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Ansprüche an Bildungslandschaften

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Während der Auftaktveranstaltung erklärte der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Mack den Begriff Bildungslandschaft. Der Juniorprofessor für sonderpädagogische Erwachsenen- und Berufsbildung an der PH Ludwigsburg, ehemals langjähriger Mitarbeiter am DJI in München, fasst ihn weiträumig und sagte in Dessau: „Bildung ist nicht nur abprüfbar in Leistungen und Tests. Bildung ist viel weiteres Geschehen. Es geht darum Menschen handlungsfähig zu machen für alle Bereiche der Gesellschaft.“

Die formalen Möglichkeiten lernten Kinder und Jugendliche in der Schule. Doch informelle Bildung finde auch in der Familie, mit Freunden, in Einrichtungen der Jugendhilfe und in den Kommunen statt. Sein Anspruch an lokale Bildungslandschaften lautet: „Bildung aller Kinder und Jugendlicher und Benachteiligungen besser ausgleichen, nicht nur in den Schulen." Daher sei zu fragen, wie alle Beteiligten am Ort sinnvoll und besser zusammenarbeiten könnten.

Weniger Ignoranz und Nebeneinander

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l. n. r. Peter Stieglbauer, Razak Minhel, Wolfgang Mack, Sabine Brendel

An dieser Stelle treffe die Bildungsdebatte immer auf die Sozialraumdiskussion. „Schule hat oft gar keinen Bezug zu ihrem Sozialraum, weil der Blick meist aufs Innere bezogen ist. Das Verhältnis zum Stadtumfeld wird von Schulpolitik oft ignoriert“, meint Wolfgang Mack und bezieht sich dabei auf Beispiele von Schulen, die gute, stabilisierende Integrationsarbeit in so genannten benachteiligten Stadtteilen leisteten und dennoch geschlossen würden. Mack verlangt, dass das Umfeld von Schulen stärker mit in den Blick genommen werden müsse. Auch sollten benachbarte Schulen in Stadtteilen oder in ländlichen Regionen über Landkreisgrenzen hinweg kooperieren. Die beteiligten Ämter, Jugendhilfen und Schulen müssten im Sinne einer bürgerorientierten Verwaltung besser miteinander verzahnt sein. Das verlange allerdings vielerorts ein offeneres Verständnis von Zusammenarbeit. „Jugendhilfe und Schulen haben unterschiedliche Aufträge und Aufgaben. Dennoch müssen sie respektvoll miteinander reden ohne Besserwisserei oder Ignoranz und sich fachlich respektieren“, sagt Erziehungswissenschaftler Wolfgang Mack. Das wäre für ihn ein wichtiger Schritt hin zur Gestaltung lokaler Bildungslandschaften.

Das Beispiel Karlsruhe

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Wie Sozialraumplanung und Bildung funktionieren kann, zeigt das Beispiel Karlsruhe. Dort versucht man seit 1999 den Anspruch zu verwirklichen: von der kommunalen Sozialpolitik zur sozialen Kommunalpolitik. „Die Stadt hat sich von den Bürgern in ausführlichen Interviews die Verhältnisse in Bezug auf Kinder und Jugendliche, Wohnräume und lokale Akteure beschreiben lassen. Aus den Ergebnissen wurde klar, was zu tun ist“, sagt Peter Stieglbauer von der Stadt Karlsruhe. Ziel sei die soziale Integration bei Bildung, Wohnen, Arbeit und Freizeit. Deshalb wurde die Verwaltung umgewandelt. Im Dezernat für Jugend und Soziales, Schulen und Sport läuft alles zusammen, weil Sozialamt, Jugendamt, Schulen, Sportvereine, Stadtjugendausschuss, ein Wohnungsträger und die ARGE integriert sind. Der Karlsruher Sozialplaner verlangt, dass man Schule stärker als Lebensraum definieren müsse, weil sie viel Platz im Leben von Kindern und Jugendlichen einnehme. „Die Möglichkeiten der Schulen sind gewaltig groß für Entfaltung und Entwicklung von Kreativität. Natürlich sind auch Grenzen da, deshalb sind Netzwerke so wichtig, damit man sich helfen und entwickeln kann.“ Um eine Bildungslandschaft zu gestalten, müsse Geld vorhanden sein, nennt Stieglbauer als wichtige Voraussetzung. Und: „Die Beteiligten müssen die Entwicklung wollen, dass Ideen in Schulen mehr Platz haben. Sind Dinge nicht zu leisten, dann sollten Schulen auch Leistungen an externe Kooperationspartner auslagern können.“ Stieglbauer zählt dazu beispielsweise Bewerbungstrainer, Berufsberater oder Existenzgründer und Künstler.

Wie die Verantwortlichen packen?

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Angesichts der neuen Herausforderungen an Lehrer fragt sich Sabine Heinbockel von der Serviceagentur Bremen, wie das Personal qualifiziert sein müsste. „Reicht denn die Ausbildung an Hochschulen dafür noch aus?“ Erziehungswissenschaftler Macks Antwort: „Die Ausbildung muss sich so ändern, dass der Blick stärker auf Teamarbeit und andere Berufswelten fällt.“ Lehrer sollten die Zusammenarbeit mit externen Partnern als Chance und Weiterbildung zugleich sehen, denn sie können gemeinsam mit Künstlern, Sozialpädagogen und Beratern in themenorientierten Projekten viel leisten

Mit Blick auf die demografische Entwicklung, Konkurrenz der Gemeinden und Geldknappheit, sieht Maren Wichmann von der Serviceagentur Schleswig-Holstein gute Chancen für den Ausbau von Ganztagsschulen. „Doch auch die lokalen Entscheider müssen Verantwortung erkennen und annehmen, um zu handeln. Wie kann man sie dazu bewegen Ganztagsschulen zu unterstützen?“, fragt sich Maren Wichmann. Kommunen müssten in ihrer Verwaltung herausfinden, wo überall Anknüpfungspunkte seien, die Bildung beförderten. „Das muss zusammengefasst und betont werden und bedarf sicher viel Diskussionsarbeit“, meint der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Mack. Miteinander reden, alle Akteure zu Wort kommen lassen, schlägt auch Sozialplaner Peter Stiegelbauer vor. Denn oft kämen sich Beteiligte beim Thema Ganztagsschule auch allein gelassen vor. Allerdings: „Letztlich bleibt die Verantwortung bei den Kommunen. Sie müssen es mit den Beteiligten hinbekommen.“

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Plenum: Thematische Netzwerk "Kooperation – integrierte
Bildungslandschaften"

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Vefasser: Kathrin König
Datum: 20.03.2007
© www.ganztaegig-lernen.de



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