Zukunft gestalten lernen

Ganztagsschule lebensnah gestalten durch Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
BLK-Programm Transfer-21
In den letzten Jahren vergrößert sich das Angebot von Ganztagsschulen im Bundesgebiet kontinuierlich. Ganztagsschulen sind konzeptionell sehr verschieden (z. B. existieren in den Bundesländern offene und / oder gebundene Formen). In diesen Empfehlungen wird nicht zwischen den unterschiedlichen Ganztagsschultypen differenziert, vielmehr richten sie sich ganz allgemein an alle Schulen, die sich als „Ganztagsschulen“ bezeichnen.
„Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen.“
Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im Konzept der Ganztagsschulen
Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist ein ganzheitliches Konzept. Es bietet in seiner inhaltlichen und methodischen Vielfalt einen motivierenden, lebensweltlichen und zukunftsorientierten Ansatz für die Ganztagsschulen. Mit der Öffnung der Schule zum regionalen Umfeld und zur Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler, der Gestaltung der Räume und der Lernumgebung, der Erweiterung der Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten sind wichtige Handlungsfelder genannt, die für die Gestaltung des Ganztagsangebotes bedeutsam sind.
Es geht dabei sowohl um den Erwerb von vielfältigen sozialen, kulturellen und individuellen Kompetenzen als auch um ihre Anwendung in konkreten Situationen. Die Schüler/innen lernen die Auswirkungen des eigenen Handelns einzuschätzen. Ein Grundprinzip der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist das fächerübergreifende Arbeiten. Diese Arbeitsform ist in den Kursen, den Projekten der Ganztagsschule besonders beliebt, denn die meisten Angebote sind nicht eindeutig einem Fach zuzuordnen. Sachkunde lässt sich im Kontext von Schulweguntersuchung betreiben, naturwissenschaftliche Grundkenntnisse kann man beim Lärmmessen erwerben oder Deutsch beim Bestellen der Materialien für die Schülerfirma. Oft wird beklagt, Kindern fehle Verständnis für Technik. Auch hier bieten besondere Arbeitsgruppen Möglichkeiten der Technikanwendung, z. B. beim Fahrrad-Reparieren, beim Bau von Solaranlagen oder dem Wasserrad.
Partizipation
Die Erfahrungen vorzustellen, sie zu beschreiben kann wiederum Teil des Faches Deutsch sein, während die Planung des Schulfestes zur Vorführung dem Erwerb der Kooperationsfähigkeit dienen kann. Elementar ist die Gesundheitserziehung. Für sie gibt es gute Konzepte, z. B. für die Einrichtung von festen täglichen Bewegungszeiten, von gesundem gemeinsamen Frühstück oder für die Durchführung von Kochkursen mit regionalen und ökologisch angebauten Produkten. Die Kräuter aus dem Schulgarten können dabei nicht nur zur Geschmacksverbesserung beitragen, sondern auch noch Naturkenntnisse vertiefen.
Ein weiteres Prinzip ist das der Partizipation. Besonders Projekte im Ganztag bieten hier die Möglichkeit, Beteiligung an Entscheidungsprozessen zu üben und eigene Vorstellungen und Ideen einzubringen. Geeignet sind Themen- und Handlungsfelder, die auf Schülerbeteiligung setzen, wie z. B.:
- Schulfreiflächen- und Schulraumgestaltung
- Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen (Energie, Müll, Wasser u. a.)
- Gesunde Ernährung und Verpflegung
- Gesundheitsförderliche Schule
- Eine-Welt-Themen (Fairer Handel, Schulpartnerschaften)
- Lernpartnerschaften Schule-Wirtschaft
Innovative Schulstrukturen
Kennzeichen von Schulen, an denen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung umgesetzt wird, sind zudem innovative Schulstrukturen. Die Schulen kooperieren mit außerschulischen Partnern in den Kommunen, Nachbarn aus Verbänden oder der Wirtschaft. Die Zahl der Schülerfirmen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. In ihnen kann man nicht nur kaufmännische Fähigkeiten erwerben, sondern auch kooperative Leitungsfunktionen kennen lernen. Es gibt Firmen, die ihre Produkte an Prinzipien des fairen Handels, des ökologischen Landbaus oder an ethischen Kriterien wie Verminderung von Kinderarbeit orientieren. Dabei können sie dann Empathie und Solidarität entwickeln und Werteerziehung in der Praxis erhalten. Je nachdem, wie die organisatorische Vorbereitung ist, welche Fachkräfte für die Kooperation und die Angebote zur Verfügung stehen, bieten gerade Ganztagsschulen die Chance, zur Persönlichkeits-bildung beizutragen. Dabei soll auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen, denn nach den morgendlichen Stunden, die oft noch in Klassenräumen stattfinden, sollte nachmittags ein fächer- und klassenübergreifender „Unterricht“ möglich sein. Das Lernen kann in altersgemischten Gruppen stattfinden, die Kinder können sich individueller einbringen und lernen, dass sie Veränderungen bewirken können.
BLK-Programm Transfer-21
Ausführliche Informationen über Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) erhalten Sie durch das BLK-Programm Transfer-21. Wir verfügen über eine umfangreiche Material-sammlung zu Themen der BNE. 56 Unterrichtsmaterialien, die Sie in Ihre Unterrichts- und Projektplanung einbeziehen können, stehen zum Download bereit. Auf unserer Internetseite und den Internetseiten der beteiligten Bundesländer erhalten Sie Adressen von möglichen Kooperationspartnern und Experten, die Sie gern bei der Umsetzung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an Ihrer Schule unterstützen.

Kooperationspartner im Ganztag: Lernziel Qualität
Schulische Ganztagsangebote brauchen inhaltliche Unterstützung von außen. Öffentliche und freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Jugendverbände, Organisationen in Kultur und Sport, lokale Agenda-Büros, Umweltbildungszentren, Eine-Welt-Häuser u. a. sind Akteure im Handlungsfeld Ganz-tag, deren Aufgaben- und Rollenverständnis im gemeinsamen Verständigungsprozess zu entwickeln ist. Kriterien für ein solches fachlich definiertes Rollenverständnis finden sich z. B. im Nationalen Kriterienkatalog von QUAST (Qualität für Schulkinder in Tageseinrichtungen), der im Rahmen der „Nationalen Qualitätsinitiative im System der Tageseinrichtungen für Kinder“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entwickelt worden ist.

Über den Bund-Länder-Modellversuch „Lernen für den GanzTag“ werden zudem Fortbildungsbausteine für pädagogisches Personal an Ganztagsschulen entwickelt oder in gemeinsamen Fortbildungen zu relevanten Themen in der Verbindung von Unterricht und Ganztagsangeboten angestoßen. Langfristig ist durch diese gemeinsamen Aktivitäten beabsichtigt, die Weiterentwicklung des jeweiligen Schulprogramms unter Mitwirkung aller an der Erziehung und Bildung Beteiligten in der Schule zu stärken und zu befördern.

Erkennbar nehmen sich mehr als bisher Schulen als Einrichtungen wahr, die auf Standortbedingungen Bezug nehmen und reagieren müssen. Dies geschieht wesentlich auf zwei Ebenen. Einerseits machen sich die soziokulturellen und sozialökonomischen Bedingungen und Lebensverhältnisse unmittelbar in Reaktionen auf das Ganztagsangebot bemerkbar, andererseits liefern die Stadtteile oder Kommunen, in denen die Schulen liegen, zum größten Teil die Ressourcen, Kooperationspartner und Akteure, die sich mit großer Vielfalt in den Ganztag einbringen.
Grundsätze der Kooperation – Gelingensbedingungen
Die Kooperation mit außerschulischen Partnern muss sich an den pädagogischen Bedürfnissen der Schulen orientieren und möglichst in langfristig angelegte Schulentwicklung integriert sein. In der Regel wird sie von der Schule veranlasst und sollte daraufhin geprüft werden, ob sie
- mit anderen Schulentwicklungsvorhaben sowohl im Hinblick auf Ziele und Wirkungen wie auf Zeitaufwand und Bindung personeller Ressourcen kompatibel ist;
- nicht zu einer unkoordinierten Folge einzelner Projektaktivitäten führt;
- auf die Bedingungen und Bedürfnisse der Schulen Bezug nimmt.
Die Kooperation mit außerschulischen Partnern erfordert deshalb eine Klärung der wechselseitigen Interessen und Erwartungen, die die jeweils Beteiligten aus der Sicht ihrer Institutionen in die Kooperation einbringen und mit ihr verbinden. Die Themen- und Handlungsfelder der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung bieten vielfältige Verknüpfungsmöglichkeiten mit den Aufgabenstellungen des Ganztages und können in besonderer Weise zur Entwicklung integrativer Angebote beitragen.
Weitere Informationen
Ernst Zachow: Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Partnern. Hrsg. G. de Haan. Handreichung Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in der Schule. Schneider Verlag Hohengehren (2005).
Im Anhang finden Sie einen Mustervertrag für Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Kooperationspartnern aus Brandenburg. In einigen Bundesländern wie Hessen und Rheinland-Pfalz wurden ebenfalls Musterverträge entwickelt.

Mit der Handreichung zeigt Transfer-21 Lehrern, Schulleitern, Ganztagskoordinatoren, außerschulischen Kooperationspartnern und Eltern, wie sie ihre Schüler und Kinder auf ihrem Weg in die Zukunft unterstützen können. Mit Bildung für nachhaltige Entwicklung im Ganztag begegnen Sie den Anforderungen an die Schule von heute und morgen. Dieser Leitfaden mit ganz konkreten Beispielen zur Umsetzung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung soll Unterstützung beim Aufbau oder der Weiterentwicklung einer Ganztagsschule bieten.
In dieser Broschüre wird nicht zwischen den unterschiedlichen Ganztagsschultypen differenziert, vielmehr richten sie sich ganz allgemein an alle Schulen, die sich als "Ganztagsschulen" bezeichnen.
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