Argumente für die Ganztagsschule
Annette Schavan
Mit dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) unterstützt der Bund eine Entwicklung, die in den Ländern gestartet wurde. Durch den bedarfsgerechten Ausbau von Ganztagsschulen wird – dem internationalen Vorbild folgend – eine wichtige Voraussetzung für die notwendige Verbesserung der Bildung in Deutschland geschaffen. Ganztagsschulen sind in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. öffnen
Raingard Knauer und Benedikt Sturzenhecker
Der allgemeine Anspruch auf Partizipation von Jugendlichen bezieht sich im Prinzip auf alle Lebensfelder von Jugendlichen: also Familie, Ausbildung/Schule, Beruf, Freizeit und Konsummarkt, Jugendhilfe, Politik, Vereine, etc. Bisher hat sich die Konzipierung von Jugend-Partizipation allerdings besonders auf die Felder Pädagogik (insbesondere Schule und Jugendhilfe) und Politik (insbesondere die Kommunalpolitik) bezogen. Diese Felder stellen auch den Hintergrund der Argumentation dieses Textes dar, obschon der allgemeine Partizipationsanspruch von Jugendlichen damit nicht aufgegeben oder reduziert wird.
Wolfgang Edelstein
Nichts kann doch natürlicher und selbstverständlicher sein als die Lebenswelt – die gesellschaftliche Umwelt, in der das Leben von Kindern und Jugendlichen sich entfaltet. Braucht man dafür Projekte, die in diese gleichsam natürliche Lebenswelt eingreifen? Ja, die brauchen wir tatsächlich. öffnen
Hans Brügelmann
Ist die Art und Weise, wie Schule gemacht wird, überhaupt legitim? Ist sie verträglich mit demokratischen Prinzipien des Umgangs miteinander, also auch der älteren mit der jüngeren Generation? Das Kunststück für heutige Pädagogen besteht darin, Lernumgebungen zu schaffen, die als Angebot einladen, herausfordern, anregen, denn der Blick wurde eingeengt auf die Effektivität des Fachunterrichts; andere Dimensionen wie Sozialverhalten, politische Einstellungen und die Fähigkeit, an demokratischen Entscheidungsprozessen interessiert und erfolgreich teilzunehmen, gerieten in den Hintergrund. öffnen
Thomas Coelen
"Die ‚Demokratieträgheit’ der Ganztagsschule liegt m. E. – um dies schon einmal vorwegzunehmen – an den systematischen Demokratiedefiziten der Schule generell. Und diese lassen sich nicht durch eine Ausweitung auf den ‚ganzen’ Tag überwinden – allenfalls möglicherweise durch ein alternatives Konzept, z. B. das der „Ganztagsbildung“ " öffnen
Herbert Gudjons
Der Projektunterricht hat dort seine Grenzen, wo andere Unterrichtsformen ihren berechtigten Stellenwert haben. Während der traditionelle Fachunterricht sich bisweilen dünkt, alles vermitteln zu können, sich also für geradezu „grenzenlos“ hält, ist der Projektunterricht bescheidener. Lernen durch eigene Erfahrungen ist gut; die Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse und der erworbenen Erfahrungen in den vorhandenen Wissensbestand eines Fachbereiches ist aber ebenso notwendig wie Üben und Trainieren von Fertigkeiten. öffnen
Isabel Pfeiffer-Poensgen
Kultur vermittelt sich nicht von selbst – dafür sind die Formen und Zusammenhänge, die sich in der Kunst zum Teil in Jahrhunderten entwickelt haben, zu komplex. Kinder müssen Kultur trainieren und auf der spannenden Entdeckungsreise zu Kunst und Kultur an die Hand genommen werden. öffnen
Reiner Hildebrandt-Stramann
Der Schultag ist für Kinder und Jugendliche immer eine bedeutsame Lebenssituation, zumal dann, wenn er sich über den ganzen Tag erstreckt. Diese Lebenssituation ist zudem die einzige, auf deren erzieherische Qualität Lehrerinnen und Lehrer nahezu ungehindert Einfluss nehmen können. Ein Schultag ist dann ein Gefüge aus Lernsituationen und Lerngelegenheiten, bei denen Zeiten mit hohen Konzentrationsanforderungen altersgemäß sinnvoll wechseln mit solchen der Entspannung. öffnen
Karlheinz Timm
Kinder und Jugendliche benötigen und zwar auch in der Schule Achtung und Zuwendung, Reibung und Herausforderung in der Begegnung. Sie sind angewiesen auf Sicherheit, auch Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten. Überall, wo junge Menschen zusammen sind, suchen sie informelle Kontaktgelegenheiten, nicht zuletzt zwecks Selbstdarstellung. Sie wollen neue Erfahrungen, auch, um sich selbst zu erproben und sich die Welt experimentell anzueignen. Sehnsüchte nach Wirksamkeit, Erfolgen und Anerkennung sind gekoppelt an reale Bedürfnisse, Verantwortung zu übernehmen, gebraucht zu werden, nützlich zu sein. öffnen
Eckhard Klieme
Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin ergab, dass durch ein umfassendes Betreuungsangebot von Kindern diese Disparitäten erheblich ausgeglichen werden könnten. So konnte beispielsweise ein Zusammenhang zwischen der Intensität der Kinderbetreuung und der Erwerbsbeteiligung von Müttern nachgewiesen werden. lesen
Heinz Günter Holtappels
Die Ganztagsschulentwicklung gerät in die „Ausbau-Qualitäts-Falle“, zumal einheitliche Qualitätsstandards nicht einmal innerhalb der meisten Länder in Sicht sind. Druck und Tempo hinsichtlich eines quantitativen Ausbaus von Ganztagsplätzen könnte am Ende den Weg für eine echte Ganztagsschule für alle Schülerinnen und Schüler behindern, wenn nicht bald Standards greifen, die Beliebigkeit und instabile Organisationsformen in die Schranken weisen. lesen
Peter Fauser und Herman Veith
Der Begriff des ästhetischen Lernens akzentuiert die sinnliche Dimension der Aneignung und Vergegenständlichung. In der menschlichen Sinnesausstattung sind jedoch nur die Grundmodalitäten der gegenständlichen Wahrnehmung festgelegt. Was muss sich daran anschließen? lesen
Wolfgang Edelstein
Befunde der Sozialforschung über Kindheit und Jugend in Deutschland legen eine Erweiterung des Selbstverständnisses der Bildungspolitik nahe, aus der pädagogische Strategien folgen, die ihrerseits strukturelle Implikationen haben. „Bedarfsgerechte Förderung“ galt auch bisher als ein Leitprinzip bildungspolitischer Ansprüche an die Schule, lag aber auch dem Verständnis der sozialen Arbeit zugrunde. Dabei meint „Förderung“ vor allem die Kompensation von Defiziten. lesen
Gabriele Bellenberg
Integrative Schulsysteme bringen im Vergleich zu gegliederten geringere Leistungsstreuungen zwischen den Schülern unterschiedlicher Schichten hervor. Wir wissen, dass alle Bildungssysteme soziale Ungleichheit im Bildungserwerb produzieren. Aber das Ausmaß, in dem sie das tun, fällt unterschiedlich aus. Thesen zu einem sozial gerechteren Schulsystem in Deutschland Welche Wege es gibt zu einem sozial gerechteren Schulsystem für Deutschland. lesen
Peter Fauser
Bildung und Erziehung stehen vor neuen und komplexer gewordenen Aufgaben. Schulen und Einrichtungen der Jugendbildung brauchen für ihre Vermittlungsaufgabe zwischen dem Lernen des Einzelnen und der gesellschaftlichen Entwicklung angesichts dieses Wandels selbst eine wachsende Fähigkeit zur produktiven Anpassung. Es ist deshalb richtig, sie als lernende Organisationen zu bezeichnen, auch wenn das einstweilen insgesamt mehr Programm ist als Realität. Wichtig ist dabei, sich klarzumachen, dass die Unterschiede, mit denen Schulen konfrontiert werden, zeitlich, sozial und inhaltlich immer größer werden. lesen
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