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Dr. Heinz-Jürgen Stolz (Deutsches Jugendinstitut)

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Immer mehr Kommunen und staatliche Schulbehörden beginnen derzeit damit, gemeinsam eine Agenda lokaler Bildungspolitik zu entwickeln. In dieser Breite ist diese Entwicklung noch relativ neu, galt Bildung doch bislang im Wesentlichen als „Ländersache“ und zeigten sich nicht zuletzt die kommunalen Spitzenverbände darüber besorgt, dass den Städten, Gemeinden und Landkreisen zunehmend bildungsbezogene Aufgaben und Funktionen übertragen würden, ohne dass dafür von Seiten der Länder und des Bundes auch eine ausreichende Finanzierungsgrundlage zur Verfügung gestellt werde. Vielen EntscheidungsträgerInnen wird mittlerweile aber immer klarer, dass (ganztägige) Bildung keine isolierbare Politiksparte (mehr) ist und auch nicht in der Verantwortung einer Handlungsebene (z.B. des Bundeslandes) alleine sachgerecht und kontextsensibel gesteuert werden kann. Die Einsicht in die Notwendigkeit einer „staatlich-kommunalen Verantwortungsgemeinschaft“ (Bertelsmann-Stiftung) bei der Gestaltung von „Bildungsregionen“ setzt sich vielerorts durch. Die bildungsplanerischen Herausforderungen des durch das IZBB-Programm angeregten Ganztagsschulausbaues beschleunigen diesen Prozess des Umdenkens.


Wie aber ‚baut’ man eine lokale Bildungslandschaft?

Kann es dafür angesichts der regional sehr unterschiedlichen Herausforderungen, wie sie sich u.a. durch die regionale Wirtschaftskraft und durch die jeweilige demografische Situation ergeben, überhaupt verallgemeinerbare Kriterien geben? Wie versteht sich jene ‚ganztägige Bildung’, die es zu gestalten gilt? Welche kategoriale und inhaltliche Bedeutung kommt ihr im Rahmen des mittlerweile konsensuellen fachpolitischen Leitziels der „Stärkung und Weiterentwicklung des Gesamtzusammenhangs von Bildung, Erziehung und Betreuung“ – so der Titel einer gemeinsamen Erklärung der Kultus- und der Jugendministerkonferenz der Länder aus dem Jahre 2004 – eigentlich zu? Und wie lässt sich eine von ihrer klaren Verortung in Familie und Schule zunehmend „entgrenzte“ Bildung überhaupt politisch gestalten und befördern?

In institutionstheoretischer Perspektive geht es um die Frage, wie sich die unterschiedlichen politischen Handlungs- und Entscheidungsebenen (Bund, Land, Kommune) untereinander und mit den so genannten zivilgesellschaftlichen Akteuren (Vereine Verbände, freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe etc.), und nicht zuletzt auch mit der Wirtschaft koordinieren lassen. Hier bedarf es einer gut strukturierten lokalen Aushandlungs- und Beteiligungskultur („local governance“).

In bildungstheoretischer Perspektive geht es um die Frage, wie sich eine ganztägige Bildung so gestalten lässt, dass sie der in Deutschland besonders strikten Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg durch die Schaffung sozial durchmischter Lerngruppen und Bildungssettings, sowie durch ganzheitliche individuelle Förderstrategien, effektiv entgegen wirkt.

Zentrale These

Ganztägige Bildung lässt sich künftig nicht mehr adäquat in der Letztverantwortung der Schulleitung gestalten, sondern muss lokal verantwortet werden. (Ganztags)Schule ist dabei ein wichtiger Akteur in der Bildungslandschaft, aber eben nicht (mehr) die „Spinne im Bildungsnetz“.
Alle Bildungsanbieter müssen sich zudem dafür qualifizieren, in ihren Lerngruppen mit wesentlich heterogeneren individuellen Ausgangsbedingungen zu Recht zu kommen. Nur so lassen sich schul- und schulformübergreifende Bildungssettings gestalten, die unter intensiver Nutzung außerschulischer Lernorte, sowie in Kooperation mit einer Vielzahl außerschulischer Partner, in Deutschland eine neue Kultur der individuellen Förderung entstehen lassen.

Zur Person
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Ex_2.jpg Dr. rer. soc. Heinz-Jürgen Stolz

Dr. rer. soc. Heinz-Jürgen Stolz ist wissenschaftlicher Referent am Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München. Seine derzeitigen Arbeitsschwerpunkte sind: Lokale Bildungslandschaften; Kooperation von Jugendhilfe und Schule; Qualitative Sozialforschung. Mitarbeit am Ersten Nationalen Bildungsbericht.

Adresse:
Deutsches Jugendinstitut e.V., Nockherstr. 2, 81541 München, Tel.: 089/62306-332 /  stolz@dji.de



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