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Neue Visionen statt alter Schule!

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Im Berliner Abgeordnetenhaus gab es am 24. November keine trockenen Debatten, denn beim Berliner Jugendforum bestimmten junge Leute von 14 bis 27 welche Themen auf die Agenda kommen. Mit vielen Projekten und einem umfassenden Kulturprogramm dazu kam Leben in die heiligen Hallen in denen auf einmal gelacht, diskutiert, gefeiert und gefordert wurde.

von Claudia Schönsee von der Servicestelle für Jugendbeteiligung

1.300 Jugendliche waren es insgesamt wieder, politisch interessiert waren nicht alle von vornherein. Aber wie beispielsweise Schule interessanter, spannender und effektiver werden kann, das weiß eigentlich jeder, der noch zur Schule geht.

Schnell kamen die Diskutierenden in der Arbeitsgruppe „Neue Visionen statt alter Schule -  wie kann Schule spannender und kreativer werden“ auf die Idee einer gemeinschaftlichen Ganztagsschule. Individuell solle gefördert werden, die Lehrerinnen und Lehrer sollen einen engeren Draht zu ihren Schülerinnen und Schülern haben und dafür werde nun einmal mehr Zeit benötigt. Auch der Vorteil der Freizeitgestaltung an einer Schule durch verschiedenste Kooperationen wurde bald als Argument vorgebracht.

Viele Chancen aufzeichnen

Themen, über die diverse Bildungspolitiker, Wissenschaftler und Pädagogen seit Jahren debattieren wurden als selbstverständliche Ansichten und ohne komplizierte theoretische Erläuterungen durch den Raum geworfen. Die Teilnehmenden dieser Diskussion waren keineswegs ausschließlich aus einer Schulform oder einer Altersgruppe – Lehramtsstudenten, Gymnasiasten, Realschüler, anders an Schule Beteiligte – alle saßen in einem Raum und waren sich doch sehr schnell einig, wie ein Weg aus der Bildungsmisere aussehen kann.
Und dass vor allem die Weiterentwicklung von Ganztagsschulen viele Chancen aufzeigt, diesen Weg erfolgreich zu betreten – bei den rund 25 jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern stand das außer Frage.

Über trockene Unterrichtsthemen hinaus

Nachmittags diskutierten die Jugendlichen nicht mehr unter sich, einige Abgeordneten wohnten der Runde bei. In der Bildungsdiskussion kristallisierte sich nun ein neuer Schwerpunkt heraus: Feedbackkultur. Schülerinnen und Schüler sollten die Möglichkeit haben, ohne dass ihre Zeugnisnoten davon negativ beeinflusst werden, ihren Lehrerinnen und Lehrern, aber auch untereinander, offen und konstruktiv ihre Meinung zu sagen. Denn aus Feedback lernt man – um Fehler auszumerzen, müssen sie erst einmal erkannt werden.
Auch hier stellte sich heraus, dass eine Ganztagsschule ein guter Weg sei, diese Kultur einzuführen und auszuleben. Denn offenes Feedback hören zu können, erfordert meistens viel Vertrauen. Vertrauen gewinnt man mit der gemeinsamen Zeit, die über trockene Unterrichtsthemen hinaus miteinander verbracht werden kann.

Interessant war auch hier wieder zu sehen, wie selbstverständlich Jugendliche mit solchen komplexen Begriffen jonglierten und dennoch fast keine Unsicherheit und Zweifel hatten, was ihre Lösungswege anging, im Gegensatz zu den Politikerinnen und Politikern.

Vorsichtige Diskussionen

Die perfekte Lösung kann oft nicht umgesetzt werden. Aber die Vision ständig vor Augen zu haben, erleichtert den Weg, so nah wie möglich an sie heran zu kommen.
Viele Schülerinnen und Schüler dieser Arbeitsgruppe haben sich vorher zumindest nicht aus wissenschaftlicher Sicht mit diesen Themen auseinander gesetzt. Einige tasteten sich in der Diskussion eher vorsichtig an das Thema heran, andere stürzten sich schnell ins kalte Wasser, auch wenn ihnen Vieles fremd war. Hinter der Forderung, die als Ergebnis der Gruppe entstanden ist, standen dann aber alle:
„Wir fordern eine gemeinschaftliche Ganztagsschule die individuell fördert, ganztägig nach außen offen ist, eine Feedbackkultur lebt und Schülerinnen und Schüler an allen Prozessen beteiligt.“

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Foto: Piero Chiussi
Datum: 1.12.2007
© www.ganztaegig-lernen.de

 



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