Schools`r`us!

Ein Internetprojekt trifft sich in der realen Welt. Finnische und deutsche Jugendliche von Schools`r`us! auf dem 4. Ganztagsschulkongress in Berlin.
von Claudia Schönsee von der Servicestelle für Jugendbeteiligung
Wie ein eingespieltes Team wirken die Jugendlichen aus Finnland und Deutschland bei der Präsentation ihres Projektes über „Partizipationsmöglichkeiten an Schulen“ im Kuppelsaal des Berliner bcc. Dabei haben sie sich kaum 48 Stunden zuvor erst kennen gelernt. Von Julia Spieß
Vom 20.-23. September trafen sich elf Jugendliche aus Finnland und Deutschland in Berlin, um ihre Erfahrungen und Ideen auszutauschen und die anderen Projektteilnehmer zum ersten Mal live und in Farbe zu sehen. Davor kannten sie nur die virtuelle Identität der anderen auf Schola21 – der Online-Plattform von „Schools’r’us!“. Seit Anfang Juli 2007 läuft das von der Servicestelle Jugendbeteiligung koordinierte Projekt und wird gefördert von Jugend für Europa.
Beim ersten realen Treffen am Vorbereitungstag des Kongresses fällt das Diskutieren auf Englisch noch schwer, spätestens am zweiten Tag ist es „irgendwie normal“. Nach einem theoretischen Einstieg mit den „acht Stufen der Beteiligung“ und einer Diskussion über die Bedeutung von Schülerpartizipation, geht es schnell um die Praxis. Mit GoogleEarth-Fotos und Pins stellt jeder seine persönliche Bildungslandschaft vor. So wird das Kongressthema „lokale Bildungslandschaften“ schnell greifbar. Markiert werden Lern- und Beteiligungsorte wie Ruderverein oder Rotes Kreuz, die Wohnung der älteren Schwester oder das Café nebenan, der Jugendclub oder eben die Schule.
Was bringt Schülerbeteiligung in der Schule?

Brainstorming : ... was es ist
So erzählt Mia Kemppainen begeistert von ihrer Band oder der Arbeit ihrer Gender-AG. Kay Lieker ist seit kurzem Student, war aber als Schüler im Jugendstadtrat Solingen aktiv. Fast nebenbei erwähnt Benjamin Klingstedt aus Helsinki: „Wenn wir uns irgendwo engagieren oder ein besonderes Hobby haben, dann können wir das einbringen und dafür Noten bekommen.“ Davon kann Nathalie nur träumen. An ihrer Schule haben Schüler ein Sanitäter-Projekt ins Leben gerufen. So sind in jeder Pause Schülerinnen und Schüler, die vom DRK geschult wurden, Ansprechpartner bei kleinen Verletzungen. So etwas wie Credit Points bekommen sie dafür allerdings nicht. Nach und nach liefern die vielfältigen Erfahrungen und Diskussionen den Stoff für den Vortrag: Wo fängt Jugendbeteiligung an, wo hört sie auf? Wie sieht eigentlich meine Bildungslandschaft aus? Was bringt Schülerbeteiligung in der Schule? Und wie kriegt man eine bessere Beteiligung aller Akteure hin? Inspiriert vom Kongress und der intensiven Gruppenarbeit präsentieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Samstag auf der Bühne, was sie zuvor erarbeitet haben. Sie wünschen sich: mehr Information über Beteiligungsmöglichkeiten und Anerkennung von Schülerengagement, Austauschmöglichkeiten mit anderen Schülern und die Anrechnung von Lernleistungen außerhalb der Schule. Trotz Lampenfieber und englischer Sprache geht der Vortrag gut über die Bühne und am Ende sind alle stolz, dass sie die Möglichkeit hatten IHRE Meinungen als Schüler vorzustellen
... über den nationalen Tellerrand hinaus

... auf dem 4. Ganztagsschulkongress
Und genau das macht „Schools`r`us!“ aus. Das Projekt basiert auf der Idee, dass Jugendliche Experten für Schülerbeteiligung sind und durch Vernetzung voneinander lernen können. „Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Diskussion über bessere oder andere Partizipationsmöglichkeiten, nicht nur auf ein Land beschränkt ist, sondern Schüler über den nationalen Tellerrand hinaus schauen“, erklärt die Projektkoordinatorin Jenny Schulz. In Arbeitsgruppen, Chats, Umfragen oder Foren werden Erfahrungen mit Beteiligungsmöglichkeiten und praktische Ideen gesammelt. So auch „was kann ich an meiner Schule zum Thema Mobbing oder Gender machen?“ Bis zum Februar 2008 läuft das Projekt noch. Bis dahin werden die Ergebnisse konkretisiert und Ideen entwickelt, wie man diese mehr Schülerinnen und Schülern zugänglich machen kann. Zum Beispiel als Praxistipp zum Runterladen oder in Schülerzeitungen. Und natürlich ist auch eine Fortsetzung geplant, denn die deutschen Teilnehmer sind jetzt neugierig auf Helsinki. Wer Lust hat mitzumachen oder mehr Infos zu „Schools`r`us!“ möchte, schickt eine Email an Jenny: j.schulz@jugendbeteiligung.info
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