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Qualifizierung, Fort- und Weiterbildung im Netzwerk - ein Beitrag zum Zusammenspiel von Fachberatung, Fort- und Weiterbildung als Säule der Bildungsplanung auf kommunaler Ebene
Dr. Norbert Reichel, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen
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Ganztagsschulen sind ein Kooperationsprojekt. Eine Ganztagsschule ist erfolgreich, wenn sie sich für die Kinder und Jugendlichen vor Ort zu einem sozialräumlich verankerten, ganztägig geöffneten Haus des Lebens und Lernens entwickelt. Dies zu erreichen hat eine integrativ angelegte Verknüpfung von Unterricht und außerunterrichtlichen Angeboten zur Voraussetzung. Damit stellen sich besondere Herausforderungen an das in Ganztagsschulen tätige Personal, die Konturen eines Kompetenz- und Professionalitätsprofils erkennen lassen.
Es umfasst vor allem
- die Fähigkeit zur Entwicklung eines gemeinsamen Bildungsverständnisses in Ganztagsschulen mit dem Ziel der dauerhaften Etablierung einer ganztagsorientierten Lehr- und Lernkultur,
- die Fähigkeit zur Verknüpfung von Bildung, Erziehung, individueller Förderung und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder in jeweils spezifischer Verantwortung,
- die Fähigkeit zur Gestaltung ganzheitlicher pädagogischer Konzepte, die den Bedürfnissen der Kinder in ihren schulischen, familiären, freizeitlichen und sozialräumlichen Orientierungen und Voraussetzungen (Lebensweltorientierung) gerecht werden.
Die Forderung danach genügt nicht. Mit der Einrichtung von Ganztagsschulen müssen vielmehr abstimmbare und weitestgehend abgestimmte Qualifikationsprofile für das Personal sowie geeignete Fortbildungsangebote zur Implementierung dieser Qualifikationsprofile zeitgleich entwickelt werden.
Dabei zeigt sich nicht selten das Gegenteil: In Deutschland werden Qualifikationsprofile und Fortbildungsangebote in der Regel noch nach Professionen getrennt definiert und umgesetzt – mit dem Resultat: Unterricht und außerunterrichtliche Angebote ergänzen einander nicht und lassen damit das Potenzial von Ganztagsschulen ungenutzt. Diese Ausgangssituation wird im Vortrag skizziert und als Anlass genommen, Perspektiven einer kommunalen Qualifizierungsstrategie zu entwerfen, die die Professionen zusammenführt und gemeinsam bzw. voneinander lernen lässt. Dabei stehen drei thematische Säulen im Vordergrund, die gleichsam die Stützpfeiler derart qualifizierter Bildungsnetzwerke markieren:
- Säule: Qualifizierung.
In (organisatorisch wie thematisch) flexiblen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sollen pädagogische Lehr- und Fachkräfte in Ganztagsschulen die Möglichkeit erhalten, ihr Wissen zu festigen, zu erweitern und auf die Anforderungen im Ganztag hin zu übertragen: Konzepte und Methoden profilieren, Multiprofessionelle Kooperation eingehen, den sozialräumlichen Blick schärfen, Bildungsnetzwerke initiieren und pflegen. Das berufliche Können erhält vor allem dann seine unverzichtbare Entwicklungsfähigkeit, wenn es u.a. in lokalen bedarfsgerecht vor Ort realisierten Fortbildungen Impulse erhält.
- Säule: Prozessbegleitung.
Ganztagsschulen benötigen in Schlüsselphasen ihrer Entwicklung auch Beratung von außen. Regional organisierte Fachberatung kann problemnah, erreichbar und kontinuierlich Qualitätsentwicklung begleiten, interne Prozesse spiegeln und die lokale Kommunikation/Vernetzung fördern. Schließlich ist sie Scharnier zur
- Säule: Netzwerk.
Austausch, gute Beispiele, Einblicke, Impulse – sind nicht zu haben, wenn man sich der Erfahrung anderer verschließt. Kommunale Qualitätszirkel, Schulnetzwerke, Arbeitsgruppen und Hospitationen z.B. sind das „Lernnetzwerk“, das Professionen zusammenführt und lokale Bildungslandschaften mit Leben füllt.
Zentrale These:
Professionalität im Ganztag entwickelt sich am besten in einer lokalen Bildungslandschaft, die sich auch dadurch auszeichnet, dass alle für Qualifizierung und Fortbildung verantwortlichen Institutionen, Verbände und Personen in einem örtlichen Qualitätsnetzwerk zusammenarbeiten. Ein wesentliches Element ist ein Konzept gemeinsamer Qualitätsentwicklung, Qualifizierung und Fortbildung für alle am Ganztag beteiligten Professionen. Die Qualität der Arbeit im Netzwerk wiederum bedarf einer überörtlichen Unterstützung, wie sie beispielsweise die Serviceagenturen in den Ländern bieten. Das in Nordrhein-Westfalen entwickelte Modell "QUIGS" gibt hierzu ein geeignetes Instrument an die Hand.
Zur Person

Dr. Norbert Reichel
Dr. Norbert Reichel, Ministerium für Schule und Weiterbildung Nordrhein-Westfalen, zuständig für die Arbeitsbereiche Ganztagsschulen und Ganztagsangebote, Kulturelle Bildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Schulpsychologie und Schulberatung, vorher Tätigkeiten an der Universität Bonn, dem Gymnasium Montabaur und im damaligen Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft.
Adresse: Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW, Referat 515, Völklinger Str. 49, 40221 Düsseldorf
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