Gemeinsam Qualität entwickeln

Wie Kulturprojekte an Ganztagsschulen voneinander lernen können
von Thomas Busch
Mit dem Themenatelier „Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen“ im Rahmen des Programms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ unterstützte die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, gefördert von der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur in den Jahren 2005 bis 2008 Kooperationsprojekte der kulturellen Bildung an Ganztagsschulen in Bremen, Hamburg, Sachsen und Berlin.
Immer wieder kreisten Diskussionen im Netzwerk der teilnehmenden Schulen und außerschulischen Partner um Fragen wie: „Was macht unsere Arbeit gut?“ oder: „Wie können wir uns und unsere Arbeit während der Kooperation weiterentwickeln?“
Auf diese und andere Fragen der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung versuchte das Themenatelier „Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen“ Bezug zu nehmen. Einige Erkenntnisse aus der dreijährigen Entwicklungsarbeit möchte ich benennen. Qualität zu entwickeln, ist eine höchst subjektive Angelegenheit – gerade im Bereich der Künste. Denkt die an einem kooperativen Projekt arbeitende Musiklehrerin dabei vielleicht an pädagogische Konzepte, Methoden oder das Erreichen curricularer Lernziele, ist einem in einer Schule engagierten Künstler möglicherweise die ästhetische Dimension – das Anderssein als herkömmlicher Unterricht – am wichtigsten. Er möchte unbedingt mehr Raum für echte ästhetische Erfahrungen schaffen. Der Kulturpädagogin aus einem freien Jugendzirkus wiederum mögen neben pädagogischen Kriterien zunächst auch Fragen der Finanzierung und der organisatorischen Einbindung der eigenen Arbeit in den Schulalltag durch den Kopf gehen, wenn sie sich auf eine Kooperation einzulassen beginnt.
Qualitätsrahmen für Kooperationen

In Kooperationsprojekten können also durchaus unterschiedliche Werthaltungen gegenüber Kunst,Bildung, Gesellschaft und dem Projektmanagement solcher Vorhaben aufeinandertreffen, die einer erfolgreichen Aushandlung bedürfen. Dabei kann es auch zu Konflikten zwischen Beteiligten kommen (vgl. Busch 2007). Nicht immer ist Kooperation in einem Projekt einfach, wenn sich alle eingebunden fühlen sollen und die Fähigkeiten und Ressourcen aller Beteiligten benötigt werden.

Zahlreiche als Kooperationen angelegte Projekte sind schon an vermeintlich kleinen Stolpersteinen gescheitert, weil zwischen den beteiligten Professionen und Individuen keine Verständigung über die Ziele der gemeinsamen Arbeit hergestellt werden konnte. „Verständigung“ ist für mich ohnehin der Grundbegriff einer an Kriterien orientierten Qualitätsentwicklung in Kooperationen: Integrative, von mehreren Professionen gestaltete Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche stellen an Ganztagsschulen einen entscheidenden Schritt zu einer vernetzten Lern- und Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler dar – gerade im Bereich der kulturellen Bildung. Nur durch eine gelingende Abstimmung der Angebote eines Sozialraums und die gemeinsame Festlegung von lokal wichtigen Bildungszielen als Orientierungsrahmen können vorhandene Ressourcen ideal genutzt und aufeinander aufbauende Lernangebote und Erfahrungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Aufdecken der Handlungsfelder
Auch für die Anbahnung von Teilhabegerechtigkeit in der kulturellen Bildung ist eine solche Abstimmung in Kommune und Sozialraum von Bedeutung. Findet keine ausreichende Verständigung über die Bildungs- und Entwicklungsziele eines kooperativen Vorhabens zur kulturellen Bildung zwischen den Professionen statt, drohen die angestrebten Entwicklungsziele in nicht konstruktiver Kommunikation und in Fehlplanungen zu versacken – oder die einstmaligen Partner trennen sich und es entwickeln sich unabgestimmte, rein additive Angebote, die nicht selten keiner vernünftigen Angebotslogik mehr folgen.
In Deutschland haben mittlerweile einige öffentliche Institutionen, Verbände und Stiftungen Entwürfe für einen Rahmen zur Qualitätsentwicklung an Schule oder in Kooperationen in der kulturellen Bildung vorgelegt. Inspiriert durch die Ergebnisse der Arbeit im Themenatelier „Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen“ möchte die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung hier zu dieser Diskussion beitragen. Wir verstehen den vorgelegten Rahmen als eine Art Vademecum für die kooperative Projektarbeit in der kulturellen Bildung: Es wird in den seltensten Fällen gelingen, alle Qualitätsbereiche zu kontrollieren und alle Qualitätskriterien auf einem befriedigenden Niveau zu erfüllen. Es ist also eine Art Bausteinkasten, der Schritt für Schritt die eigene Projektarbeit voranbringen mag. Es soll daher auch betont werden, dass ein solches Modell nicht in Konkurrenz zu bestehenden Entwürfen steht: Es ist gedacht als eine Art Leitfaden, eine helfende Hand, eine Ressource bei der Projektarbeit – auch über den Bereich der kulturellen Bildung hinaus.
Inspiriert durch die Ergebnisse der Arbeit im Themenatelier „Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen“ möchte die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung hier zu dieser Diskussion beitragen. Wir verstehen den vorgelegten Rahmen als eine Art Vademecum für die kooperative Projektarbeit in der kulturellen Bildung: Es wird in den seltensten Fällen gelingen, alle Qualitätsbereiche zu kontrollieren und alle Qualitätskriterien auf einem befriedigenden Niveau zu erfüllen.
Stöbern Sie auch in den zahlreichen Praxisbeispielen der Publikation:
Qualität in KulturKooperationen – Erfahrungen aus dem Themenatelier „Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen“ Deutsche Kinder- und Jugendstiftung ISBN 978-3-940898-08-1
Download (PDF, 3 MB)
Diese können Sie auch kostenfrei bestellen
Datum: 20.03.2009 © www.ganztaegig-lernen.de
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