schule ist eine Verantwortungsgemeinschaft von mindestens vier Personengruppen: Den Schülern, den Eltern, den  Pädagogen und von Partnern des Gemeinwesens, auch Abnehmer genannt. Diese vier Gruppen müssen sich gemeinsam überlegen, was sind die wichtigen Dinge die die Gesellschaft erfordert und wie wollen wir uns aufeinander abstimmen, dass wir diese Bedürfnisse erfüllen können. Doch die meisten Veränderungen können die Schüler selbst herbeiführen, indem sie sich zu Wort melden und selbst die Dinge in die Hand nehmen, denn sie sind die Generation der Zukunft.

Ein Zitat von Ihnen lautet „Veränderungen kommen leider erst nachdem Katastrophen eingetreten sind“. Wie sieht solche eine Katastrophe in einem Schulsystem aus und wann könnte sie eintreten?

Dass Personen, die  nach Deutschland kamen als es zu wenige Arbeitskräfte gab, dass diese  Personen und ihre Kinder in der zweiten und dritten Generation systematisch benachteiligt sind- das ist eine Katastrophe. Dass wir da heute nicht alles dafür tun, um zu einem produktiven Umgang der Kulturen miteinander unter Wahrung der produktiven Unterschiedlichkeit und kulturellen Tradition ist eine Katastrophe. Der Friede der Welt im 21 Jahrhundert hängt davon ab ob wir es lernen mit der Vielfalt  der Kulturen umzugehen.

Ich danke Ihnen für das Gespräch!
Das Interview fand auf dem Schülerkongress basis o7 statt.

Der Schülerkongress basis o7

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Vom 2. – 4. März 2007 veranstaltete die Landesschülervertretung Bayern (LSV) den Schülerkongress basis`07 und erwartet etwa 800 Schülerinnen und Schüler aller Schularten aus ganz Bayern. Er richtet sich an Jugendliche, die bereits in einer Schülervertretung (SV) oder ähnlichem aktiv sind oder es werden wollen. Der Kongress steht unter dem Motto „Wir hinterlassen Spuren ... auf dem Weg zur Chancengleichheit“. Es ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler zusammenkommen, um über ihre Interessen zu diskutieren und ihre Rechte einzufordern. Denn obwohl sie als direkt Betroffene des Bildungssystems jeden Tag erleben, was falsch läuft und was verändert werden müsste, werden sie selten gehört. Deshalb brauchen Schülerinnen und Schüler ein Forum, um sich auszutauschen und zu vernetzen, Kompetenzen zu erwerben und Informationen zu erlangen, die es ihnen ermöglichen, ihre Schule und ihr Umfeld aktiv mitzugestalten.

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Datum:
21.03.2007
© www.ganztaegig-lernen.de



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Schulentwicklung

 

 

Otto Herz
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