Zur Startseite
Das Programm Impulse Veranstaltungen Publikationen Glossar Sitemap Kontakt Impressum
 
PISA 2006

pi.jpg


Die Ergebnisse der dritten internationalen Vergleichsstudie
Abbildung der Zusammenfassung des PISA-Konsortiums Deutschland unter Leitung von Manfred Prenzel, Cordula Artelt, Jürgen Baumert, Werner Blum, Marcus Hammann, Eckhard Klieme und Reinhard Pekrun (Hrsg.)

Aus deutscher Perspektive sind viele der Befunde aus PISA 2006 bemerkenswert und erfreulich, denn sie lassen positive Veränderungen seit PISA 2003 und insbesondere PISA 2000 erkennen.

Erstmals erreichen die Schülerinnen und Schüler in einem der drei regelmäßig untersuchten Kompetenzbereiche, nämlich den Naturwissenschaften, ein Niveau, das signifikant über dem OECD-Durchschnitt liegt. Vertiefende Analysen anhand der Aufgaben, die bei allen Erhebungszeitpunkten eingesetzt wurden, bekräftigen, dass es sich tatsächlich um einen substantiellen Zuwachs in der Kompetenz handelt (und nicht nur um eine Verbesserung der relativen Position in einem schwächer gewordenen internationalen Umfeld). Bei näherer Betrachtung wird die Qualität dieser Entwicklung besser fassbar: Die Streuung der Kompetenz von Jugendlichen in Deutschland ist in den Naturwissenschaften geringer als in den anderen Domänen, die Anteile von Jugendlichen auf oder unter der ersten Kompetenzstufe sind deutlich geringer und die Anteile der Schülerinnen und Schüler auf den oberen Kompetenzstufen sind höher. So erfreulich dieser Befund ist, zeigen Analysen des Interesses hochkompetenter Schülerinnen und Schüler an den Naturwissenschaften eine weitere Herausforderung: Viele der Jugendlichen sind sehr kompetent, aber wenig an den Naturwissenschaften interessiert. Auch wenn nicht alle (hochkompetenten) Jugendlichen die Naturwissenschaften zu ihrem Lebensthema und Beruf machen, sollten sie dennoch eine Aufgeschlossenheit und Interessiertheit den Naturwissenschaften gegenüber bewahren.

Selbsttätiges Experimentieren und Schlussfolgerungen

Eine wichtige Aufgabe hat hier der naturwissenschaftliche Unterricht. Die Zusammenhänge zwischen Unterrichtsmerkmalen und Kompetenz einerseits und Interesse andererseits weisen auf mehr oder weniger unterstützende Unterrichtsarrangements hin. Kompetenzfördernd scheint nicht allein ein großes Angebot von „Hands-on“- Aktivitäten, Forschungsfragen und Interaktionsgelegenheiten zu sein, sondern die richtige Dosierung und Abstimmung dürfte den Unterschied ausmachen. Die vorliegenden Daten bieten noch viele Analysemöglichkeiten, um relevante Einflussgrößen zu bestimmen. Immerhin findet man
in Deutschland relativ verbreitet ein Unterrichtsmuster, das selbsttätiges Experimentieren und Forschen dosiert und das Schlussfolgern, das eigene Erklären und die Anwendungen betont.

Ebenfalls aus deutscher Sicht aufschlussreich sind die Befunde über die schulischen Rahmenbedingungen. Erfolgreiche Kompetenzentwicklung braucht Unterrichtszeit, auch wenn keine einfache lineare Beziehung zwischen diesen Größen besteht. Weniger als 2 Stunden Unterricht pro Woche in den Naturwissenschaften bedeuten schlechte Chancen für die Kompetenzentwicklung. Einige Rahmenbedingungen an deutschen Schulen sind im internationalen Vergleich unauffällig oder gar positiv, zum Beispiel die materielle Ausstattung.

Nachwuchsperspektiven

Inzwischen scheint auch zumindest für einige Jahrgänge ein mehrjähriger Unterricht in Chemie und Physik gewährleistet zu sein. Die Unterstützungen, die Schulen in Deutschland für die Berufsorientierung der Jugendlichen anbieten, sind beträchtlich, aber anscheinend helfen sie den jungen Menschen nur zum Teil, eine klare Vorstellung von Berufsfeldern und -möglichkeiten zu gewinnen. Offensichtlich ziehen in Deutschland relativ wenige Fünfzehnjährige für sich ein naturwissenschaftliches Berufsfeld in Betracht. Auch hier werden noch differenzierte Analysen erforderlich sein, um die Nachwuchsperspektiven besser einschätzen zu können. Auf den ersten Blick sieht das Bild aber nicht sehr gut aus.

Befunde Lesekompetenz

Im Bereich der Lesekompetenz zeichnen sich bei PISA 2006 wiederum kleine Verbesserungen ab. Der Mittelwert ist leicht gestiegen, die Anteile von Jugendlichen auf den unteren Kompetenzstufen sind etwas zurückgegangen. Die Lesekompetenz der Jugendlichen in Deutschland liegt im Bereich des OECD-Durchschnitts – aber sie könnte besser sein. Eine verstärkte und systematische Leseförderung ist nach wie vor an deutschen Schulen erforderlich.

Befunde mathematische Kompetenz

Die Situation stellt sich für die mathematische Kompetenz ähnlich dar. Nach bemerkenswerten Verbesserungen von PISA 2000 zu PISA 2003 haben sich die Ergebnisse nun auf dem OECD-Durchschnittsniveau stabilisiert. Die Befunde zum Problemlösen bei PISA 2003 hatten gezeigt, dass ein höheres Kompetenzniveau in der Mathematik erreicht werden könnte. Es wird in der nächsten Zeit darauf ankommen, nicht nur die Qualität der Aufgaben zu verbessern, sondern Unterrichtsansätze zu verstärken, die das mathematische Verständnis und Argumentieren betonen und insbesondere auch die Mädchen ansprechen.

Die Fortschritte im unteren Leistungsbereich, also die Verringerung der Anteile von Jugendlichen auf den unteren Kompetenzstufen, sind ein wichtiger Beitrag zur Abschwächung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Kompetenz. Bei PISA 2006 können die Veränderungen über den Zeitraum von sechs Jahren geprüft werden. Die Befunde zeigen in Deutschland eine Lockerung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Kompetenz. Dieses Ergebnis unterstreicht, dass in einem Zeitraum von sechs Jahren nachweisbare Verbesserungen möglich sind, und legt zugleich nahe, die Anstrengungen beizubehalten oder gar zu verstärken. Denn auch heute noch ist in Deutschland die Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Kompetenz zu stark.

Internationaler Vergleich

Betrachtet man auf internationaler Ebene, was sich in den OECD-Staaten an Entwicklungen seit PISA 2000 ergeben hat, dann fällt Deutschland positiv auf. Tatsächlich findet sich eine ganze Reihe von Staaten, in denen sich die Bildungsergebnisse im Laufe der Zeit deutlich verschlechtert haben. Das zeigt, dass sich gute Ergebnisse nicht ohne weiteres fortsetzen.

Die kritischen Diskussionen, die in Deutschland nach TIMSS und insbesondere nach PISA 2000 stattfanden, haben Problembewusstsein geweckt und viele Entwicklungen angestoßen. Offensichtlich zahlt es sich aus, die Ergebnisse aus internationalen Vergleichsstudien ernst zu nehmen, gründlich relevante Bedingungen zu untersuchen und Neues zu wagen. Wir blicken heute schon mit großer Spannung auf die Ergebnisse, die PISA 2009 berichten wird.

Datum: 11.12.2007
© www.ganztaegig-lernen.de

 



Themen
Praxis & Materialien
Serviceagenturen
Schulentwicklung

Überblick zu den Ergebnisse von PISA 2006

"Wir können feststellen, dass es im Gegensatz zum OECD-Trend in Deutschland gelungen ist, in den sechs Jahren seit PISA 2000 eine kontinuierliche positive Entwicklung anzustoßen. Diesen Aufwärtstrend gilt es abzusichern und auszubauen."

öffnen