„Um klar zu sehen, genügt ein Wechsel der Blickrichtung .“
Ganztagsschulberatung als Lernprozess Bericht über eine Qualifizierungsreihe für Bremer SchulberaterInnen Sabine Heinbockel, Ralph Leipold
Wenn nach einer vollen Arbeitswoche sich 16 Menschen am Freitag Mittag in einem Workshopraum zusammenfinden, um 6 Stunden lang freiwillig gemeinsam zu Fragen der Schulentwicklung zu arbeiten, dann ist das schon ein Zeichen großen Engagements. Wenn in der Abschlussrunde um 20 Uhr auch noch geäußert wird, dass die Zeit so schnell verging – dann ist etwas Besonderes in Gang gewesen. Dieses Besondere war die „Qualifizierung Ganztagschulberatung“, die Sabine Heinbockel von der Serviceagentur Bremen gemeinsam mit dem Thüringer Schulleiter und Supervisor Ralph Leipold im zweiten Halbjahr 2007 konzipiert und realisiert haben. Diese Qualifizierung soll im Folgenden vorgestellt und reflektiert werden.
„Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ ist ein zentraler Bestandteil des Investitionsprogramms „Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB), mit dem die Bundesregierung den Ländern von 2003 bis 2009 vier Milliarden Euro für den bedarfsgerechten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen zur Verfügung stellt. Damit fördert das Programm nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern sichert auch die Qualität der pädagogisch-inhaltlichen Gestaltung. Mit der Moderation dieser Entwicklungsaufgabe wurde die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) beauftragt. In enger Zusammenarbeit mit dem Bund und den Ländern bietet die DKJS seit Herbst 2004 mit dem Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ ein bedarfsorientiertes Unterstützungssystem für alle Schulen an, die ganztägige Bildungsangebote entwickeln, ausbauen und qualitativ verbessern möchten. Das zentrale Instrument dafür sind die Serviceagenturen, die inzwischen in 14 Bundesländern schulnahe, stärkenorientierte und innovative Angebote zur Unterstützung von Schulen anbieten .
Stand der Ganztagsschulentwicklung in Bremen
Das Land Bremen hat sehr früh auf die Ganztagsschule gesetzt und hier von Anfang an auf die gebundene Form gesetzt – ausdrücklich geht es um die Weiterentwicklung von Lern- und Lehrkultur, also um inhaltlich-pädagogisch motivierte Schulentwicklung. Das Land Bremen besteht aus der Stadt Bremen und der Stadt Bremerhaven, In der Stadtgemeinde Bremen gibt es insgesamt (Sek II und berufsbildende Schulen sind hier nicht berücksichtigt):
- 74 Grundschulen,
- 20 Förderzentren
- 19 Sek-I-Schulen
- 15 Gesamt- bzw. Integrierte Stadtteilschulen
- 11 Gymnasien
- 17 private allgemeinbildende Schulen.
In Bremerhaven gibt es insgesamt
- 17 Grundschulen
- 8 Förderzentren
- 8 Sek-I-Zentren
- 3 Gesamtschulen
- 2 Gymnasien
- 4 Privatschulen.
Rund 1/3 dieser Schulen sind inzwischen Ganztagsschulen. Die 14 Ganztagsgrundschulen in der Stadt Bremen wachsen beginnend mit Jahrgang 1 zur gebundenen Form hoch, bzw. arbeiten bereits in dieser Form. Die bestehenden offenen Ganztagsschulen im Sekundarbereich 1 entwickeln sich tage- bzw. jahrgangsweise zur gebundenen Form (je nach Ganztagsform 8.00 bis 16.00 Uhr an drei bis fünf Tagen). Präsenzzeitmodelle werden in insgesamt 5 Ganztagsschulen (P + Sek I) in Bremen auf freiwilliger Basis erprobt.
Die Regionale Serviceagentur in Bremen
Die Serviceagentur Bremen ist die „dienstälteste“ Agentur, die mit dem Start des Programms 2004 ihre Arbeit aufnahm. Der Auftrag der Agentur ist es, Ganztagsschulen und solchen, die es werden wollen, Beratung, Unterstützung und Begleitung zu geben. In Bremen konzentrieren wir uns auf Einzelschulberatung, Fortbildungen/Qualifizierungen und Netzwerkarbeit. Zusätzlich zu der Beratungsleistung veranstalten wir den „Bremer GanzTag“ als zentrale Fachtagung für Ganztagsschulen sowie Fachvorträge, Workshops, Themenreihen und Hospitationsreisen für Schulen. Als Kooperationspartner von senatorischer Behörde und Landesinstitut für Schule, in dem auch unser Büro angesiedelt ist, ist die Serviceagentur mittlerweile ein wichtiger Motor des Unterstützungssystems für Ganztagsschulen in Bremen. Dabei fokussieren wir mit unseren Angeboten auf eine stärkeorientierte Schulentwicklung.
Ganztagsschulberatung: Bedarfe und Bedingungen
Um Einzelschulberatung in seiner Vielfalt überhaupt angemessen anbieten zu können, entstand schnell die Einsicht, dass es eine spezifische Qualifizierung geben sollte, die den teilnehmenden BeraterInnen die Bedingungen und Möglichkeiten von Ganztagsschule nahebringt und sie in die Lage versetzt, eine stärkeorientierte, passgenaue Beratung / Prozessbegleitung zu bieten. Dabei war darauf zu achten, die bestehenden Angebote nach Möglichkeit einzubeziehen – allein am Landesinstitut gibt es eine Anzahl von SchulentwicklungsberaterInnen und UnterrichtsentwicklungsmoderatorInnen, die zum Teil seit Jahren qualifizierte Arbeit machen und hiesige Schulen begleiten.
Es galt also im ersten Schritt, die vorhandenen Ansätze kennenzulernen und einen Informationstransfer herzustellen. Es stellte sich dabei heraus, dass es häufig parallel Beratungsangebote an Schulen gab – anhand einer „Landkarte Bremer Schulen“ wurde ersichtlich, wie häufig die unterschiedlichen Beratergruppen die selben Schulen zu unterschiedlichen Beratungsanlässen begleiteten. Darüber hinaus musste geklärt werden, inwieweit eine spezifische Schulung für Bedarfe an Ganztagsschulen überhaupt notwendig sei. Hier fanden sich sehr unterschiedliche Einschätzungen. Eine weitere Frage betraf die sogenannten „Externen“, also freiberuflich tätige BeraterInnen, die verstärkt auch den „Markt Schulberatung“ entdecken. Durch eine Qualifizierung bei uns würde k dieser Personenkreis einen deutlichen Mehrwert für sich erzielen, ohne dass eine Rückbindung an eine Arbeit mit der Agentur gewährleitet werden könnte.
Im Ergebnis dieser Beratungen wurde klar
Auch wenn Ganztagsschulentwicklung im Kern Schulentwicklung ist, macht eine Qualifizierung zu Ganztagsschule Sinn – nicht nur, weil bestimmte Fragen nur dort so auftreten (Teamarbeit z.B.), sondern auch, weil wir Ganztagsschulen als eine spezifische Gelegenheitsstruktur begreifen, die enorme Potenziale für qualitätsorientierte Schulentwicklung bietet.
Potentielle Teilnehmergruppen
- UnterrichtsentwicklungsmoderatorInnen (beide Gruppen sind für das Landesinstitut für Schule mit einem bestimmten Stundenkontingent freigestellte Lehrkräfte),
- SchulentwicklungsberaterInnen,
- externe BeraterInnen (Voraussetzung: Erfahrung in der Arbeit mit Schulen),
- Teilnehmende des Multiplikatorentrainings, das im Rahmen des Verbundprojekts „Lernen für den GanzTag“ stattfindet,
- Tandems aus Lehrkräften und pädagogischen MitarbeiterInnen dazu ausbildet, Fortbildungen an Ganztagsschulen durchzuführen
Nun galt es, ein passgenaues Konzept zu entwickeln. Dies war ein ausgesprochen spannender Prozess, in den ausgesprochen viel Expertise eingeflossen ist.
Ein Konzept entsteht
Nach Beratungen und Kooperationen u.a. mit dem Institut für Schulentwicklung, dem Teaminstitut Köln, der Werkstatt „Unterrichtsentwicklung“ in Göttingen und intensiver Recherche entschieden wir uns, Ralph Leipold aus Neuhaus am Rennsteig (Thüringen) zu bitten, mit der Bremer Agentur gemeinsam ein Qualifizierungskonzept zu erarbeiten. Es begann eine Phase intensiver Diskussion. Die Anforderungen der Serviceagentur waren klar: Auf der Grundlage einer Ausschreibung, die sich an die identifizierten Zielgruppen richtet und entsprechende Auswahlkriterien definiert, wird eine Gruppe von max. 18 Teilnehmenden insgesamt 30 Zeitstunden dazu qualifiziert, die „spezifischen Fragestellungen, die sich an Ganztagsschulen ergeben (beispielsweise Zusammenarbeit gemischtprofessioneller Teams, ganztägige Zeitgestaltung, neue Unterrichtsformen, Öffnung von Schule,...) kompetent und fachkundig begleiten zu können“ . Da die Teilnehmenden bereits eine hohe Fachlichkeit mitbringen würden, sollte die Qualifizierung ganz gezielt „Werkzeuge und Methoden“ vermitteln, die die Beratungskompetenz ganztagsspezifisch erweitern sollten. Zunächst erschien es uns weniger wichtig, nochmals über Beratung als solcher zu reflektieren – wir wollten pragmatisch orientierte Instrumente.
Ralph Leipold betonte hingegen die Wichtigkeit einer konsequenten Prozessorientierung und die Relevanz von „wertegeleiteter Schulentwicklung“ . In vielen Telefonaten und Mailkontakten entwickelten wir eine Linie, die diese beiden Schwerpunkte als „roten Faden“ durch die Module legen würde. Im 1. Quartal 2007 war es dann soweit: das Konzept lag vor, es würde 5 Module à 6 Stunden geben, und die Ausschreibung brachte 25 Bewerbungen. Beim Auswahlverfahren haben drei Kriterien den Ausschlag gegeben: nachgewiesener Praxisbezug durch die Arbeit mit Schulen in Bremen, ausgewiesene Beratungsexpertise und erklärtes Interesse an der aktiven Mitgestaltung der Fortbildungsreihe.
Es war gelungen, ein Teilnehmerfeld zu bilden, das VertreterInnen aller oben genannter Zielgruppen, VertreterInnen beider Schulstufen und einen spannenden Professionen-Mix aufwies: bei den 18 „Auserwählten“ (13 Frauen und 6 Männer) waren Schulleitungen, LehrerInnen (beider Schulstufen), SozialpädagogInnen, ErzieherInnen, PsychologInnen, SupervisorInnen, HochschulreferentInnen, FachleiterInnen, UnterrichtsentwicklerInnen, SchulentwicklungsberaterInnen, OrganisationsberaterInnen am Start – eine wirklich hochkarätige Besetzung.
Es lagen, wenn wir die Fortbildungsveranstaltung mit Ilse Kamski vom Dortmunder Institut für Schulentwicklung im Juli 2006 als Auftakt betrachten, neun Monate Entwicklungszeit hinter uns, und die Erwartungen und Ansprüche, die sich mit dieser Qualifizierung verbanden, waren sehr hoch. Die Herausforderung war nicht weniger groß: mit einer so heterogenen Gruppe eine Qualifizierung realisieren, die einen enormen Anspruch hatte.
Module
- Herstellen einer Anschlussfähigkeit als BeraterIn an die Spezifik von Ganztagsschulen
- Interventionsstrategien I: Andocken und Erweitern
- Interventionsstrategien II: Lern- und Lehrkultur an GTS
- Interventionsstrategien II: Teamentwicklung und Konflikt
- Integrationsseminar
Für die einzelnen Module wurde vereinbart, ein ausführliches Verlaufsprotokoll zu erstellen, das zeitnah zusammen mit den eingesetzten Materialien an die Teilnehmenden versendet wurde. In jedem Modul wurde ein Evaluationsbogen ausgefüllt, die Auswertung war ebenfalls Teil jeder „Modul-Nachlieferung“. Die Module fanden jeweils Freitags in der Zeit von 14 bis 20 Uhr in Räumen des Landesinstitut für Schule in Bremen statt, begannen im Mai und endeten im November 2007.
Verlauf
Im Folgenden sind relativ ausführlich die wichtigsten Momente der Module beschrieben, es handelt sich jedoch nicht um eine vollständige Abbildung der jeweiligen Inhalte, Arbeitsphasen etc., sondern um eine gezielte Hervorhebung einzelner Elemente, die für den Prozess insgesamt bedeutsam / charakteristisch waren.
- Modul 1
Herstellen einer Anschlussfähigkeit als BeraterIn an die Spezifik von Ganztagsschulen Zum Auftakt im Mai fanden sich die ausgewählten 18 Teilnehmenden erstmalig zusammen. „Durch Methoden Methoden lernen“ – das war ein entscheidender Satz, der dieses Treffen bezeichnete. Anfänglich stand die ausführliche Erkundung systemischen Denkens und systemischer Beratungsansätze im Zentrum, die Kennzeichen systemischen Beratens, die letztlich Haltungsfragen sind, die das gesamte Spektrum des Wahrnehmens und Intervenierens betreffen. Mit einer Erhebung der vorhandenen Kernkompetenzen, der eigenen Glaubenssätze und dem Hauptinteresse an dieser Qualifizierung der Teilnehmenden ergab sich ein beeindruckendes Bild all dessen, was als Arbeitsgrundlage bereits vorhanden war. Als gemeinsamer Rahmen für die Arbeit konnte als Grundhaltung für Beratung gelten:
- Lösungsräume zu betreten - Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen - Ressourcen zu verdeutlichen.
Durch die Reflexion der Haltung war die Rolle der BeraterIn Thema – sowohl hinsichtlich der Wichtigkeit klarer Kontrakte und durchdachter Beratungsdesigns (zeitlich, räumlich, inhaltlich) als auch der klaren Definition als systemfremde Begleitung, die Möglichkeiten aufzeigt, für deren Auswahl/Realisierung jedoch nicht verantwortlich ist.
- Modul 2
Interventionsstrategien I: Andocken und Erweitern Im zweiten Modul stand „Organisation“ im Mittelpunkt – welche Bedeutungen, Aufgaben, Kontexte haben Organisationen? Dabei erklangen die „ 3 Saiten der Veränderung“ aus dem Chance Management: Organisationen prägen sich durch Strukturen, Regeln, Personen. Großen Raum nahm die Frage nach Umgang mit Blockaden, nach Grenzen der Veränderung, nach Spielräumen und Ressourcen ein – hier traten die Fragen, die in Schulberatung oft in den Vordergrund drängen, sehr stark hervor. Als Antworten gab es den Hinweis darauf, den Beratungsprozess selbst zu würdigen (genug Zeit einplanen, ihn wichtig nehmen und wert-voll); die Bedeutung von Wertschätzung allgemein auch „Widerstand“ als Kommunikationsmittel und Symptome als Selbstauskünfte des Systems zu verstehen sowie die Möglichkeiten kreativer Methoden und Ansätze. Ralph Leipold formulierte als seine Auffassung vom Auftrag von BeraterInnen, „Herzen zu öffnen“ – was meistens auch eine systemfremde Intervention ist, die ganz neue Räume und Möglichkeiten eröffnet. In diesem Modul gab es viel „Stoff“; es gab sehr viele offene Fragen, viele Themenfelder und Bezüge wurden angerissen, die ungelösten Erfahrungen aus der eigenen Praxis von Schulberatung waren wichtig.
Im Anschluss an diese beiden Module gab es eine intensive Reflexionsschleife von uns; die eingesetzten Methoden wurden ebenso einer Prüfung unterzogen wie das Gesamtkonzept, als Folgerung wurden einige Themen für das Folgemodul aufgenommen.
- Modul 3
Interventionsstrategien II: Lern- und Lehrkultur an GTS Im dritten Modul starteten wir dementsprechend mit einem Hinweis auf diese Reflexions- und Abgleichphase, einer erneut explizit an die Gruppe ausgesprochen Einladung, für sich zu sorgen und einer Rückkoppelung an das Gesamtkonzept. Zu einer Verstärkung der Ressourcenorientierung wurden die Teilnehmenden gebeten, zum einen ihre eigenen Beratungserfolge aufzulisten, zum zweiten ein prägnantes Erkenntnisinteresse zu formulieren. Dabei kristallisierte sich das Thema „Auftragsklärung“ heraus, ein Teilnehmer referierte dazu aus seinen Erfahrungen. In der gemeinsamen Reflexion ergaben sich erneut die Themen „Setting“ und „Kontrakt“; in den anschließenden die Arbeitsphasen ging es um die um die Themen „Kontrakt“, „“Zielfindung“, „Problemlösebaum“.
Mit der Methode „Problemlösebaum“ wurden Arbeitsgruppen zu den Themen bearbeitet, die am Anfang als Erkenntnisinteresse notiert worden waren. Insgesamt war dieses dritte Modul ein sehr material- und ergebnisreiches Treffen. In der Wahrnehmung und Bewertung der Teilnehmenden war es zugleich das „heikelste“. Witzigerweise (oder eigentlich folgerichtig: passenderweise) initialisierte die Arbeitsgruppe mit dem Thema „Nö, wollen wir lieber nicht!“ eine kritische Reflexion des bisherigen Verlaufs aus dem Erleben einiger Teilnehmenden heraus. Es gab Unmut über zu wenig aktivierende Elemente; einige erlebten ein Übergewicht an „Frontal-Input“ mit zu wenigen Gruppenphasen und Übungen – gerade das Ausprobieren einiger (im Gespräch und während der Inputs angesprochenen) kreativen Methoden wäre interessant gewesen.
- Modul 3
Interventionsstrategien II: Teamentwicklung und Konflikt Das vierte Modul startete mit Skalierungen, die die Teilnehmenden zu einer buchstäblich bewegten Bewertung aufforderte; das Thema der großen Heterogenität, das beim letzten Mal als „Zerreißprobe“ (hinsichtlich der Erwartungshaltung und die Bedürfnisse aller Beteiligten) erschien, wurde aufgegriffen, in dem nach dem aktuellen Rollenverständnis der Teilnehmenden gefragt wurde, was nicht nur eine positive Vielfalt abbildete, sondern auch einen Austausch über Beratung, Feldkompetenz und eigenes Rollenverständnis hinsichtlich Teambildung öffnete. Dass hierbei „Tandemlösungen“, Mischung, also Heterogenität als extrem bereicherndes Element benannt wurde, ist ein gutes Beispiel für ein gelungenes Reframing .
Im zweiten Schritt rekurrierte Leipold kurz auf das vorherige Mal, benannte eigene Unsicherheiten und holte sich ganz aktiv das Commitment der Teilnehmenden für den weiteren Verlauf ein. Durch eine erneute Bewußtmachung des Konzeptes und dem Aufzeigen der „Verortung“ darin wurde deutlich, wo der Bezug, wo die Anknüpfungspunkte sind. Der thematische Bogen war gespannt, es konnten die darunter fallenden Interessenkreise/Themenfelder benannt werden. Der Aushandlungsprozess, was womit am besten zu bearbeiten wäre, wurde explizit geführt und verdeutlicht – durch Hinweise auf Selbstbestimmung, Prozessorientierung, Transparentmachen der Entscheidungen. In der Folge wurden eine Vielzahl von lösungsorientierten, ressourceauffindenden Arbeitsphasen durchlaufen, in denen die Teilnehmenden weitgehend selbstbestimmt arbeiteten. Arbeit mit „Schatzkisten“, analogen Verfahren, sensibilisierenden Selbsterfahrungen und systemischen Aufstellungen verwirklichen den Wunsch der Teilnehmenden, „mit Methoden über Methoden“ zu lernen, demonstrieren die Wirksamkeit ihrer selbst und geben allen Beteiligten die Möglichkeit, ihre Kompetenz aktiv einzubringen.
Im Unterschied zum Modul davor konnte dies bewusst wahrgenommen werden; das Aufzeigen der Zusammenhänge, die gelungenere Choreographie (Bewegung, Reflexion, Input, Gruppenarbeit, Reflexion etc), eingeleitet durch effektives Reframing und konsequent lösungsorientiert angelegt, haben den Prozess enorm in Fluss gebracht und bei allen Teilnehmenden ein hohes Maß an Zufriedenheit und Entlastung bewirkt.
- Modul 4
Integrationsseminar Das letzte Modul beschäftigte sich intensiv mit Ressourcenorientierung, Teamstrukturen und Selbstwirksamkeit. Wieder gab es eine Vielzahl von „methodischen Winken“ im Verlauf selbst – die Eingangsfrage als Beispiel für eine systemische Intervention zu nutzen, die mit positiver Unterstellung eine positive Einstellung begünstigt, die Arbeit mit bestimmten Instrumenten und scheinbar unstrukturierten Aufgaben, deren Reflexion dann wichtige Prinzipien und Verläufe kenntlich machte etc. Deutlich wird erneut, wie ergiebig das konsequent systemische Denken ist, weil es beispielsweise eine nicht-bewertende Hypothesenbildung anhand einer Unzahl von Informationen ermöglicht, die sich ergeben, sobald alles als Selbstauskunft von Systemen betrachtet werden kann. „Haltung“ und Grundannahmen systemischer Beratungen im Anschluss an die Arbeiten zu Teamentwicklung noch einmal zentraler Theoriehintergrund – und „Stoff“ für die Reflexion der Teamfragen in Ganztagsschulen: auch hier konnte aus dem „Schatzkästchen“, dem enormen Wissens- und Erfahrungspool der Teilnehmenden geschöpft werden.
Grundlagen des Konstruktivismus – das Erleben davon, dass jede/r auf Grund eigenen Annahmen und Deutungsmuster eigene Wirklichkeiten schafft – waren schließlich die Brücke zum dritten Feld des Moduls, der Selbstwirksamkeit.Neben Thesen von Albert Bandura und Erfahrungen von „Selbstwirksamen Schulen“ gab es eine Reihe von Materialien dazu.
Anschrift der regionalen Serviceagentur Landesinstitut für Schule R 3.05 Am Weidedamm 20 28215 Bremen
Sabine Heinbockel Telefon: 0421 361-18160 0421 361-83295 Telefax: 0421 / 361- 6451 E-Mail: serviceagentur.bremen[at] ganztaegig-lernen.de Internet: www.bremen.ganztaegig-lernen.de
Datum: 10.04.2008 © www.ganztaegig-lernen.de
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