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Handeln lernen!

Die Diskussionen um einen bevorstehenden Klimawandel erreichen und bedrohen auch die Phantasien und Zukunftsperspektiven heranwachsender Kinder. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist in der Schule noch Neuland. Unter dem Motto „Positiv denken – Probleme bewältigen“ geht es bei der unterrichtlichen Auseinandersetzung mit globalen Problemen um schwierige Lernprozesse, die vor allem dazu führen sollen, dass Kinder optimistisch in die Zukunft schauen und eigene Vorstellungen entwickeln, dass es möglich ist auch globale Probleme eventuell zu lösen. Schulen in Berlin haben sich dafür auf einen gemeinsamen Weg gemacht. Diesen gilt es zu übertragen.
Einblicke in die mutige Arbeit von vier Ganztagsschulen aus Berlin von Iris Syre
Vier Ganztagsschulen aus Berlin sind gemeinsam viele mutige Schritte gegangen, um den eigenen Schülern Auseinandersetzungen mit einem globalen Menschheitsproblem zu ermöglichen. Nach den Prinzipien des handlungsorientierten Lernens startete ein ganzjähriges Projekt zwischen vier Ganztagsschulen in Berlin. Die Matibi-Grundschule, die Grundschule im Grünen, das Barnim-Gymnasium und die Richard-Wagner-Grundschule haben sich im Rahmen des Projekts künstlerisch mit dem Thema „Klimawandel“ auseinandergesetzt. Entstanden ist ein Benefizkonzert zugunsten des bedrohten Klimas. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung hat dieses Konzert uraufgeführt. Das Telekommunikationsunternehmen O2 startet mit dieser Aufführung eine neue „Diskutiere.de“-Reihe in der Auferstehungskirche in Berlin. Am 23. Januar 2008 treffen sich dort Vertreter aus der Politik und Wirtschaft und werden durch das Engagement der über 130 Schülerinnen und Schüler sicherlich ebenso ermutigt und inspiriert.
Service-Learning für das Klima unseres Planeten!

Die besten Ideen für Dramaturgie und Drehbuch wurden in einem schulübergreifenden Kreativwettbewerb entdeckt. Jeder konnte seine Vorstellungen einzubringen.
Es ist immer wieder erstaunlich was passiert, wenn Lehrkräfte sich auf ungewöhnliche Lernkonzeptionen einlassen. Wenn es sich dabei um Ganztagsschulen handelt, die bereit sind, sich nach außen zu öffnen, dann werden die Auswirkungen von ungewöhnlichen Lernprojekten um so intensiver im schulischen Umfeld und weit darüber hinaus wahrgenommen. Das Projekt verlief in verschieden Stufen: schulinterner Kreativwettbewerb, schulinterne und schulübergreifende Probenphase, Uraufführung und Konzerttournee durch Berlin. Die Kooperation der vier Schulen ist in die Programminitiative „Schulen übernehmen Verantwortung“ der Stiftung Brandenburger Tor eingebettet. Das Projekt vollendete sich durch die Uraufführung im Museum für Kommunikation in Berlin. Mit zahlreichen Aufführungen in der Schulgemeinde und an verschiedenen Orten Berlins begeistern und bewegen die Schülerinnen und Schüler das Publikum für den Schutz des Klimas und sammeln dadurch Gelder zum Schutz des Regenwaldes.
Das Konzert

Von der 2. -12. Klasse haben sich Schüler beteiligt. Berührungsängste wurden abgebaut. Die gemeinsame Idee beflügelte die Beteiligten und gemeinsam boten sie den Zuschauern eine bewegende Aufführung.
Berlin 29.10.2007 Uraufführung des Benefizkonzerts im Museum für Kommunikation
Wie ein Bienenschwarm wuselten die 130 Schüler durch das Museum. Die freudige Aufregung der Kinder vor der ersten Aufführung ihres Konzerts zugunsten des Klimas war überall zu spüren. Noch einmal wurden Tanzeinlagen geprobt und die Mikrophone überprüft, bis auf ein Zeichen von Anke Große, der Musiklehrerin des Barnim-Gymnasiums, alle still wurden und konzentriert auf ihren Einsatz warten.
Die Zuhörer erlebten ein sensibles und kraftvolles Konzert, welches regelrecht unter die Haut ging. Vom ersten bis zum letzten Ton wurde das Publikum von den Kindern in Bann gezogen und für das Thema Klimaschutz emotionalisiert.
„Was ist los mit unserer Welt?“

An allen Ganztagsschulen gibt es Angebote für Tanz, Chor und das Erlernen von Instrumenten. Außerschulische Partner werden durch Fördervereine finanziert und wurden in das Projekt eingebunden.
Spätestens der Ausruf „Was ist los mit unserer Welt?“ machte das drängende Anliegen der Kinder hörbar. Wie wichtig den Schülern ein stabiles Klima ist und wie genau sie sich mit dem Thema der Zerstörung auskennen, zeigten auch die Gedichte, Texte und Bilder, die sie schon zuvor bei einem schulübergreifenden Kreativwettbewerb gezeigt hatten und die teilweise in einer Multimediashow in das Konzert eingebaut waren. Der Kreativwettbewerb war der erste Schritt gewesen. An allen vier Schulen war dieser ausgeschrieben worden, damit alle Schülerinnen und Schüler, insgesamt fast 3.000, Texte, Bilder, Installationen und Lyrik für die geplante Aufführung entwerfen konnten.
Auszüge aus Textbeiträgen Luise, Barnim Gymnasium, 6. Klasse „ Es ist schon ein Wunder, was die Natur alles hervorbringt. Zuerst hat sie das Leben hervorgebracht. Dann ist sie für das Wetter zuständig und noch für vieles mehr, nicht aber für den Klimawandel. Daran ist der Mensch schuld. Der Mensch hat es sogar geschafft, dass dieser Wandel in rasender Geschwindigkeit stattfindet, wodurch sich die Natur nicht anpassen kann. Wenn man jedoch anfängt, gegen den Klimawandel etwas zu unternehmen, werden wir es wahrscheinlich schaffen, ihn noch aufzuhalten. Wenn der Mensch dies jedoch nicht tut hat er glatten Selbstmord unternommen.“
Jenni, Grundschule im Grünen, 5. Klasse „So ließe ich es (das Auto) stehn und spar mein Geld, fahr jetzt Fahrrad schnell wie ein Held.“
Florian, Klasse 6 „Tsunamis, Tornados und Trockenzeiten, die nächsten Jahre werden Probleme bereiten. Auch in Deutschland steigen die Temperaturen an, das ist, was man heute sagen kann.“ „Wir müssen etwas bewegen!“

Mit SCHOLA-21 entstand eine Webseite. Texte, Etappen und die Projektidee werden auf diese Weise veröffentlicht.
... so lautet die Einstellung der Beteiligten. Mit Hilfe von SCHOLA-21 wurden das „Großprojekt“ und die zahlreichen Schritte bis zur Vollendung zusammen- und festgehalten. Auf der Lernplattform wurden Arbeitsgruppen gebildet, wichtige Termine ausgetauscht, Texte und Bilder zugänglich gemacht und Fotos gezeigt. Das war unter anderem der Grund, dass O2 Germany auf das Engagement der Schulen aufmerksam wurde und sich „einloggte“, um den Prozess zu unterstützen und den Benefiz-Gedanken auszubauen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist auch für wirtschaftliche Unternehmen zentral. Umso spannender ist es, dass Schulen und Unternehmen sich verbinden. Die Schülerinnen und Schüler erleben die Bedeutung ihres eigenen Handelns. Die Erfahrungen der eigenen und vor allem kindlichen Selbstwirksamkeit bestärken die optimistischen Einstellungen der Heranwachsenden.
Unter der Überschrift: „Eine neue Welt, die uns nicht die Welt kostet?“ wird es ein nächstes Benefizkonzert geben. Im Umweltforum (Auferstehungskirche) in Berlin werden die Schülerinnen und Schüler ihre Ängste und Hoffnungen im Blick auf das Klima vor einer breiteren Öffentlichkeit erneut aufführen. Die Botschaft, die die Schüler den Zuhörern in ihrem Schlusslied mitgeben, ist unmissverständlich: „The earth is my mother. We must take care of her.“
Rückblick auf einen pädagogischen Prozess

Auf zahlreichen Proben kooperierten die Lehrkräfte und ließen sich jeweils auf ganz andere Schülerinnen und Schüler ein. Die Kinder und Jugendlichen nährten sich einander an und jeder spürte, dass die Projektidee alle verbindet: „Retten wir unser Klima ...“
Noch vor einem Jahr hätte niemand gedacht, dass sich aus den Treffen der Schulleiter ein ausdruckstarkes Projekt entwickeln würde und alle Ressourcen des Ganztagsbetriebs für diese Klimainitiative genutzt wurden. Die Schulen kennen sich aus einem Netzwerk zur Hochbegabtenförderung, welches die Schulübergänge für begabte Kinder zu optimieren versucht. Aus dieser Kooperation erwuchs nun das Potential für eine erneute schulübergreifende Zusammenarbeit mit ganz anderen pädagogischen Zielen.
Die Schulen sind sehr verschieden. Die Grundschule im Grünen ist seit jeher daran interessiert, Lernprozesse mit Ideen zur Lösung von Umweltproblemen zu koppeln, sie besitzt sogar einen angeschlossenen Bauernhof. Die Matibi-Grundschule liegt dagegen inmitten eines sozialen Brennpunkts – im Neubaugebiet von Hohenschönhausen. Die Richard-Wagner-Schule fördert vor allem musische Talente und bezieht Kinder aus dem Stadtgebiet von Karlshorst ein. Das Barnim-Gymnasium – als einzige weiterführende unter den vier Schulen – nimmt neben hochbegabten Schülern Kinder aus den sechsten Klassen auf und ermöglicht ihnen das Abitur.
Das gemeinsame Projekt verschaffte den kooperierenden Lehrkräften auch die Gelegenheit, den Schülerinnen und Schülern Berührungsängste bei einem Schulwechsel in weiterführende Schulen zu nehmen. Die Zusammenarbeit von Kindern und Jugendlichen konnte so Spannungen und Erwartungsdruck lockern und lösen, vor allem bei den 10-12-jährigen, die bereits im kommenden Schuljahr eventuell in das Barnim-Gymnasium wechseln.
Transfer glücklicher Erfahrungen

Für die Zusammenarbeit der vier Schulen eröffneten sich neue Räume. Die Schülerinnen und Schüler entfalteten darin ihre Potentiale sofort in aller Aufgeschlossenheit.
Der Austausch der vier Schulen weitet sich inzwischen auch auf andere Bereiche des ganztägigen Lernens aus. Gymnasiasten fungieren als Helfer bei Sportfesten der Grundschulen. Es entsteht ein fachlicher Austausch über Strategien jahrgangsübergreifenden Unterrichts, wobei die Grundschule im Grünen federführend ist. An der Richard-Wagner-Grundschule und der Matibi-Schule entstanden Ideen zur Förderung von Sprachkompetenzen.
Das Projekt „Klimawandel“ entwickelte sich zu einem Höhepunkt und wird sicher durch seinen Charme die Lehrkräfte bestärken, Kooperationen in den unterschiedlichsten Themenbereichen zu versuchen. Außerdem erreichen solche Kooperationsprojekte nicht nur besonders begabte Kinder, sondern bieten auch den „normalen“ Kindern interessante Bewährungsfelder. Die gemeinsame Arbeit macht deutlich, welche Chancen sich für alle Beteiligten ergeben, wenn sie sich auf das Wagnis einlassen, ihre Schulen zu öffnen. Tobias Barthl, Schulleiter der Schule im Grünen, ist überzeugt: „Das gemeinsame Konzertprojekt stärkt die Überzeugung der Lehrkräfte der Schulen, dass sich schulübergreifende Kooperationen lohnen.“
Das Geheimnis ist ...

"Es war jedes Mal ein großartiger Tag!" So sagte es Anke Große (Musiklehrerin am Barnim-Gymnasium), auch wenn sie am Ende der Probe die Aula erschöpft verliess.
Keiner möchte verschweigen, dass die Arbeit im Verbund von den beteiligten Lehrern viel Einsatz erforderte. Um den Kindern und Jugendlichen diese Lernerfahrung zu ermöglichen, haben sich vor allem die MusiklehrerInnen der Schulen weit über ihren normalen Unterrichtsalltag engagiert. Für alle war das mit einem Mehr an Zeit, Kommunikation und Organisationsaufwand verbunden. Umso erfreulicher ist, dass die Zusammenarbeit von allen als Bereicherung erlebt wurde. Anke Große ist begeistert: „Ich hätte nie gedacht, dass eine so unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen vier Schulen möglich ist.“ Wie selbstverständlich wechselten sie sich dann auch bei der Leitung und Unterstützung des Ensembles ab. Ein Versuch des Publikums, während der Uraufführung die einzelnen Schüler, Instrumente, Aufgaben und Lehrer den jeweiligen Schulen zuzuordnen, scheiterte kläglich: Hier hat nicht nur Öffnung, sondern bereits Verschmelzung stattgefunden.
Das macht riesig Spaß
 Florian König von O2 Germany war mit bei der Jurysitzung. Er meint: "Ganztagsschulen haben auch mehr Zeit für außerschulische Partner!"
Die Selbstverständlichkeit und Freude, die die Lehrer während des Projektes ausstrahlten, übertrug sich auch auf ihre Schüler. Die sind sich nämlich einig: Das Projekt und die Aufführung machen Spaß: „Wir arbeiten gerne in Projekten. Das ist spannender,“ oder „Das ist toll, dass dieses Projekt hier größer ist, das Kinder aus anderen Schulen auch mitmachen“. Klaudia aus dem Barnim-Gymnasium wird deutlicher: „Das ist eine nette Erfahrung mit den kleinen Kindern zusammen. Das macht riesig Spaß. Bis jetzt haben wir nur schulintern mit anderen Schülern was zusammen gemacht.“ Und nebenbei haben sie auch noch einiges in Sachen Rücksichtsnahme, Selbständigkeit, Medienkompetenz und anderes mehr gelernt. So ist es nicht verwunderlich, dass die beteiligten Erwachsenen der vier Schulen gemeinsam resümieren: „Die Arbeit im schulübergreifenden Großteam macht Freude und gibt allen Beteiligten neue Impulse. Die Ganztagsschule bietet dafür zeitliche Räume!“
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Text: Iris Syre Fotos: Piero Chiussi Datum: 9.12.2007 © www.ganztaegig-lernen.de
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