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Übergang Schule – Wirtschaft

Die Werkstatt „Schule ist Partner!“ im Programm „Ganztägig lernen! Ideen für mehr“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung hat sich besonders mit der Rolle von Wirtschaftsunternehmen als außerschulischen Partnern für Ganztagsschulen befasst.

Gerade auch für Hauptschüler ist der Übergang von der einen Ausbildungsphase in die nächste schwierig – von der Schule in das Berufsleben, das im Normalfall mit einer Berufsausbildung beginnt. In Nürnberg lebt ein Projekt von der Einsicht und der Hoffnung, dass dies am besten von denen vermittelt werden kann, die den Schritt schon vollzogen haben. Auszubildende helfen Schülern. Das Beispiel zeigt darüber hinaus, dass außerschulische Partner aus der Wirtschaft nicht nur für sinnvolle Aktivitäten im Ganztagsschulbetrieb sorgen können, sondern einen wichtigen Beitrag für den am Ende der Schullaufbahn stehenden Orientierungsprozess zu leisten vermögen.

„AbS – Azubis begleiten Schüler“

Ein Projekt in Nürnberg

„Ich weiß was es heißt, eine so schwere Ausbildung zu machen“
Veysel, 21, IT-Systemelektroniker

Das AbS-Projekt ist eines von drei Praxisbausteinen des ESF- Förderprojektes „Nürnberger Modellprojekte zum Übergang Schule-Beruf“.

Die Schülerinnen und Schüler der siebenten Klassen von inzwischen neun beteiligten Hauptschulen werden im Rahmen von AbS im Klassenverband auf die Berufsorientierungsphase hingeführt. Diese Aufgabe übernehmen in erster Linie Auszubildende als Tutoren und Tutorinnen – „rekrutiert“ zunächst aus dem Ausbildungsring Ausländischer Unternehmer e.V. (AAU), mittlerweile aber auch aus weiteren Nürnberger Unternehmen.

Die Tutorinnen und Tutoren informieren die Schüler über ihren eigenen Ausbildungsberuf, zeigen ihren Betrieb und berichten über ihre persönlichen Erfahrungen beim Einstieg in das Berufsleben. Gruppenpädagogische Einheiten unterstützen den Austausch von Azubis und Schülern.

Die (ursprüngliche) Projektidee

Bereits im Jahr 2005 war in Nürnberg der Entschluss gefasst worden, dem erfolgreichen Projekt „Südstadtkids“ ein weiteres Projekt zum Thema „Übergang Schule-Beruf“ an die Seite zu stellen. Hauptschülerinnen und Hauptschüler der siebenten Klassen von damals drei Hauptschulen sollten über einen Zeitraum von einem Jahr an die Arbeitswelt herangeführt werden. Neben Kompetenztrainings mit Hilfe verschiedener Trainingsmodule und Berufsorientierung wurde den Schülern auch „Berufsorientierung aus nächster Nähe“ angeboten. Hierbei wurde eng mit dem Ausbildungsring Ausländischer Unternehmer e.V. kooperiert. Die Auszubildenden des AAU nahmen bei der Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler eine Schlüsselposition ein. Sie begleiteten die Schülerinnen und Schüler durch den Dschungel der Berufswahl und -orientierung über einen längeren Zeitraum sehr regelmäßig und setzten damit einen verbindlichen Rahmen für die in der achten Klassenstufe stattfindende Berufsorientierung.

Beispiele aus der praktischen Arbeit

Trainingsmodule für Schülerinnen und Schüler: Kompetenzwerkstatt (interkulturelles Training, Herkunft/Migration, Medienkompetenz, Orientierung im Stadtteil), Sprache (Sprachwerkstatt, Selbstpräsentation, Schreibwerkstatt), Berufsorientierung (Bewerbungsmappe, Praktika, Lebensplanung ohne Geld …) und Praxisprojekte (Planspiele, Theaterwerkstatt …)

Trainingsmodule für Tutorinnen und Tutoren: Elterninformation, Moderationstechniken, Interkulturelles Training …

Das Fazit des ersten Projektdurchlaufs fiel überwiegend positiv aus. Gravierenden Einschnitten wie z.B. Ferienzeiten, Praktika oder Tutorenwechseln wurde mit einer hohen personellen Kontinuität im Projektmanagement und der pädagogischen Begleitung aus den Schulen begegnet.

So konnten die beteiligten Schülerinnen und Schüler …

  • ihre Vorstellungen über berufliche Ausbildungsmöglichkeiten konkretisieren und „erden“,
  • für eine erfolgreiche Ausbildung notwendige soziale Kompetenzen erwerben,
  • ihre rhetorischen Fähigkeiten und ihr Auftreten in der Gruppe üben und
  • Bewerbungs- und Präsentationstechniken erlernen, eine Bewerbungsmappe zusammenstellen, und Bewerbungsgespräche trainieren.
Die Neuauflage 2008 – 2010

Der große Erfolg des ursprünglichen Projektes führte zu einer Neuausrichtung des Projektes im Rahmen der Nürnberger Modellprojekte. Die zentralen Elemente des Projektes, insbesondere die Rollen der Tutorinnen und Tutoren, werden weiter verfolgt – ergänzt um die Möglichkeit der Ausdehnung auf weitere Nürnberger Hauptschulen. Allerdings ändert sich der Modus der Zusammenarbeit von Azubis und Schülern, indem vom wöchentlichen Rhythmus Abstand genommen wird. An dessen Stelle finden über das Jahr verteilt und nach einer bestimmten Dramaturgie sechs Projekttage statt.

Ablauf und wesentliche Projektinhalte 2008/09

  • AbS-Großgruppen-Aktion In der Startphase

Nachdem die Azubis und Schülerinnen und Schüler Anfang des Schuljahres 2008 für das Projekt gewonnen und auf ihre Rolle vorbereitet wurden, beteiligten sich alle Azubi- und Schulklassen an einer zentralen AbS-Großgruppenveranstaltung. Einerseits gab das den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ein breites Spektrum an Auszubildenden an einem Tag kennen zu lernen. Andererseits bildete sich die eigentliche Idee des Projekts augenfällig ab: Die beiden Ausbildungswelten sollten kurzzeutug verschränkt werden, um den Übergang zwischen ihnen zu erleichtern. Mit dem Zusammentreffen aller Abs-Beteiligten konnte in der Frühphase des Projekts im Herbst 2008 ein Signal nach innen wie nach außen ausgesandt werden.

  • Anschließende Projektarbeit von Schüler/innen und Azubis

Über das Schuljahr verteilt fanden im Anschluss an die Großgruppen-Aktion einzelne gemeinsame Projekttage von Schülerinnen und Schülern und Azubis an den Hauptschulen und in Betrieben statt. Über den Kontakt zu den Azubis wurden die 7.-Klässler schrittweise an die Berufswelt herangeführt und mit allgemeinen Fragen der Arbeitswelt in Kontakt gebracht, bevor sie in der 8. und 9. Klasse dann zielgerichteter mit bestimmten Berufen und Berufsfeldern konfrontiert werden.

  • Rückschau auf das gemeinsame „AbS-Jahr“: Großgruppenveranstaltung II

Nach einem Schuljahr mit punktuellen gemeinsamen Aktivitäten von Schülern (7.Klasse) und Azubis (2. Berufsschulklasse) wurde zum Schuljahresende bei einer weiteren Großgruppenveranstaltung Bilanz gezogen. Die Schulklassen berichteten bei einer Präsentation von der Zusammenarbeit mit den Azubis und hielten Rückschau.

  • AbS-Spezial: Outdoor

Über die Projekttage in den Schulen hinaus sollten den Schülerinnen, Schülern und Azubis pro Jahr ein bis zwei freiwillige Angebote mit einem erlebnispädagogischen Hintergrund gemacht werden: z.B. Klettern, Floßbau, Kanu usw., also Aktionen, die einerseits das Gruppengefühl stärken, andererseits den Azubis als Anreiz für eine Beteiligung am Projekt dienen können.

Ausblick Schuljahr 2009/10

Im Rahmen des Projekts „AbS – Azubis Begleiten Schüler“ besteht anhand von zwei Durchläufen an neun Nürnberger Hauptschulen die Gelegenheit, ein System der Vororientierung von Hauptschülerinnen und Schülern unter Mitwirkung von jungen Azubis in einem größeren Rahmen auszutesten. In Nürnberg wurde den in den 8. und 9. Klassenstufen systematisch durchgeführten Programmen der Berufsfindung und  orientierung somit ein gruppenpädagogisches, peer-group-basiertes Vorhaben des Übergangsmanagements vorgeschaltet. Inhaltlich knüpft der pädagogische Ansatz an dem in den vergangenen Projekten praktizierten Prinzip der Aktivierung von Jugendlichen für sich und ihre Nachbarschaft an. Die Auszubildenden werden als Bildungs- und Erfahrungsträger in der Berufsorientierung von Jugendlichen eingesetzt.

Beim zweiten Durchlauf des Projektes, das zunächst analog zum Schuljahr 2008/09 geplant ist, besteht im Schuljahr 2009/10 die Möglichkeit, Erfahrungen der ersten Staffel aufzunehmen und Modifikationen zu implementieren. So wird die erlebnispädagogische Einheit, die zunächst als „Belohnung“ für ein erfolgreiches AbS-Jahr am Ende eingeplant war, neuerdings –gruppenfördernd – zu Beginn der gemeinsamen Projektarbeit der Azubis und Schüler/innen durchgeführt.

Angesiedelt ist das Projekt beim Bildungszentrum Süd der Stadt Nürnberg. Das Projekt wird gefördert vom Europäischen Sozialfonds und unterstützt von der Arbeitsagentur Nürnberg. 2007 hat es den zweiten Preis im Wettbewerb „Bildung für Kinder“ der Sparda-Stiftung erhalten.

Projekt:  AbS – Azubis begleiten Schüler
Projektlaufzeit: 01. Juli 2008 – 30. Juni 2010
Info:   Dr. Martin Bauer-Stiasny
martin.bauer-stiasny@stadt.nuernberg.de
Quelle: vgl. http://www.azubis-begleiten-schueler.de/index.htm

Datum: 11.11.2009
© www.ganztaegig-lernen.de


 



   
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Die Werkstatt „Schule ist Partner!“ befasst sich im Rahmen des Programms „Ganztägig lernen! Ideen für mehr“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in besonderer Weise mit dem Themenfeld Schule – Wirtschaft.

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