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 Mobile Zukunftswerkstatt an der Regionalen Schule Sprendlingen

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Vom 1. – 5. 6. 2007 fand an der Regionalen Schule Sprendlingen eine Mobile Zukunftswerkstatt statt

von Claudia Schönsee von der Servicestelle für Jugendbeteiligung

Die MobiZ wurde 2004 von Jugendlichen aus dem Bundesarbeitskreis „Schüler gestalten Schule“ entwickelt und ist ein Projekt das die Methode Zukunftswerkstatt an Schulen anwendet, um unter Einbeziehung aller an Schule Beteiligten diese weiterzuentwickeln. Ziel einer MobiZ an einer Schule ist es, konkrete Projekte für die Schule zu entwickeln, die nach der Veranstaltung umgesetzt werden. Dieses Angebot richtet sich an bestehende oder werdende Ganztagsschulen. 

Das MobiZ- Team besteht aus Jugendlichen, die in vielen Fällen in der Schülervertretung tätig sind oder es waren oder aus Netzwerken der Servicestelle Jugendbeteiligung kommen. Alle Zukunftspiloten sind neben dem MobiZ- Projekt als Teamer und Moderatoren im Jugendbeteiligungsbereich aktiv. Gemeinsam konzipieren sie die Mobilen Zukunftswerkstätten ehrenamtlich und führen sie an den Schulen durch.
In der Regionalen Schule Sprendlingen fand die MobiZ im Rahmen einer Partizipationswoche von der regionalen Serviceagentur Ganztägig lernen in Rheinland-Pfalz statt.

Mobile Zukunftswerkstatt Sprendlingen


Montagmorgen, 7.30 Uhr. 120 Schülerinnen und Schüler sitzen gespannt in der Turnhalle und warten darauf, dass etwas passiert. Nach einigen Momenten tritt der Schulleiter Eberhard Modjesch nach vorne und eröffnet die MobiZ mit Grußworten an Pilotinnen und Piloten, Organisatorinnen und Organisatoren. Nun begrüßt auch Jürgen Tramm von der regSAG Rheinland-Pfalz die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bevor Sappho Beck und Josef Blank das Programm der ganzen Partizipationswoche vorstellen.

Ein herzlicher Applaus ertönt und Ulrike Schäfer beschreibt den ersten MobiZ-Tag. Die 21-jährige Zukunftspilotin erklärt, dass sich am ersten Tag alles darum dreht, Schwachstellen in der Schule aufzuspüren, zu kritisieren und alles was einem nicht gefällt zu nennen. Florian sagt zur Arbeitsweise noch: „Wir sind nur dabei um euch zu helfen und euch zu erklären wie das geht. Die Ideen müsst ihr einbringen.“  Doch auch wie man richtig kritisiert, muss gelernt werden.

Durch das gesamte Schulgebäude rennen Schülerinnen und Schüler und notieren dabei eifrig ihre Kritikpunkte, die später gemeinsam vorgestellt und besprochen werden. Nach einigen Oberthemen strukturiert sich die Kritik und so wird alles in die Bereiche Unterricht, Umgebung, Umgang und Unterhaltung eingegliedert.

In den Kritikpunkten lässt sich vor allem deutlich erkennen, dass der Unterricht, so wie er im Moment stattfindet, langweilig ist, 45 Minuten stillsitzen ist nichts für einen Jugendlichen und wenn die Benotung dann noch als ungerecht empfunden wird sinkt die Motivation, sich mit dem Stoff auseinanderzusetzen Richtung null.  Dass sie sich mehr Pausen dazwischen wünschen und das AG-Angebot gern vielfältiger hätten, wird gesagt. Sie wollen Schule mit Spaß verbinden, so lernen, wie sie es in sonstigen Lebensbereichen auch tun: Durch Austesten und Erfahrungen sammeln, abwechslungsreich mit vielen Freiheiten und Mitspracherecht. Die schlechte Ausstattung der Schule mit Computern wird beklagt, genauso wie Langeweile während der Freistunden und wenig Möglichkeiten zum Austoben während der Pausen. Auch eine räumliche Ausgestaltung und der Wunsch nach angenehmer Atmosphäre werden deutlich.

"Die Ideen müsst ihr einbringen !"

Oft wird auch der gegenseitige Umgang und das Zusammenleben als verbesserungswürdig benannt. Ältere schikanieren Jüngere, Schülerinnen und Schüler wollen, dass alle Lehrerinnen und Lehrer Vertrauenspersonen für sie werden und Konflikte untereinander werden nicht auf klärender Ebene sondern oft mit unfairen Mitteln ausgetragen. Gegenseitiger Respekt und Ehrlichkeit sollen eine Grundregel sein, finden die Schülerinnen und Schüler. Zum Abschluss der Kritikphase finden sich die Kleingruppen im Plenum zusammen und präsentieren sich gegenseitig auf kreative Art und Weise ihre Kritikpunkte. Ein Sketch macht sich über das schlechte Essen lustig, ein Plakat beschäftigt sich mit Gewalt an der Schule. Zum Abschluss des Tages wird auf dem Schulhof ein symbolischer Kritikhaufen gemeinsam vernichtet um Platz für Ideen, Träume und Wünsche zu machen.

Der zweite Tag heißt Visionstag und wie der Name schon sagt geht es darum, zu träumen. Wieder in den vier Gruppen nach Unterricht, Umgebung, Umgang und Unterhaltung gesammelt, phantasieren und träumen sich die Schülerinnen und Schüler ihr Idealbild einer Schule. Dabei geht es nicht darum, darüber nachzudenken, wie die Visionen später originalgetreu umgesetzt werden, sondern um aus den Idealvorstellungen realisierbare Veränderungen zu filtern, deren Umsetzung in später Projektgruppen geplant wird. Viele der hier geäußerten Wünsche haben in ihrer Verwirklichung weniger die finanzielle Hürde als die organisatorische. Ein friedliches Schulklima ist den Schülerinnen und Schülern wichtig, lehrerfreie Zonen wollen sie durchsetzen, einen späteren Schulbeginn und längere Pausen. Schülerinnen und Schüler wollen die Möglichkeit haben, Lehrerinnen und Lehrern durch ihr Feedback zu spannenderem Unterricht zu ermutigen, eine Schwächen polarisierende Benotung soll in Zukunft ausbleiben. 

Traumschulen ?

Für die Gestaltung des Unterrichts zeigen sich schon am vergangenen Tag einige Tendenzen nun wird explizit geäußert, der Unterricht solle wie ein Spiel sein, experimentell, abwechslungsreich, abenteuerlich, draußen und drinnen und so spannend, dass Lernen Spaß macht. Für den friedlichen Umgang miteinander ist es ihnen vor allem wichtig, dass es Rückzugsmöglichkeiten gibt, Jungen und Mädchen die Möglichkeit haben unter sich zu bleiben und man sich trotz dem begrenzten Platz auf dem Schulgelände nicht ständig gegenseitig im Weg ist.
Am Ende entstehen Bilder die auf verschiedenste Weise Traumschulen darstellen. Auch die werden wieder im Plenum und einer Ausstellung präsentiert und mit Applaus belohnt. Doch damit ist der Tag noch nicht vorbei, eine kleine Überraschung wartete noch: Ein fünf Meter langes weißes Stück Stoff lag im Foyer und als sich die Pilotinnen und Piloten weiße Maleranzüge überziehen und zu Farbe und Pinseln greifen wird es eindeutig. Die Absperrung wird durchgerissen und schon geht es los. Am Ende ist ein bunter Stoffteppich mit Hunden, Häusern, Punkten und Namen entstanden.

Der Realisierungstag stellt für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung dar. Schließlich geht es darum, konkrete Projekte zu planen und durchzuführen. Und um das machen zu können sind einige Grundlagen in Projektmanagement unvermeidbar. So erklären die Pilotinnen und Piloten wie man einen Projekt- und Maßnahmenplan erstellt, Unterstützer und Partner findet und Ziele und Aufgaben definiert. Die Visionen vom Vortrag werden nun auf Realisierbarkeit überprüft und schnell bilden sich erste Projektgruppen, die Pläne und Konzepte erarbeiten, Vereinbarungen treffen und erste Schritte beschließen.

Kompromiss ?

Die wohl größte Gruppe beschäftigt sich damit, die Schulordnung umzuschreiben und einen Kompromiss zwischen den Vorstellungen von Schulleitung und Lehrkräften und den Schülerinnen und Schülern zu finden. Essen und Trinken im Unterricht soll in Zukunft erlaubt sein, Beschimpfungen  aus der Schule verbannt werden, genauso wie Drogen jeglicher Art, gegenseitiger Respekt die Grundlage aller Prozesse sein.
Auch mit Konflikten innerhalb der Schülerschaft soll in Zukunft anders umgegangen werden, das Mittel hierfür entsteht die Idee von Klassengerichten, in denen gemeinsam Konsequenzen für Fehlverhalten bestimmt werden, die auch Wirkung zeigen und Schülerinnen und Schüler verstehen lassen, was sie falsch gemacht haben.

Ein Entspannungsraum wird geplant und für die freie künstlerische Entfaltung eine Graffitiwand. Auch die Neugestaltung von Räumen und Pausenhof kommt natürlich nicht zu kurz, Fußballfeld, Computerraum und Blumengarten sollen Wirklichkeit werden, eine andere Gruppe plant die Flure neu zu streichen.
Das Ende der Veranstaltung bedeutet natürlich nicht das Ende der Veränderung. Hochmotiviert planen die Gruppen ihre nächsten Treffen, einige mit festgesetztem Ende, andere offen und weiter ausbaufähig, und präsentieren stolz ihre Ergebnisse im Projektbüro vor anderen Schülerinnen und Schülern und der stellvertretenden Schulleiterin. Der Prozess, dass sich Schülerinnen und Schüler an der Gestaltung ihrer Schule aktiv beteiligen als Weg Demokratie zu leben ist ein nie endender, der ständig neue Facetten aufzeigt und unterschiedliche Richtungen einschlägt.

Tatsachen als eine Herausforderung

Für viele Pilotinnen und Piloten war die Erfahrung einer „Mobilen Zukunftswerkstatt“ (MobiZ) an einer weiterführenden Schule etwas Neues, die meisten von ihnen haben das Projekt bisher an Grundschulen durchgeführt.  Gerade was den Umgang mit den Schülerinnen und Schülern anging, fiel es den Pilotinnen und Piloten nicht immer leicht. Die pubertierende Altersgruppe im Alter von 10 – 15  Jahren wollte auf eine andere Art und Weise motiviert und behandelt werden als die Grundschulkinder.  Jedoch wurden diese Tatsachen auch als eine Herausforderung gesehen. Sie stellten sich ihr und sahen wie viel Potenzial in den Kindern steckt, wenn sie nur begeistert werden.

Die Stimmungsbarometer stellten bei Pilotinnen, Piloten, Schülerinnen und Schülern schnell nach ganz oben und fehlte es mal an Konzentration oder Motivation der Kinder gab es verschiedene Strategien: Mal wurden Klassenclowns einfach auseinandergesetzt, mal wurde Mut gemacht in dem gezeigt wurde, wie sehr man ihnen vertraut, und ein anderes Mal wurde in der Gruppe so lange rumgealbert bis alle genug hatten.
Und tatsächlich sind viele „aufgeblüht“. Am Ende waren tolle Ideen und Projekte entstanden, wie Zeugnisse für Lehrer oder ein Buch mit dem Titel „ Unterricht ist interessanter als man denkt“  was die Pilotinnen und Piloten positiv überrascht und in ihren Zielen gestärkt hat.

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Datum: 11.08.2007
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Ehrhardt Modjesch berichtet von der Regionalen Schule Sprendlingen in Rheinland-Pfalz. von Ralf Augsburg öffnen