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Pädagogische Gestaltung des Ganztagsbetriebs

Ausbaugrad und Angebotsstruktur, Lernkultur, Förderung

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Heinz Günter Holtappels, Ilse Kamski, Thomas Schnetzer

In Bezug auf den Ausbaugrad bzw. den zeitlichen Umfang des Ganztagsbetriebs zeigt die Befragung der Schulleitungen in der Ausgangserhebung der StEG, dass fast alle Ganztagsschulen im Primarbereich (etwa 93 Prozent) an mindestens vier bis fünf Tagen in der Woche durchgängig in den Klassenstufen 1 bis 4 einen Ganztagsbetrieb organisieren.

Keine Grundschule führt den Ganztagsbetrieb weniger als drei Schultage in der Woche durch. In Schulen der Sekundarstufe I zeigt sich ein differenzierteres Bild: Hier überwiegen in allen Jahrgängen Schulen, die an vier oder fünf Tagen ein Ganztagsangebot vorhalten, wobei die Angebotsquote ab Jahrgangsstufe 5 (mindestens vier Tage = 57 Prozent) mit steigenden Jahrgängen sukzessive abnimmt. In den Jahrgangsstufen 12 und 13 organisiert schließlich nur noch etwa ein Drittel der Schulen (34 bzw. 32 Prozent) einen Ganztagsbetrieb. Festzustellen ist zudem, dass ein beträchtlicher Anteil von Schulen nur in einzelnen Jahrgänge Ganztagsangebote durchführt.

Blickt man übergreifend auf den Ausbaugrad der Schulen, so zeigen die Ergebnisse der StEG 2005, dass fast alle untersuchten Ganztagsschulen sowohl die von der KMK festgelegten Strukturmerkmale von Ganztagsschule als auch die mit der IZBB-Förderung verbundenen Voraussetzungen für den zeitlichen Umfang eines Ganztagsangebots erfüllen. Bestimmte Angebote werden sowohl im Primar- als auch im Sekundarbereich von einem großen Teil der Ganztagsschulen unterbreitet: An erster Stelle stehen Hausaufgabenhilfe und -betreuung, Sport sowie musisch-künstlerische Angebote. Zudem werden häufig Projekttage oder Projektwochen angeboten. An fast allen Ganztagsschulen gehört eine warme Mittagsmahlzeit fest zum Ganztagsangebot.

Häufigste Ganztagsangebote an Schulen der Primarstufe und der Sekundarstufe I (n = 261)

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Quelle: StEG 2005, Schulleitungsbefragung; Holtappels in: Holtappels/Klieme/Rauschenbach/Stecher 2007, S. 192.

Die Angebotsstruktur der Ganztagsschulen wird laut Aussage der befragten Schulleitungen weitgehend von den Wünschen der Schüler/innen (86 Prozent) und der Lehrkräfte (87 Prozent) bestimmt, während die Wünsche der Eltern (54 Prozent) und außerschulischer Kooperationspartner (61 Prozent) eine geringere Rolle spielen. Schulinterne Motive und Zielsetzungen beeinflussen die Angebotsstruktur stärker als administrative Vorgaben.

Die Angebotsstruktur von Ganztagsschulen unterscheidet sich außerdem hinsichtlich der Häufigkeit der Durchführung bzw. der Bedeutung der einzelnen Angebote im Ganztagsbetrieb. So haben freizeitorientierte Angebote an Grundschulen ein größeres Gewicht als an Schulen der Sekundarstufe I, wo fächerübergreifende Angebote aus den Bereichen Handwerk, Technik sowie Medien wichtiger sind.

Des Weiteren wird deutlich, dass Förderunterricht und Förderkonzepte im Ganztag in beiden Schulformen einen hohen Stellenwert besitzen. Doch wird in „nur“ knapp 71 Prozent der Grundschulen Förderunterricht als Ganztagselement durchgeführt und weniger als die Hälfte der Schulleitungen gab an, dass den Schüler/innen in Grundschulen spezifische Fördermaßnahmen als Ganztagsangebot unterbreitet werden. Eine wichtige Frage ist, ob sich durch das Ganztagsangebot die Lern- und Arbeitsformen erweitert haben und damit die Lernkultur bereichert wurde. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Einrichtung des Ganztagsbetriebs sowohl mit neuen schulischen Lern- und Arbeitsformen als auch mit neuen freizeitbezogenen Angeboten – besonders im Grundschulbereich – verbunden ist. Dies hat zur Entwicklung einer vielfältigeren Lernkultur mit differenzierten und umfassenderen Lernmöglichkeiten an Ganztagsschulen geführt.

Ausbaugrad
  • Die meisten Ganztagsschulen organisieren den Ganztagsbetrieb an vier bis fünf Tagen in der Woche. Angebotsstruktur
  • Die häufigsten Angebote in Ganztagsschulen sind Hausaufgabenhilfe und -betreuung, gefolgt von Sport und musisch künstlerischen Angeboten.
  • Fast alle Ganztagsschulen bieten den Schüler/innen die Möglichkeit einer warmen Mittagsmahlzeit. Förderung und Lernkultur
  • Etwa ein Drittel aller befragten Schulleitungen von Grundschulen gaben
  • Ganztagsschulen haben in der Regel eine vielfältigere Lernkultur entwickelt.
Interpretation der Ergebnisse

Bei diesen Befunden ist hervorzuheben, dass an einem großen Teil der Grundschulen keine ausgewiesenen Förderkonzepte oder spezifischen Förderangebote im Ganztag vorhanden sind. Sowohl an Grundschulen als auch an Schulen der Sekundarstufe I nimmt nur ein Viertel der Schüler/innen an fachbezogenen Förderangeboten teil. Hier wird ein enormer Entwicklungsbedarf im Hinblick auf die Entwicklung und Umsetzung von Förderkonzeptionen deutlich. An Grundschulen mit Ganztagsbetrieb muss künftig besonders der Bereich der individuellen (Früh-)Förderung massiv ausgebaut werden, wenn sichtbare pädagogische Effekte durch Ganztagsschulangebote erzielt werden sollen.

GANZTAGSSCHULE IM SPIEGEL DER FORSCHUNG
Zentrale Ergebnisse der Ausgangserhebung der „Studie zur Entwicklung von
Ganztagsschulen“ (StEG) – Eine Informationsbroschüre
Werkstatt „Entwicklung und Organisation von Ganztagsschulen“
Institut für Schulentwicklungsforschung (IfS)

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Datum: 2.04.2009
© www.ganztaegig-lernen.de



   
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