Was ist der Klassenrat?

von Sonja Student unter Mitarbeit von Sappho Beck und Josef Blank
Der Klassenrat ist ein basisdemokratisches Gremium der gesamten Klasse (inklusive der Lehrkraft) mit fest strukturiertem Ablauf und klarer Rollenverteilung. Schülerinnen und Schüler tauschen sich hier über aktuelle Themen der Klasse und Schulgemeinschaft aus und bestimmen zugleich altersgemäß über das gemeinsame Lernen und Zusammenleben mit.
Im Zuge dessen lernen sie eine Diskussion zu führen und zu leiten, sowie sich an vereinbarte Regeln für das Gespräch und die Geschäftsordnung zu halten. Durch das Einüben verschiedener Rollen, wie Klassenrats-Chef, Protokollant, Zeitwächter und Abgeordneter für die Abgeordnetenversammlung der Klassen, erlernen sie einen Rollen- und Perspektivwechsel. Dabei sammeln sie auch Erfahrungen mit der Funktionsweise einer repräsentativen Demokratie.
Umsetzung des Klassenrats
Verschiedene Formen des Klassenrats Die Formen der Durchführung unterscheiden sich nach Alter und Selbstständigkeit der Kinder und Jugendlichen. In den Anfangsklassen der Grundschule oder Förderklassen unterstützen die Lehrkräfte die Kinder noch bei der Leitung, der Vorbereitung oder dem Protokoll. Ziel ist es aber immer, dass die Schüler den Klassenrat selbstständig abhalten können und die dafür erforderlichen Fähigkeiten erlernen. In manchen Klassen führen die Kinder oder Jugendlichen den Klassenrat ohne die Lehrkraft durch. Grundsätzlich gilt aber, dass Klassenlehrerin oder Klassenlehrer zur Klassengemeinschaft gehören, sie im Klassenrat wie die Schüler eine Stimme haben und sich an die gemeinsamen Regeln halten müssen.
Die Länge des Klassenrats variiert nach dem Alter der Kinder. In ersten Klassen sollte der Klassenrat nicht länger als 20 Minuten dauern. Auch die Dauer der Klassenratsämter kann variieren: In einigen Klassen wechselt die Leitung von Sitzung zu Sitzung, in anderen wird sie monatlich gewechselt. Wichtig ist, dass jede Schülerin und jeder Schüler im Laufe eines Schuljahres die Gelegenheit hat, Verantwortung für die Klasse zu übernehmen. In den Sekundarschulen kann der Klassenrat zu bestimmten Themen Arbeitsgruppen oder Unterausschüsse einrichten, die zwischen den Sitzungen Aufträge erledigen.
Einführung des Klassenrats an der Schule
Die Einführung des Klassenrats sollte gut vorbereitet sein. Empfehlenswert ist der Besuch einer Schule, an der schon länger mit dem Klassenrat gearbeitet wird. Bei den Hospitations- und Fortbildungsangeboten der Modellschulen für Partizipation und Demokratie informieren erfahrene Praktiker über den jeweiligen schulspezifischen Weg, über Erfolge und über Hindernisse.
Das Projekt sollte in der Lehrer- oder Schulkonferenz vorgestellt bzw. mit der Schulleitung und der Schülervertretung abgesprochen werden. Auch die Eltern sollten frühzeitig über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt werden. Es sollte deutlich gemacht werden, dass schulische Leistungsförderung und Partizipation kein Widerspruch sind, sondern dass Beteiligung die Verantwortungsfähigkeit und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit fördert. Anhand anschaulicher Filme oder Besuche von Experten an der Schule können sich das ganze Kollegium und die Eltern informieren und ein Pilotprojekt in der Schule unterstützen oder beschließen, den Klassenrat an der Schule einzuführen. Das wird nicht an allen Schulen möglich sein. Es gibt auch viele Beispiele dafür, wie einzelne Lehrkräfte das Projekt zunächst in ihrer Klasse erproben und mit zunehmender Erfahrung weitere Kollegen zum Nachmachen anregen.
Auf jeden Fall sollten die Rahmenbedingungen zur Durchführung des Klassenrates gesichert werden – am besten in einer festen Stunde in der Woche, die im Stundenplan verankert ist. In der Sekundarstufe I können auch mehrere Fachlehrer abwechselnd eine Stunde zur Verfügung stellen. Denn was die Schüler im Klassenrat lernen, kommt dem Unterricht in allen Fächern zu Gute.
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Datum: 25.02.2010 © www.ganztaegig-lernen.de
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