Lernen braucht Ziele

Ein wesentliches Problem von Unterricht ist die mangelnde Identifikation der Schüler mit den Lernzielen. Grundlage für Identifikation mit einem Ziel ist, dass das Ziel bekannt ist. In der Schule gibt es grundsätzlich drei Wege, um zu erreichen, dass Schüler und Lehrkraft dieselbe Intention verfolgen. Der bisher am häufigsten in Schule angewandte geht davon aus, dass Schüler einfach die gleichen Lernziele wie der Lehrplan und die Lehrkraft verfolgen müssen. „Wenn ihr dies nicht lernt, bekommt ihr keinen Abschluss.“
Eine andere Möglichkeit ist, deutlich zu machen, warum Unterrichtsinhalte für Schüler wichtig sind. „Überlegt mal, wenn ihr dies lernt, könnt ihr damit dies erreichen.“ Die dritte Variante fordert von Schülern zu formulieren, was sie erreichen wollen, und dass die Lehrkraft ihnen die Grundlagen dafür vermittelt. „Ihr wollt dies erreichen, dafür müsst ihr dies können.“ Sie impliziert, dass Schüler über Lernziele nachdenken und sie eigenständig erarbeiten. Es gilt Interessen der Schüler herauszufinden, zu akzeptieren und für Lernprozesse zu nutzen. Interessen und Ziele schaffen Motivation.
Drei Beispiele
- Eine Gruppe von Schülern stört sich daran, dass es in der Region der Schule aktive rechtsradikale Gruppen gibt. Sie möchten sich dagegen engagieren. Die Lehrkraft nimmt dieses Interesse auf und erarbeitet mit ihnen Gründe für Rechtsradikalismus, die Geschichte des Rechtsradikalismus, staatliche und private Initiativen gegen Rechtsradikalismus. Dann entwickelt sie mit den Schülern ein Projekt gegen rechtsradikale Aktivitäten. Die Schüler haben während der gesamten Einheit ein klares Ziel vor Augen und somit auch die Motivation, Wissen und Fähigkeiten, die ihnen helfen, dieses Ziel zu erreichen, aufzunehmen.
- Eine Gruppe von Schülern hat ein gemeinsames Hobby – Mofa fahren. Nachdem bei einem Mofa der Vergaser defekt ist, wollen sie es selbst reparieren. Eine Physiklehrerin nimmt sich des Problems an. Sie erschließen gemeinsam die Funktion und Funktionsweise eines Vergasers und reparieren dann das Mofa.
- Eine Gruppe von Schülern moniert das Essensangebot und die Öffnungszeiten der Schulkantine. Gemeinsam mit einem Lehrer eignen sie sich Grundlagen der Ernährungswissenschaft und mit einer anderen Lehrerin die wirtschaftlichen Faktoren eines Kantinenbetriebs an. Am Ende gibt es ein von Schülern und Lehrkräften selbst organisiertes Kantinenangebot an den Tagen, an denen die Kantine bisher geschlossen hatte. Die Schüler haben sich mit einem konkreten Bezug wichtige Inhalte des Lehrplans für die Fächer Biologie und Wirtschaft erarbeitet.
Lernen auf Grundlage der Interessen und Ziele der Schüler bewirkt nicht nur größere Lernmotivation, es führt auch zu einem ganzheitlichen Verständnis der Welt. Es wird klar, dass für jede Aktivität eine Menge Wissen aus den unterschiedlichsten Disziplinen benötigt wird und die Aneignung Freude macht, wenn sie zielführend ist.
JUGENDLICHE GESTALTEN GANZTAGSSCHULE Sascha Monville, Benjamin Mosebach, Marc Schmieder ISBN 3-9810519-0-4
Datum: 25.03.2008 © www.ganztaegig-lernen.de
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