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Möglichkeiten der Partizipation bei Mittagsangeboten

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Stefanie Vogelsaenger • Wolfgang Vogelsaenger

Die Mensa ist ein wichtiger Raum der Schule, das gemeinsame Mittagessen ein zentraler Bestandteil des Ganztagsangebots. Deshalb sollte es nicht einem externen Pächter oder Caterer überlassen werden, wie das Mittagessen gestaltet wird. Nicht ohne Grund haben zum Beispiel Schweden und Finnen, als sie von deutschen Besuchern nach der besonderen Qualität ihrer Ganztagsschulen gefragt wurden, immer wieder hervorgehoben, dass es bei ihnen ein kostenloses Mittagessengebe. Die Qualität des Essensangebots hängt ab von der Beteiligung aller, die daran ein Interesse haben.

Dies sind natürlich erst einmal die Kinder und Jugendlichen, die zu Recht erwarten, dass es ihnen schmeckt, wenn sie schon in der Schule essen müssen. Ihre Eltern legen Wert auf ein gutes Preis- Leistungs-Verhältnis und dass ihre Kinder nicht beim Nachhausekommen den Kühlschrank plündern, weil sie in der Schule nichts Passendes angeboten bekommen haben. Die Schule hat ein Interesse daran, dass die Schüler/innen mit dem Angebot zufrieden sind und dass die Art des Essens zu den Unterrichtsinhalten passt, die sich mit den Themen Gesundheit und Ernährung beschäftigen.

Die Gesellschaft muss daran interessiert sein ...

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dass die Gelder, die über das Ganztagsprogramm des Bundes an die Kommunen vergeben worden sind, sinnvoll eingesetzt werden, und dass zum Beispiel keine Mensen gebaut werden, die dann kurz nach Fertigstellung leer stehen, weil das Angebot nicht wahrgenommen wird. Und die Kommunen haben ein Interesse daran, dass die Schüler/innen und Eltern zufrieden sind und zugleich die Kostenseite stimmt. Es gibt kein Konzept, das von allen Ganztagsschulen einfach übernommen werden könnte, da die Ausprägungen der Ganztagsschulen viel zu unterschiedlich sind. Kleinere Ganztagsschulen können Eltern beteiligen und Mitarbeiter/innen beschäftigen, um das Mittagessen zuzubereiten, größere Ganztagsschulen haben die Chance, mit einer eigenen Küche und eigenem Personal täglich ein qualitativ hochwertiges Essen herzustellen.

Ganztagsschule und Mittagessen

Ein zentrales Element der Ganztagsschule ist das gemeinsame Mittagessen, das jedoch völlig unterschiedlich organisiert sein kann:

  • Eltern und Schüler/innen organisieren zusammen das Mittagessen.
  • Fertig gekochtes Essen wird geliefert und dann warm gehalten.
  • Menüs werden in gefrorenem Zustand geliefert.
  • Essen wird vor Ort durch eigene Küchenangestellte frisch zubereitet.

Bei all diesen Formen ist es möglich, Eltern und Schüler/innen an der Gestaltung des Mittagsangebots zu beteiligen, wodurch sich die Akzeptanz dieses Angebots stark erhöht. Wir wollen zeigen, wie Eltern und Schüler/innen an der Mittagsverpflegung partizipieren können und wie das Thema einer gesunden Ernährung auch in den Unterricht mit einbezogen werden kann, um das Verständnis für die Gestaltung eines gesunden Essens zu stärken.

Schüler und Eltern einbeziehen

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Kommune und Schulleitung sollten Schüler/innen und Eltern schon in der Planungsphase einbeziehen, damit ihnen nichts fertig vorgesetzt wird. Die Einsicht in notwendige Regelungen wächst bei den Betroffenen meistens durch Mitwirkungsmöglichkeiten, und manche Regelungen, die eventuell von der Kommune nicht angegangen werden, weil Widerstand der Eltern befürchtet wird, können in manchen Fällen vielleicht ganz einfach mit den Eltern vereinbart werden. Die folgende Checkliste gibt einige Anhaltspunkte für Bereiche, in denen Schüler/innen und Eltern schon im Vorfeld der Einrichtung eines Mittagsangebots sinnvoll beteiligt werden können.

  • Für wie viele Schüler/innen und Lehrer/innen wird das Essen geplant? Eine Verpflichtung zum Essen garantiert eine Mindestzahl von Essen und führt zu einer verlässlichen Kalkulation.
  • Welche Möglichkeiten der Essenszubereitung oder Essenslieferung ergeben sich bei einer verlässlichen Anzahl von Mittagessen – was angestrebt werden sollte – und welche bei stark schwankenden Abnehmerzahlen?
  • Welche Möglichkeiten der Abrechnung gibt es? Welche sind am unkompliziertesten und transparentesten? Sind Eltern bereit, eine monatliche Pauschale per Abbuchung zu zahlen, die sich über zwölf Monate erstreckt und die zum Beispiel Ferien, Krankheitstage oder Klassenfahrten schon pauschal einbezieht? Ein solches pauschales Abbuchungsmodell wäre mit einer einfacheren Abrechnung und einem niedrigeren Monatsbeitrag verbunden.
  • Sollen die Essen vorbestellt werden oder können die Schüler/innen täglich entscheiden, was sie essen wollen?
  • Wie kann das Personal entlastet und dadurch das Essen preiswerter gemacht werden? Wo können Schüler/innen mithelfen, etwa beim Abdecken, beim Einsortieren der Teller und Bestecke, bei der Endreinigung?
  • Wie kann ein Essensausschuss effektiv mit dem Mensapersonal zusammenarbeiten, Beschwerden
    entgegennehmen, weiterleiten und eigene Vorschläge für die Menügestaltung machen?
  • Soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Klassen in bestimmten Abständen Vorschläge für den Speiseplan machen?
  • Sollen die Richtlinien, nach denen das Essen zusammengestellt wird (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) mit in das Curriculum – etwa in Biologie – aufgenommen werden? Sollen die Schüler/innen die Möglichkeit haben, die Arbeit in der Mensa zu begleiten, wenn sie dieses Thema im Unterricht behandeln? Soll es möglich sein, dass alle Schüler/innen einer Schule
    in einem bestimmten Jahrgang an einem Kochkurs in der Mensa teilnehmen?

Durch diese Aufzählung wird deutlich, dass bei der Gestaltung des Mittagsangebots Schüler/innen und Eltern in vielen Bereichen und bei der Klärung unterschiedlichster Fragen beteiligt werden können. Als Ergebnis dieses Prozesses ist es möglich, Regelungen für das Mittagessen zu entwickeln, die von einer breiten Mehrheit der verschiedenen Personengruppen getragen werden. Das Mittagessen wird somit zu einer Sache aller Beteiligten. Die Mensa ist dann kein Fremdkörper in der Schule, sondern wichtiger Teil des pädagogischen Konzepts. Und das Personal der Mensa wird unter diesen Bedingungen sicherlich auch ein Interesse daran haben, sein Wissen und seine Kapazitäten bei Schulfeiern und Schulfesten einzubringen.

Auszüge aus: Partizipation als gelebte Gestaltung des Schulalltags
Stefanie Vogelsaenger • Wolfgang Vogelsaenger

Datum: 16.05.2008
© www.ganztaegig-lernen.de



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