Auftakt für erfolgreiches gemeinsames Lernen

eine Reportage von Heike Wells
„Wir leben Schule“, „Kooperation mit Zukunft“, „Vielfalt wie Sand am Meer“, „Sich wohl fühlen und lernen“, „Qualifizierung für alle“, „BISS: Betreuung, Integration, Sport, Spiel“ ... Wenn Vertreterinnen und Vertreter von Ganztagsschulen griffige Slogans für ihr Tun finden sollen, können sie ganz schön kreativ sein. So geschehen beim ersten Treffen derjenigen schleswig-holsteinischen Bildungseinrichtungen, welche von der Serviceagentur „Ganztägig lernen“, dem Ministerium für Bildung und Frauen sowie dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren als Referenzschulen ausgewählt wurden.
Diese auszuzeichnen, gleichzeitig das Startsignal zu setzen für die jeweils eigene Arbeit als Referenzschule und die gemeinsame im Netzwerk „Erfolgreiches Lernen“ – diesem Ziel diente die Auftaktveranstaltung in Kiel.
Referenzschulen für den Offenen Ganztag begründen ihr Netzwerk
Aber vor der Arbeit stand das Lob in gleich zweierlei Form: als Auszeichnung der Referenzschulen durch die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave und als unterhaltsame Einlage des Improvisationstheaters „Tante Salzmann“. Schulen zu „Lern- und Lebensorten“ zu machen, sie nach außen zu öffnen, eine sinnvolle Verbindung zu schaffen zwischen Bildung, Betreuung und Erziehung, nannte die Ministerin als Aufgaben von Ganztagsschulen. Dabei gelte es, die Kinder anzusprechen, sie für die Angebote zu gewinnen und dort zu behalten, Benachteiligte zu fördern, Vor- und Nachmittagsangebote zu verknüpfen, Kooperationspartnerinnen und -partner zu gewinnen, ein gesundes Essen zu bieten.

Schleswig-Holstein sei in Sachen Ganztag auf einem guten Weg: Lediglich 23 gebundene Ganztagsschulen existierten im Jahr 2003 zwischen Flensburg und Wedel, seitdem sind 356 Offene Ganztagsschulen entstanden. Die 20 Referenzschulen – genau genommen sind es 26 Schulen an 20 Standorten – seien Motor dieser Entwicklung, jede auf ihre Weise, sagte Erdsiek-Rave. „Beispielschulen“ oder „Vorbildschulen“ könne man sie auch nennen. Denn es handele sich um Einrichtungen, die – aus ganz unterschiedlichen Gründen – Beispiel oder Vorbild sind.
Vorbilder zu haben sei wichtig...

nicht nur für Menschen, sondern auch für Institutionen: „Fortschritt ist erst dann wirklicher Fortschritt, wenn er von anderen kopiert wird.“ Nun gehe es darum, die eigenen Erfahrungen anderen zugänglich zu machen, so die Bildungsministerin. Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ sei in diesem Prozess ein unverzichtbarer Partner.
Vernetzung, Austausch, voneinander lernen – das waren wohl die am häufigsten benutzten Begriffe an diesem Nachmittag. Sich vernetzen, sich austauschen und voneinander lernen, das wollen die 20 ausgewählten Offenen Ganztagsschulen: Viele nannten genau das als vordringliche Motivation für ihre Bewerbung als Referenzschule. Sie wollen eigene Erfahrungen anderen zugänglich zu machen und selbst von den Erfahrungen anderer profitieren.
Und diese Erfahrungen sind so vielfältig, dass so mancher ins Staunen kam, als alle im Workshop sich und ihre Rahmenbedingungen vorstellten. Da gibt es eine Offene Ganztagsschule, die von 6.45 Uhr bis 20 Uhr ihre Türen geöffnet hat, und andere, für die schon eine allseits gewünschte Verlängerung um eine halbe Stunde personell nicht machbar ist. Da gibt es welche, die sich einen eigenen Koch oder eigene Köchin für ihre Mensa erkämpft haben. Da gibt es welche, die von einer Vielzahl von Kooperationspartnerninnen und -partner vom Sportverein bis zum Wirtschaftsunternehmen unterstützt werden und andere, die um jede einzelne Honorarkraft buhlen und werben müssen. In der einen ist das Ganztagsangebot kostenlos, in der anderen kommt man ohne Elternbeiträge nicht über die Runden.
„Unsere Baustelle“

Andererseits aber entdeckten die Teilnehmenden auch viele ähnliche und gleiche Erfahrungen. Wer etwa von den Schwierigkeiten sprach, gesundes Essen in guter Qualität günstig auf den Tisch zu bekommen, erntete wissende Blicke. Ähnliche Reaktionen, als die Sprache auf`s Geld kam: Gerade in Familien, deren Kinder man mit einem Ganztagsangebot erreichen wollte, seien die Mittel oft so knapp, dass schon kleine Eigenbeiträge das Budget übersteigen, ganz abgesehen vom täglichen Mittagstisch, erklärte ein Schulleiter: „Aber wir möchten doch gerade die ansprechen, bei denen die Mittel ganz knapp sind.“ Die Verbindung von Vormittagsunterricht und Nachmittagsangebot scheint in vielen Ganztagsschulen ebenfalls eine noch nicht zur Zufriedenheit gelöste Aufgabe. „Unsere Baustelle“, lautete dazu ein Kommentar.
Gerade dieser gemeinsame Blick auf Stolpersteine, aber auch auf Erfolge ist eine der Aufgaben des Netzwerkes, das an diesem Tag geknüpft wurde und dessen Maschen in den nächsten zwei Jahren, die für das Projekt anberaumt sind, immer enger werden sollen. Wer, wie die Grundschule Eichholz in Lübeck, jahrelange Erfahrungen im Ringen um ihren Bestand hat, kann anderen sicher Tipps im Umgang mit Trägern geben. Wer, wie die Albert-Schweitzer-Grundschule Wedel, mit Hilfe von IZBB-Mitteln seit Neuestem über ein ganzes „Ganztagshaus“ verfügt, kann etwas vorzeigen.
Der Beispiele (und Vorbilder) gibt es viele weitere – genau genommen 20. Und die sollen nicht nur einander Impulse geben, sondern auch allen anderen Schulen in Schleswig-Holstein, die sich auf den Weg Richtung Offene Ganztagsschule machen wollen. Ideen, wie diese Impulse konkret aussehen könnten, gibt es bereits viele: Hospitationen und gegenseitige Besuche, gemeinsame Fortbildungen, die Entwicklung von Info-Materialien von Stellwänden bis zum virtuellen Rundgang durch das Schulgebäude.

Ute Erdsiek-Rave überreicht die Urkunde an einen Schulleiter
Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ wird die Einrichtungen in der zweijährigen Projektphase begleiten, beraten, unterstützen, die Fäden des Netzwerkes zusammenhalten. Ein organisatorischer Rahmen für den Ablauf ist bereits gesteckt. Danach sind vier „große Netzwerktreffen“ und jeweils dazwischen zwei bis drei Zusammenkünfte in Arbeitsgruppen vorgesehen, wie Moderatorin Ines Stade von der Nordlicht-Akademie erläuterte. Beim ersten Termin am 12. Januar (Haus des Sports in Kiel, 10 bis 17 Uhr) ist zunächst eine Einführung ins Projektmanagement geplant und danach die Festlegung der thematischen Schwerpunkte und einzelnen Arbeitsgruppen. Als weitere Termine stehen bereits fest: großes Netzwerktreffen am 11. Juni 2008, weitere im Januar 2009 und Juli 2009, Abschlussveranstaltung im November 2009.
Fotos: Tanja Klockmann Datum: 4.12.2007 © www.ganztaegig-lernen.de
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