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Ganztagsschule: Zeit für mehr?

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Wozu führen eine erweiterte Lernzeit und differenzierte Lehrmethoden?

Werkstatt „Entwicklung und Organisation von Ganztagsschulen“ im Programm „Ideen für mehr!Ganztägig lernen.“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung

Die Ansprüche und Forderungen an junge Erwachsene haben sich in den letzen Jahren erheblich erweitert. Die Anforderungen an die Qualifikationen und auch an das Fähigkeitsniveau von Schulabgängern sind gestiegen. Umfangreiches Fachwissen allein, auf das normalerweise überwiegend in Schulen hingearbeitet wird, macht noch nicht zukunftsfähig. Junge Menschen müssen auch bestimmte Fähigkeiten erwerben, die praktisch „quer“ zu den Schulfächern liegen.

Man nennt sie Schlüsselkompetenzen, das sind beispielsweise Fähigkeiten zur Planung oder zum Umgang mit Medien, Sprach- und Kommunikationskompetenzen oder Teamfähigkeit. Es handelt sich aber auch um Orientierungswissen. Schwierige Zusammenhänge, Medienprodukte oder technische Systeme wie das Internet verlangen von den Menschen heute praktisch Expertenwissen, das sich im Alltag als notwendiges Orientierungswissen darstellt.

Dies alles bedeutet –

... dass attraktive und zukunftsträchtige Berufe eine entsprechende Vorbereitung in der Schule verlangen. Für anspruchsvolle berufliche Kompetenzen werden eben hohe Grundfähigkeiten benötigt, die durch eine ganztägige Schule mit ihren erweiterten Lernzeiten und veränderten Lehrmethoden erworben werden können. Eine Bildungseinrichtung wie die Ganztagsschule mit der erweiterten Lernzeit ermöglicht vielfältige Erfahrungen, sie kann Wissen „aufschließen“, Aufklärung leisten und somit auch Orientierung bieten. Sie bereitet auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft vor.

Beispiel

Annika Hillebrand geht in die sechste Klasse einer Realschule. In der Schule lernt sie reichlich Fachwissen. Aber nach Hause kommt sie oft mit vielen Fragen, die in den Fächern wenig behandelt werden – warum das Ozonloch wächst, warum Atomkraftwerke gefährlich sind, wieso Firmen mit Gewinnen keine Arbeitsplätze schaffen, warum es in Afrika mehr Krankheiten und Epidemien gibt. Ihre Eltern waren mit den Fragen oft überfordert.

Seit ihre Schule Ganztagsschule geworden ist, findet sie Raum und Zeit und vor allem Menschen, die ihre Fragen beantworten oder ihr zeigen, wo sie Antworten auf ihre Fragen finden kann.

Um Schlüsselkompetenzen, Orientierungswissen und Fachwissen zu vermitteln, muss die Schule mit speziellen Methoden und Lernverfahren arbeiten (z. B. Experimente, Projekte, Erkundungen in der Praxis). Dies braucht mehr Flexibilität und vor allem auch mehr Zeit, als es die halbtägige Schule ermöglicht.

Warum intensive Förderung und Talententwicklung?

Unsere Schulen offenbaren strukturelle und pädagogische Defizite.

Lernentwicklung und Lernprobleme erkennen

Viele Schulen scheinen schlecht entwickelt zu sein, wenn es um die Feststellung von Lernentwicklungen und Lernproblemen und um individuelle Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler geht. Stärkung und Förderung der leistungsstarken Kinder und Jugendlichen stand in den letzten Jahrzehnten nicht vordergründig auf dem Lehrplan. In Leistungsvergleichen zeigen große Teile der Lernenden hierzulande erhebliche Schwächen. Schülerinnen und Schüler aus einfacheren Verhältnissen haben erheblich mehr Probleme, bei den verlangten Fähigkeiten mitzuhalten und gehören am ehesten zu den Risikogruppen.

Ein beträchtlicher Teil der Schülerinnen und Schüler wird offensichtlich vom Schulunterricht nicht wirksam erreicht. Dies gilt sowohl für die Leistungsstarken als auch die Leistungsschwachen. Die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen entsprechend den Fähigkeiten scheint in den Schulen teilweise noch in weiter Ferne zu liegen. Die Ganztagsschule ist dazu durchaus in der Lage.

Grundvoraussetzung ist eine

  • erweiterte Lernzeit und
  • differenzierte Lehrmethoden.
Kindern eine Chance geben

Die PISA-Studie hat herausgefunden, dass beim Übergang in die weiterführende Schule und während der Schulzeit eine hohe soziale Chancenungleichheit und eine unzureichende Begabungsausschöpfung bestehen. Die Auslese erfolgt nicht leistungsgerecht und die Verteilung von Bildungschancen geschieht zu Ungunsten von Kindern und Jugendlichen aus einfachen sozialen Verhältnissen. Beachtliche Anteile der Schülerinnen und Schüler erleben hierzulande während der Schullaufbahn Verzögerungen und Versagen: Immer noch rund 6% aller Kinder werden im Einschulungsalter zurückgestellt, und ein Viertel der 15-Jährigen hat in ihrer Schullaufbahn schon einmal eine Klasse wiederholt.

Diese Probleme könnten vorbeugend vermieden werden durch

  • kompetente Diagnostik,
  • intensivere Lernförderung und
  • Ausschöpfung der Begabungen der Kinder und Jugendlichen.

Die Ganztagsschule könnte die Qualifikation und Förderung durch die Schule verbessern, weil man ganztags eine vielfältigere Lernkultur entwickeln kann und so besser alle Schülerinnen und Schüler beim Lernen erreicht und weil mehr Zeit für intensive Förderung und Talententwicklung zur Verfügung steht. Ganztagschulen leisten somit auch einen Beitrag für gleiche Bildungschancen.

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Abb. Ursachen und Ziele der Ganztagsschule Kamski 2006

Lehrerhandeln im individualisierenden Unterricht

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Individuelles Fördern muss selbst erfahren werden, gewollt sein und in praxisbegleitenden Arbeitszusammenhängen gelernt und unterstützt werden. Ausgehend davon, dass Lehrerhandeln und professionelle Kompetenz bestimmt werden durch: Wissen, Können, Wollen, Einstellungen und „subjektive Theorien“, wird deutlich, dass sich die Weiterentwicklung von Kompetenzen in Bezug auf individuelles Fördern auf alle diese Bereiche richten muss. von Karin Bräu  weiterlesen

Datum: 29.06.2008
© www.ganztaegig-lernen.de



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