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Themenatelier "Ganztagsschule der Vielfalt"

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Interviews mit einigen Akteuren

Dr. Maria Rosa Zapata de Polensky

Gesamtmoderation des Themenateliers “Ganztagsschule der Vielfalt“

Was war Ihre Motivation, die Gesamtmoderation für das Atelier zu übernehmen?
Ich bin seit über zwanzig  Jahren in der entwicklungspolitischen Bildung tätig. Entscheidend für mich ist der Umgang mit Heterogenität und die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler,  ein uraltes Thema, das nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund betrifft. Wenn eine Schule ein Problem hat, hat sie dies mit ausländischen Schülern und ohne sie. Wir brauchen keine besondere Pädagogik für ausländische Kinder. Wir brauchen eine gute Pädagogik für alle.

Wie sehen Sie Ihre Funktion im Projekt?
Ich möchte die verschiedenen Akteure und Ideen zusammenführen, bündeln, was von unten und von innen kommt, den Austausch fördern, Input geben. Es ist ja nicht so, als ob wir mit nichts anfangen. Es gibt schon sehr gute Beispiele. Neulich in einer Schule, hat eine Schauspielerin den Kindern und deren Eltern Geschichten aus verschiedenen Kulturen vorgelesen und sie dargestellt. Alle  waren fasziniert. Das hat  Interesse für das Lesen und gleichzeitig das Kennenlernen anderer Kulturen geweckt.

Was ist Ihre Vision für eine Ganztagsschule der Vielfalt?
Ich möchte, dass wir endlich anfangen. Dass das Wissen, über das wir seit über 30 Jahren verfügen – ich denke da z. B. an die Bielefelder Laborschule von  Hartmut von Hentig – , endlich Wirklichkeit an unseren Schulen wird.

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Berrin Alpbek

Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland (FÖTED)

Ihren Eltern wurde geraten, als sie nach Deutschland kamen, dass Sie selbst und Ihre Geschwister nicht in Deutschland, sondern in der Türkei zur Schule gehen sollten, „denn ansonsten wären sie verloren“. Nach welchen Kriterien haben Sie die Schule für ihre Kinder ausgesucht?
Erstens sollte der Migrationshintergrund in der Schule kein Hindernis sein und zweitens wollte ich, dass meine Kinder Türkisch und Deutsch lernen. Wir haben uns für die Deutsch-Türkische Europa-Schule entschieden.

Wie haben Sie sich für die Belange Ihrer Kinder eingesetzt?
Die Elternarbeit wird in Deutschland stark vernachlässigt. Dabei ist es Aufgabe der Schule, das steht schon im Schulgesetz, die Eltern einzubinden. In der Realität ist der Hausmeister oftmals König, der bestimmt, wann die Schule geschlossen wird. Mit den Eltern kämpfen wir, damit die Schule auch ein Lebensraum für Eltern wird.

Welche Rolle nimmt Ihre Organisation im Themenatelier ein?
Wir werden unsere Mitgliedsverbände mobilisieren, um in den drei Regionen Informationen, Ansprechpartner und Netzwerke anzubieten. Wir leisten Lotsenarbeit in der Vermittlung zwischen Schule und Eltern.

Was ist Ihre Vision für eine Ganztagsschule der Vielfalt?
Meine Vision ist eine Schule, in die meine Kinder wirklich gerne gehen, ohne dass ich morgens intensive Überzeugungsarbeit leisten muss.

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Carsten Haack

Schulleiter der Theodor-Storm-Schule, Kiel

Wie ist Ihre Schule zum Themenatelier „Ganztagsschule der Vielfalt“ gekommen?
Die Schule befindet sich in einem sozialen Brennpunkt, unser Migrantenanteil liegt bei 50 Prozent. Als Referenzschule sind wir von der Serviceagentur Schleswig-Holstein angesprochen worden, bei dem Projekt mitzumachen.

Welche positiven Erfahrungen hat Ihre Schule mit der Thematik bisher gemacht?
Seit drei Jahren arbeiten wir mit einem türkischstämmigen Mitarbeiter des Jugendaufbauwerks im Hauptschulbereich zusammen. Er kommt dreimal in der Woche in die Schule, berät, begleitet und unterstützt unsere Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Das hat sich als großer Erfolg erwiesen.

Welchen Stellenwert hat Sprachförderung für Sie?
Vor fünf Jahren hätte ich vielleicht gedacht, lass die erst einmal Deutsch lernen. Aber das ist natürlich absurd. Sprache ist Identität. Deshalb ist die Sprachförderung für mich eines der zentralen Themen im Atelier.

Was ist Ihre Vision für eine Ganztagsschule der Vielfalt?
Dass es keine Rolle spielt, ob die Kinder aus der Türkei oder den ehemaligen GUS-Staaten kommen. Meine Vision ist eine Schule, die Verantwortung übernimmt, die Ressourcen bündelt, die einen eigenen Haushalt hat und eigenständig über Personal und Sprachförderung entscheiden darf.

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Dr. Cebel Kücukkaraca

Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e. V.

Welche Ressourcen kann Ihr Verband in das Projekt einbringen?
Wir sind seit über zehn Jahren sehr aktiv in der Jugend – und Elternarbeit. Gerade was den Übergang von Schule zum Beruf betrifft, haben wir verschiedene Projekte in Lübeck, Kiel und Elmshorn initiiert. Wir haben uns um Ausbildungsplätze gekümmert, Kontakte zur Wirtschaft hergestellt und mehrere Netzwerke aufgebaut. Außerdem haben wir großen Einfluss auf die Eltern. Wir können helfen, die türkischen Eltern in die Schulen zu bringen.

Welche Ideen können eine Ganztagsschule der Vielfalt weiterbringen?
Vor allem muss die interkulturelle Bildung von allen Seiten unterstützt werden. Bildung ist ja nicht nur Sprache, sondern auch Kultur, Religion und Werte. Es geht hier doch auch um Anerkennung anderer Kulturen. Dazu gehört natürlich auch, dass die Kinder und Jugendlichen sich in ihrer jeweiligen Sprache ausdrücken können. Wer sich nicht in seiner eigenen Sprache präsentieren kann, sucht nach anderen Formen der Anerkennung. Das kann manchmal fatale Folgen haben.

Was ist Ihre Vision für eine Ganztagsschule der Vielfalt?
Eine Schule, die genügend Zeit und Ressourcen hat, Schülerinnen und Schüler zu fördern. Eine Schule, die Erfolg und Identität für Kinder möglich macht.

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Mirko Murk

Moderator im Regionalverbund Mecklenburg-Vorpommern und Lehrer an der Krusenstern-Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, Rostock

Wie sind Sie und Ihre Schule zu dem Themenatelier „Ganztagsschule der Vielfalt“ gekommen?
Wir wurden von der Serviceagentur Mecklenburg-Vorpommern angesprochen, weil ich Koordinator im BLK-Programm „Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ (FörMig) bin und meine Schule an diesem Programm teilnimmt. In unserer Schule liegt der Migrantenanteil bei 24 Prozent, der sich auf verschiedene Nationen verteilt. Stark vertreten sind Migrantenkinder aus Vietnam und russischsprachigen Ländern.

Welche Aufgaben haben Sie als Moderator im Verbund?
Vor allem muss ich koordinieren und organisieren, wir haben ja nicht viel Zeit bis Ende 2009. Vier Schule sind in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt, die Serviceagentur und die Migrantenorganisation „Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach“. Der Verein Diên Hông arbeitet für besseres Zusammenleben und Chancengleichheit zwischen Deutschen, Vietnamesinnen, Vietnamesen und anderen Zugewanderten. Besondere Schwerpunkte des Engagements liegen in der sprachlichen Qualifizierung Zugewanderter in der Rostocker Region sowie in der Integration.

Sie haben gerade Ihr zweites Regionaltreffen abgehalten. Welche Ideen wurden bereits entwickelt?
Erst einmal haben wir neben Sprachförderung und interkultureller Vielfalt beschlossen, den Fokus auf Elternbeteiligung zu legen. Für uns ist die zentrale Frage, wie bringen wir Eltern mit Migrationshintergrund in die Schule? Da gibt es kleinere Projektideen, wie „Schüler stellen Eltern ihre Schule vor“ oder „interkulturelle Tage“, die wir bereits an unserer Schule realisiert haben. Herauskristallisiert haben sich beim Treffen zwei größere Vorhaben: einmal ein Theaterprojekt unter Beteiligung der Eltern oder eine kleine WM, in der in länderübergreifenden Teams gekickt wird und die mit einem Stadtteilfest kombiniert werden könnte. Erstere Idee könnte eine Brücke zur Sprachförderung sein, die zweite hat einen hohen Motivationsfaktor und grenzt wegen Sprachbarrieren nicht aus. Die Auseinandersetzung könnte sich höchstens darum drehen, wer darf bei ländergemischten Teams, die Tore für Brasilien oder Deutschland schießen.

Wie sieht Ihre Vision einer Ganztagsschule der Vielfalt aus?
In erster Linie muss es eine offene Schule sein, offen für alle Interessierte und zu allen Zeiten. Entscheidend für uns ist es, die Eltern in die Förderung miteinzubeziehen und eine Möglichkeit zu schaffen, Fachunterricht in der Muttersprache anzubieten, der von den Eltern übernommen werden könnte... Wenn Sie weiter nach Visionen zur Ganztagsschule fragen, riskieren Sie eine Never-Ending-Story und davon gibt es doch schon genug.

Datum: 1.10.2008
© www.ganztaegig-lernen.de

 



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k_14.jpgIm Gespräch
mit den Akteuren des Themenateliers "Ganztagsschule der Vielfalt" in Mecklenburg-Vorpommern. Cornelia Alban spricht mit Manh Tan Nguyen und Schülerinnen und Schülern des Ostseegymnasiums in Rostock. öffnen

k_14.jpg Im Gespräch
Welche Vision haben Sie von einer Ganztagsschule der Vielfalt? oder Welche Funktion hat die Serviceagentur im regionalen Verbund Schleswig-Holstein? Cornelia Alban spricht mit Tanja Klockmann, Maren Wichmann von der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Schleswig-Holstein öffnen